Neben dem Aufsichtsrat wird CVC auch im Präsidium und in allen Ausschüssen vertreten sein. Zudem hat sich der Investor Mitspracherechte in vielen Detailfragen zusichern lassen. Mit einem Gebot von 2,4 Mrd. Euro haben die Briten den Zuschlag für den bedeutendsten Private-Equity-Deal in Deutschland seit Ausbruch der Kreditkrise Mitte 2007 errungen. Die Briten setzten sich gegen die US-Häuser KKR , Bain Capital und Blackstone durch. "CVC hatte sich als Einziger frühzeitig eine eigene Finanzierung gesichert", hieß es aus Verhandlungskreisen. "Die anderen Bieter forderten dagegen ein Darlehen der Stiftung."
Neben dem höchsten Gebot, mit dem CVC -Deutschlandchef Steven Koltes die Rivalen ausgestochen hatte, gaben die gesicherte Finanzierung und die gemeinsamen strategischen Ziele für Evonik den Ausschlag. Bis 2011 wird die RAG-Stiftung zwar noch knapp 75 Prozent der Anteile halten. Mit dem Einstieg des Investors wird ihr Einfluss auf den Konzern dennoch geschwächt.
So betonten Koltes und Evonik-Chef Werner Müller ihre Bereitschaft zur Kooperation. Dass CVC Entscheidungen über die Sperrminorität blockieren könnte, nahm Müller gelassen: "Mir ist das relativ egal, wie viel Mitspracherecht ein Miteigentümer hat, solange er das gleiche Ziel hat, den Unternehmenswert zu steigern." Investieren wolle man dort, "wo sich die höchsten Renditen erzielen lassen". Evonik könne zum Vorreiter werden für "Kooperationen zwischen Corporate Germany und Private Equity".
Analysen, wonach CVC einen überhöhten Preis zahle, wies Koltes zurück. "Evonik ist ein sehr fantastisches Unternehmen mit hervorragenden Perspektiven", schwärmte er. "Wir werden in fünf Jahren ein neues Dax-Unternehmen auf dem Kurszettel sehen." Bis 2013 wolle man Evonik an die Börse bringen, sagte Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking. Es sei aber nicht zwingend, sämtliche Anteile über die Börse zu verkaufen. "Was wir nach zwei Jahren machen und ob, hängt ausschließlich von der Marktlage ab." So bleibt die Option, weitere Anteile an einen Investor zu veräußern. Ob die Stiftungssatzung dies zulässt, ist intern aber umstritten.
CVC wird 1,2 Mrd. Euro mit Eigenkapital bestreiten. Die drei Rivalen waren zu ähnlichen Investitionen bereit, hieß es aus Verhandlungskreisen. Sie konnten jedoch nicht annähernd so viel Kredit beschaffen wie CVC. Die Briten hätten das Konsortium der Finanziers selbst zusammengestellt, ohne dafür eine Investmentbank zur Hilfe zu nehmen, hieß es. Die acht Banken würden den Kredit von 1,2 Mrd. Euro überwiegend auf ihren Büchern halten.
Bis Mitte 2007 war es bei solchen Deals üblich, dass maximal drei Investmentbanken den gesamten Kredit unterschreiben. Allerdings nicht mit dem Ziel, diesen zu halten: Er wurde tranchiert und rasch am Kapitalmarkt weitergereicht. Seit fast einem Jahr jedoch sind die Märkte ausgetrocknet, das Modell funktioniert nicht mehr. Deshalb haben sich die Investmentbanken zurückgezogen - mit der Folge, dass die Übernahmetätigkeit der Private-Equity-Firmen stark zurückgegangen ist. Auch an CVCs Konsortium hat sich keine einzige Investmentbank beteiligt: Stattdessen finanzieren die Landesbanken WestLB, LBBW und Helaba und die ausländischen Häuser Bank of Ireland, Calyon, Lloyds TSB, Mediobanca und Raiffeisen Zentralbank.
CVCs Modell, die endgültigen Finanziers selbst zu suchen, könnte Schule machen und den Ausgang anderer Firmenauktionen entscheiden: Inzwischen arbeiten viele Private-Equity-Firmen daran, Teams aufzubauen, die Kreditpakete schnüren können. Um die Kredite mit Zinsen und Tilgung zu bedienen, benötigt CVC hohe Dividenden von Evonik - die den Briten auch zugesagt sind: Bonse-Geuking kündigte an, für 2008 rund 280 Mio. Euro auszuschütten. Für 2009 sollen es 320 Mio. Euro und für 2010 dann 400 Mio. Euro sein.