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  11.11.2009, 22:20    

Erneuerbare Energien: Wind und Bioenergie hängen Solar ab

FAQ Ein Selbstläufer ist alles, was unter dem Label "Greentech" firmiert, längst nicht mehr. Am Donnerstag legen die größten Player der Solarzunft, Windkraft und Bioenergie ihre Zahlen aus dem dritten Quartal vor. von Kathrin Werner, Hamburg
Eine Biogasanlage und ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk   Eine Biogasanlage und ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk
Sie werden die vielfältigen Probleme der einst hochgelobten Branche zeigen. Während Solarunternehmen unter Preisverfall leiden, schadet den Windanlagenbauern in erster Linie die Wirtschaftskrise: Projekte werden verschoben. Im organischen Geschäft haben sie aber keine größeren Schwierigkeiten. Auch den angeschlagenen Bioenergiefirmen geht es dank neuer Gesetze besser.
Mit Q-Cells , Conergy  und Phoenix Solar  melden am Donnerstag drei dominierende Unternehmen der Branche ihre Zahlen. Experten rechnen mit desaströsen Ergebnissen - obwohl die Nachfrage steigt. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden hierzulande laut Bundesnetzagentur neue Anlagen mit rund 1471 Megawatt gebaut - so viel Energie produziert ein größeres Kernkraftwerk. Tendenz steigend. Der Grund: Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die Bundesregierung Versorgungsunternehmen verpflichtet, Sonnenstrom zu einem hohen Preis aufzukaufen. Wer sich eine Fotovoltaikanlage aufs Dach setzt, erhält bis 2030 43 Cent für jede Kilowattstunde, die er ins Netz einspeist. Doch nur noch bis Jahresende - dann sinkt die Förderung. Da auch die Preise für Solaranlagen gefallen sind, müssen Installateure bereits Aufträge ablehnen, weil Mitarbeiter fehlen, um die Anlagen aufs Dach zu bringen.
Bei den deutschen Solarunternehmen steigen daher die Absatzmengen. "Die Kapazitäten in der Modulproduktion in den USA, Deutschland und Südkorea arbeiten bei Vollauslastung an ihrer Kapazitätsgrenze", schrieb etwa der Bonner Konzern Solarworld , der seine Zahlen in der vergangenen Woche schon vorlegt hatte.
Bei den Gewinnen wirkt sich das aber kaum aus - der Preisverfall lässt die Margen wegbrechen. Asiatische Hersteller nehmen mit extrem preisgünstigen Modulen den deutschen Rivalen immer mehr Geschäft ab. Chinesische Solarunternehmer verdoppelten ihren weltweiten Marktanteil binnen zwei Jahren auf mehr als 30 Prozent. Sie können im Schnitt 30 Prozent günstiger produzieren als die Deutschen, schätzen Experten.
Fast alle hiesigen Hersteller von Solarzellen und -modulen sind daher im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht. Laut einer Analystenumfrage der Nachrichtenagentur Reuters bleibt das auch im dritten Quartal ähnlich: Phoenix Solar habe laut der Schätzung einen Gewinneinbruch zu verkraften. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebit) und der Nettogewinn seien um mehr als 80 Prozent eingebrochen. Der Solarzellenhersteller Q-Cells habe erneut tiefrote Zahlen geschrieben und einen Umsatzeinbruch verbucht. Auch bei Conergy erwarten sie Verluste. Am Mittwoch meldete Centrotherm einen leicht gestiegenen Umsatz, aber einen Rückgang beim Gewinn um fast ein Viertel auf 7,2 Mio. Euro. Profiteure des Nachfrageschubs sind spezialisierte Anbieter wie SMA Solar aus Kassel. Das Unternehmen baut Wechselrichter, die den Gleichstrom aus den Solarmodulen in Wechselstrom umwandeln.
Hier sieht die Lage anders aus: Wegen der Finanzkrise können zwar viele Windparks erst später als geplant gebaut oder erneuert werden. Trotzdem geht es der Branche vergleichsweise gut. Der Windenergieverband erwartet 2009 für den deutschen Markt Wachstumsraten von 20 Prozent, also 2000 Megawatt, und 25 Prozent im nächsten Jahr. Die Unternehmen setzen neben dem Heimatmarkt stark auf das Ausland, etwa auf die von US-Präsident Barack Obama  angekündigten Milliardensubventionen für alternative Energien. Auch China baut riesige Windparks - und vergibt Aufträge an die starken deutsche Hersteller. Nordex  etwa liefert 22 Großturbinen an den Energiekonzern Ningxia Electric Power.
Entsprechend positiv entwickeln sich die Zahlen der Unternehmen. Der Windradbauer Repower , der am Donnerstag Zahlen vorlegt, meldete bereits vorab, dass der Umsatz zwischen April und September um mehr als 15 Prozent auf 610 Mio. Euro gestiegen ist. Das Ebit verbesserte sich ebenfalls deutlich. Analysten rechnen auch mit einem positiven Nettoergebnis. Weltmarktführer Vestas  aus Dänemark steigerte im abgelaufenen Vierteljahr das Ebit um gut 50 Prozent auf 244 Mio. Euro.
Die Branche ist stark mittelständisch geprägt - viele Unternehmen sind nicht an der Börse notiert. Im Gegensatz zu Verbio , einem der führenden Hersteller von Biosprit, der am Donnerstag Quartalszahlen vorlegt. Am Freitag folgt Rivale Cropenergies , eine Südzucker-Tochter. Im ersten Halbjahr fuhr Verbio einen Verlust von 16,2 Mio. Euro ein, der Umsatz schrumpfte. Der Markt für Biosprit ist wegen einer Steuererhöhung praktisch vollständig zum Erliegen gekommen, da fossile Treibstoffe günstiger waren. Die neue Regierung plant aber, die Steuer Anfang 2010 zu senken.
Kursinformationen und Charts
  Q-Cells 8,86 EUR  [0.277 +3,23%
  Conergy 0,708 EUR  [0.024 +3,51%
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Auch Biogasunternehmen geht es wieder besser - obwohl die Branche vor Kurzem die Pleite ihres Vorzeigeunternehmens Schmack verkraften musste. 2009 wurden bisher 450 Anlagen gebaut - 220 Megawatt Leistung. Den Firmen machten steigende Preise ihrer Vorprodukte wie Raps, Soja oder Ölpalmen zu schaffen, zuletzt sind sie aber wieder um die Hälfte gesunken. Außerdem hielten sich Investoren zurück, weil die öffentliche Förderung unklar war. "Seit der Gesetzgeber Anfang 2009 das EEG geändert hat, ist die Auftragslage gut", sagte Bernd Geisen, Geschäftsführer des Bundesverbands Bioenergie.
  • Aus der FTD vom 12.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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