SAP muss auf einen Schlag mehrere hochrangige Posten in China neu besetzen. Dort bisher beschäftigten Managern werde vorgeworfen, gegen interne Verhaltensregeln verstoßen zu haben, bestätigte ein Firmensprecher auf Anfrage. Drei Manager, darunter der Leiter des Entwicklungszentrums in Schanghai, hätten die Firma bereits verlassen oder seien dabei dies zu tun. Zwei weitere Manager, darunter der Leiter des Geschäftsbereichs für Solution Assembly and Packaging, Robert Viehmann, seien kurzfristig beurlaubt worden. Viehmanns Bereich stellt komplette Lösungspakete inklusive Dienstleistungen zusammen, damit die Software schneller installiert werden kann. Er berichtet direkt an SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe.
Der Fall werde nun zunächst intern untersucht, sagte der Sprecher. Um welche Verstöße es sich genau handelt, wollte er nicht spezifizieren. Es handele sich aber um eine rein interne Angelegenheit. Die Strategie in China sei davon nicht betroffen.
Doch der Vorfall droht SAPs Expansionspläne in China zu bremsen. Der Softwarekonzern ist gerade dabei, das Geschäft massiv auszubauen. Bis 2015 sollen gut 1,5 Mrd. Euro in den Markt gepumpt werden. SAP hatte vergangenen Herbst angekündigt, unter anderem mehr in Partnerschaften investieren zu wollen. China sei der Eckpfeiler der Wachstumsstrategie bis 2015, hatte der Konzern seinerzeit verlauten lassen. Das zeigt, an welcher empfindlichen Stelle die Vorwürfe das Unternehmen nun treffen.
Die Deutschen sind in China stärker als anderswo auf Manager angewiesen, die über Kontakte und Wissen um die örtlichen Gegebenheiten verfügen. Denn China ist für die IT-Branche kein einfaches Terrain. Cloud-Dienste etwa, bei denen Firmen auf Programme und Daten auf fremden Servern zugreifen, dürfen dort nur von chinesischen Firmen angeboten werden. SAPs Mittelstandssoftware Business By Design beispielsweise, die nur als Internetanwendung angeboten wird, liegt auf Servern des Staatskonzerns China Telecom. Es ist das einzige Land, in dem SAP das Hosting für diese Software aus der Hand gibt. Darüber hinaus setzt SAP auf Partner wie IBM und Accenture , aber auch auf lokale Partner, welche die komplexe Software bei Unternehmens einführen und auf die jeweiligen Bedürfnisse des Kunden anpassen.
Shang-Ling Jui, Leiter des Shanghai Lab, hat das Unternehmen nach Angaben des Unternehmens bereits verlassen. Seine Aufgaben werde für den Übergang der Chef des weltweiten Entwicklungslabors in Indien, Clas Neumann, übernehmen. Yueting Zhou, Leiter der Globalization Services, und Hua Wang, Leiter des Geschäftsbereichs Business One - SAPs Software für kleine Unternehmen - werden ebenfalls nicht länger für den deutschen Konzern arbeiten. Der chinesische Manager Oliver Wang und der deutsche Manager Viehmann sind beurlaubt. Viehmann war in seiner Funktion auch für ein Team im Entwicklungszentrum in Schanghai verantwortlich.
Wie viel Umsatz SAP in China macht, weist das Unternehmen nicht aus. Zuletzt stammten nur etwa 4000 der weltweit 183.000 SAP-Kunden aus dem Land. Die meisten von ihnen sind kleine und mittelständische Unternehmen. Das chinesische Softwaregeschäft ist ein rasant wachsender Markt, auch für SAP. Der Marktforscher IDC schätzt das Volumen im Jahr 2014 auf 1,7 Mrd. Dollar - die Wachstumsrate läge damit bei 14 Prozent. SAP belegt im Markt für Unternehmenssoftware hinter dem chinesischen Ufida Platz zwei. Weltweit sind die Deutschen Marktführer im Geschäft mit sogenannter ERP-Software, die Programme für Controlling, Lagerhaltung oder Kundenmanagement beinhaltet.