Der Düngemittelhersteller K+S erwirbt vom US-Konzern Dow Chemical den Salzhersteller Morton Salt. K+S zahle 1,675 Mrd. $ in bar für die Tochter des Spezialchemiekonzerns Rohm und Haas, teilte das Kassler Unternehmen am Donnerstag mit und bestätigte damit eine Vorabinformation der FTD. Der Abschluss des Geschäfts soll bis zur Jahresmitte erfolgen, muss aber noch von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt werden. Hauptgeschäft von K+S sind bisher Produktion und Handel von Dünger.
Morton Salt ist eine Tochtergesellschaft des US-Chemiekonzerns Rohm and Haas, der gerade von Dow Chemical übernommen wird. Dow Chemical will die Transaktion unter anderem mit Spartenverkäufen finanzieren - auch mit dem von Morton Salt. Dazu musste das Unternehmen aber erst mal den formellen Abschluss der Rohm-and-Haas-Übernahme abwarten. Die gab der größte US-Chemiekonzern am Mittwoch bekannt.
K+S sollte am Mittwoch eigentlich an einer Investorenkonferenz der Bank Merrill Lynch in New York teilnehmen, sagte dieses Treffen aber kurzfristig ab. So etwas passiert üblicherweise nur aus wichtigem Grund. Die Investor-Relations-Abteilung von K+S gab auf Anfrage als Grund für die Absage an, dem Vorstand Joachim Felker sei etwas dazwischengekommen. Eine Investorenkonferenz am Donnerstag in Frankfurt werde man wahrnehmen.
"Morton Salt ist eine hervorragende Wachstumschance für unser globales Salzgeschäft", sagte K+S-Vorstandschef Norbert Steiner. Das US-Unternehmen bringe eine Reihe kundennaher Produktionen in Nordamerika mit sowie ein landesweites Vertriebsnetz. "Durch Morton Salt erhalten wir Zugang zu neuen und weniger volatilen Auftausalz-Regionen."
Mit dem Erwerb wächst K+S um ein Fünftel. Es ist eine der größten Akquisitionen, wenn nicht die größte in der Konzerngeschichte. K+S steigt mit der Übernahme den Angaben zufolge zum führenden Salzproduzenten in Nordamerika auf. Das in Chicago ansässige Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit 2900 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Mrd. $ einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 270 Mio. $ erzielt.
K+S hatte seine Salzsparte 2006 bereits durch den knapp 500 Mio. $ teuren Zukauf des chilenischen Anbieters SPL verstärkt: Der versorgt für den Konzern nun beispielsweise die Ostküste der USA.
K+S will nun wegen kartellrechtlichen Bedenken von weiteren Übernahmen in den USA absehen. "Compass ist damit im Grunde genommen vom Tisch", sagte Steiner am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Anfang März war aus Kreisen verlautet, dass K+S ein Angebot für den US-Salz- und Spezialdüngerproduzenten Compass Minerals erwägt. An seiner Wachstumsstrategie bei Düngemitteln will K+S auch nach dem Milliardenzukauf festhalten. Der Zugriff auf weitere zusätztliche Kali-Kapazitäten sei derzeit aber nicht durch Akquisitionen zu realisieren, sagte Steiner.
Dow Chemical steht wegen der Übernahme von Rohm und Haas unter finanziellem Druck. Der Konzern wollte angesichts des Abschwungs in der Branche eigentlich den ursprünglich vereinbarten Preis drücken, erreichte Anfang des Monats aber nur Zugeständnisse bei den Zahlungsmodalitäten.
Dow-Chef Andrew Liveris hatte im März bei einem Telefonat mit Investoren von regem Interesse an Morton Salt berichtet. "Wir haben schon mehr als sechs Gebote bekommen, sehr bedeutsame Gebote", hatte er gesagt. Zwar könne Dow die Veräußerung erst angehen, wenn die Fusion mit Rohm and Haas abgeschlossen sei. Danach dauere es aber vielleicht nicht mehr lange, sagte er. "Das kann eine sehr schnelle Transaktion sein, von der wir glauben, dass sie einen Erlös von mehr als 1,5 Mrd. $ einbringt", so Liveris damals.