Sollte das Gericht auch nach Beginn des Prozesses bei seiner Haltung bleiben und die von Esser gewünschten Zeugen nicht hören wollen, hätte er das Recht, sie auf eigene Kosten selbst zu laden. Dies könnte jedoch den Prozess, der bis Ende Februar 2007 terminiert ist, in die Länge ziehen.
Ab 26. Oktober müssen sich neben dem ehemaligen Mannesmann-Vorsitzenden der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk, der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und zwei weitere Angeklagte erneut vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten.
Ihnen wird schwere Untreue oder Beihilfe dazu vorgeworfen, weil sie bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Zahlungen über insgesamt 57 Mio. Euro genehmigt und teilweise selbst kassiert haben. Bankchef Ackermann würde nach eigener Aussage von seinem Posten zurücktreten, falls er in dem neuen Prozess verurteilt würde.
In einem ersten Prozess waren im Sommer 2004 alle Angeklagten freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte die Freisprüche jedoch Ende 2005 aufgehoben und das Verfahren an das Gericht zurückverwiesen.
Essers Zeugen sollen unter anderem beweisen, dass Erhöhungen der Gehälter und die Vergabe von Boni in den Dienstverträgen bei Mannesmann von Anfang an vorgesehen waren. Als frühere Aufsichtsratsmitglieder und Angestellte sollen die Zeugen daher die gängige Praxis von Gehaltserhöhungen in dem Konzern beleuchten.
Essers Bezüge seien vom Aufsichtsratspräsidium innerhalb von 54 Monaten achtmal angehoben worden, argumentieren seine Verteidiger Daniel Krause und Jürgen Welp in ihrem Entwurf für einen der fünf Beweisanträge Essers, die an einem der ersten Prozesstage vor Gericht verlesen werden sollen. Sein Jahresfestgehalt sei in diesem Zeitraum, in dem Esser vom Vorstandsmitglied zum Vorsitzenden aufstieg, von 390.000 DM auf 1,4 Mio. DM gewachsen.
Der BGH hatte erklärt, dass eine nachträgliche, an den Geschäftserfolg gebundene Prämie nur rechtens ist, wenn dies im Dienstvertrag vereinbart ist. Esser hatte nach der Mannesmann-Übernahme eine Anerkennungsprämie von 16 Mio. Euro erhalten.