China gehört nach den USA und Russland jetzt zum kleinen Kreis der Nationen, die ein Super-Kampfflugzeug der so genannten fünften Generation entwickelt haben. Damit werden Modelle bezeichnet, die im Flug extrem wendig und von Radarstrahlen schwer zu erfassen sind.
Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien hob am Dienstag erstmals das chinesische Kampfflugzeug J-20 zu einem rund 15-minütigen Testflug von einem Flughafen in Chengdu im Südwesten Chinas ab. Dem äußeren Erscheinungsbild nach ähnelt Chinas neuer Super-Kampfflieger stark an das US-Modell F-22 Raptor und Russlands Kampfjet-Prototyp MIG 1.44.
Der Erstflug erfolgte während eines Besuchs von US-Verteidigungsminister Robert Gates in China. Die Regierung in Peking will damit offensichtlich demonstrieren, zu welcher Militärmacht sie in technischer Hinsicht aufgestiegen ist.
Gates sagte in Peking, Präsident Hu Jintao habe ihn über den Erstflug informiert. Hu habe versichert, der Test sei zufällig in die Zeit seines Besuchs gefallen. Internetseiten zeigten Aufnahmen des Flugzeugs, wie es abhebt und bezeichneten den Test als erfolgreich.
Branchenexperten rätseln über die Leistungsfähigkeit des Flugzeugs. Allein von den äußeren Konturen ließen sich keine Aussagen darüber treffen, heißt es.
So verringern beispielsweise die vorderen, beweglichen Flügel am Rumpf die so genannte Stealth-Eigenschaft, also die Tarnung gegen Radarstrahlen. Gleichzeitig verbessern sie aber die Wendigkeit.
Auch der Eurofighter hat diese kleineren Lenkflügel am Rumpf. Weil das China-Modell mit schätzungsweise 24 Meter Länge sogar größer ist als Amerikas Kampfjet F-22 von Lockheed Martin, könnte das Militärflugzeug eventuell auch als Bomber eingesetzt werden - und nicht allein für Luftkämpfe, heißt es in Expertenkreisen.
Erste Fotos des neuen chinesischen Flugzeugs tauchten kurz nach Weihnachten auf. Zwar war bekannt, dass China mit Unterstützung Russlands seit längerem an einem Super-Kampfjet arbeitet. Dennoch überraschten die Bilder. Denn sie machten deutlich, dass Peking mit dem Projekt schneller vorankam als allgemein erwartet.
Als Antrieb des zweimotorigen J-20-Modells kommen angeblich chinesische Triebwerke zum Einsatz. Alternativ könnten auch russische Turbinen eingebaut werden.
Chinas Vorstoß sorgt für Wirbel in der amerikanischen Rüstungsindustrie. So gibt es bereits erste Kritik den der Entscheidung des Pentagon, die Produktion ihres Super-Kampfjets F-22 nach 184 Stück aus Kostengründen zu stoppen.
Taiwan sieht im neuen J-20-Modell der Chinesen eine Bedrohung und interessiert sich jetzt sehr stark für das neue US-Modell F-35 Joint Strike Fighter.