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Merken   Drucken   23.05.2011, 22:08 Schriftgröße: AAA

Europäisches Navigationssystem: Russische Rakete schießt Galileo-Satelliten ins All

So nah war ein Satellit für das geplante europäische Navigationssystem der Erdumlaufbahn noch nie. Doch die Gemeinschaft braucht eine Trägerrakete vom Typ Sojus für den Start – die Russen dürfen erstmals den Weltraumbahnhof Kurou nutzen. von Mark Schrörs  Brüssel und Gerhard Hegmann  München
Die Europäer wollen am 20. Oktober die ersten zwei von zunächst 18 Satelliten ihres neuen Satellitennavigationssystems Galileo mit der russischen Trägerrakete Sojus in den Weltraum schießen. EU-Industriekommissar Antonio Tajani kündigte am Montag in Brüssel an, dass der Start vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana für diesen Tag um 11 MEZ geplant ist. "Galileo wird jetzt Realität", sagte Tajani.
EU-Industriekommissar Antonio Tajani   EU-Industriekommissar Antonio Tajani
Damit gehen die Europäer ein Risiko ein: Zwar gilt die Sojus-Rakete als extrem zuverlässig. Allerdings wird dies ihr erster Start überhaupt von Kourou aus sein. Bisher hob sie immer vom Raketenstartplatz in Baikonur in Kasachstan ab. Ein anderer Startplatz bedeutet unter anderem, dass die Bordcomputer umprogrammiert werden müssen. Die europäische Ariane-Rakete ist für diesen Einsatz derzeit technisch nicht geeignet. Galileo ist ein Prestigeprojekt, mit der die Europäer ein eigenes Navigationsnetz in Konkurrenz und Ergänzung zum GPS-Netz der USA aufbauen.
In den vergangenen Jahren machte Galileo aber vor allem dadurch Schlagzeilen, dass es sich immer weiter verzögerte und immer teurer wurde. Das Projekt war auch deshalb immer stärker umstritten. Wegen der Verzögerungen sagte Tajani am Montag, dass die zuletzt für die erste Phase 2007 bis 2013 vorgesehenen 3,4 Mrd. Euro nicht voll ausgeschöpft werden. Wie viel übrig bleibt, könne er aber erst im Juni sagen. Allerdings liegen die 3,4 Mrd. Euro bereits gut 1,5 Mrd. Euro über ursprünglichen Schätzungen. Zudem sind die Folgekosten wohl höher als anfänglich gedacht. Der Chef der europäischen Weltraumorganisation Esa, Jean-Jacques Dordain, sagte, dass nach dem Start im Oktober Anfang 2012 und dann erneut sechs Monate später jeweils wieder zwei Satelliten ins Weltall geschossen werden sollen.
Bis 2014 will Tajani nun alle 18 Satelliten im Weltall haben. Damit Galileo voll funktionsfähig ist und den optimalen Nutzen bringt, sind indes 30 Satelliten nötig. Derzeit ist aber unklar, wie das finanziert werden soll.
  • Aus der FTD vom 24.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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