FTD.de » Unternehmen » Industrie » Suche nach den Umwelt-Investoren

Merken   Drucken   16.02.2012, 20:02 Schriftgröße: AAA

Finanzierung von grüner Technologie: Suche nach den Umwelt-Investoren

Grüne Technologien fehlt es an Finanzierungen. Besonders Startups leiden unter dem Geldmangel. Ihre Ideen können nicht verwiklicht werden. von Heimo Fischer  , Kathrin Werner  und Georg Dahm  Frankfurt
Der Mangel an Finanzierungsquellen gefährdet die Expansion grüner Technologien. Das belastet sowohl junge Unternehmen, die nach Geld für ihre Ideen suchen, als auch etablierte Hersteller, die etwa Solar- oder Windparks bauen wollen und dafür auf externe Geldgeber angewiesen sind.
"Probleme haben innovationsstarke Unternehmen, die über einen fertigen Prototyp verfügen und in die Produktion einsteigen wollen", sagte Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger auf der FTD-Konferenz Greentech 2012 am Donnerstag in Frankfurt. Der Grund: Risikokapitalgeber förderten zwar gern interessante Innovationen, unterschätzten bei erfolgreichen Produkten aber den finanziellen Aufwand einer Serienfertigung. Wenn die Produktion erst mal läuft, hätten es die Greentech-Unternehmer wieder leichter, klassische Geldgeber zu finden. "Tal des Todes", nennt Henzelmann die Periode davor.
Unternehmen, die Solar- oder Windparks bauen wollen, suchen nach ...   Unternehmen, die Solar- oder Windparks bauen wollen, suchen nach Investoren
Eine solide Finanzierung, so die Überzeugung mehrerer Konferenzteilnehmer, ist in der frühen Phase des Innovationszyklus wichtig, um Neuentwicklungen im Land zu halten. "Es besteht die Gefahr, dass uns andere Länder die Erfindungen wegnehmen", sagt Hubert Jäger vom Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen Batterien. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland derzeit zu den bedeutendsten Märkten für Umwelttechnik.
Gerade in Deutschland ist es schwieriger, an Wagniskapital zu kommen. "Das ist eine kulturelle Frage", sagte Markus Ewert, Topmanager für Technologie und Innovationen beim Energiekonzern Eon. So kommt Schätzungen zufolge fast die Hälfte des Wagniskapitals weltweit aus den angelsächsischen Ländern.
Die Venture-Capital-Firmen sind ein wichtiger Gradmesser am Markt der Innovationen. Ein Vorteil, den auch Eon  mehr nutzen will. "Wir haben den Kontakt zu Risikokapitalfirmen wieder gestärkt", so Ewert.
Felix Goedhart vom Beteiligungsunternehmen Capital Stage, das sich auf die Greentech-Branche spezialisiert hat, äußert sich zurückhaltender. Die Chancen, Risikokapital zu bekommen, seien derzeit schlecht. "Eigenkapitalgeber meiden Risiken", sagte Goedhart. "Ein Klima, das die Gründung von Unternehmen nicht begünstigt."
Wer hingegen ganze Projekte wie Solarparks finanzieren will, hat es leichter - zumindest in Deutschland mit der Staatsförderung. Die Projekte versprechen in aller Regel stabile Renditen über lange Zeit. Im Ausland kann es dagegen heftige Probleme bei der Projektfinanzierung von neuen Solar- oder Windparks geben.
Eine Hürde bei der Projektfinanzierung, die noch größer werden dürfte, ist die Unterkapitalisierung von Banken, sagte Jan-Philipp Gillmann, Experte für neue Energien bei der Commerzbank . Wegen der Lage in Ländern wie Griechenland müssten sie Geld zurücklegen. "Sie müssen Puffer aufbauen." Daher sind die Geldhäuser nicht besonders scharf darauf, neue Kreditpositionen aufzubauen.
Zudem werden die Darlehen teurer, weil die Risikokosten steigen. Beispiel: Geht es darum, einen Solarpark in Italien zu finanzieren, stellt sich die Frage, ob das Land langfristig in der Euro-Zone bleiben wird - und ob staatliche Förderzusagen nachträglich zurückgenommen werden. Außerdem belasten die strengeren Vorschriften, die Abkommen wie Basel III mit sich bringen. Sie zwingen Banken dazu, bei Krediten mehr Eigenkapital vorzuhalten. Das schränkt die Möglichkeiten zur Kreditvergabe weiter ein.
Für Banken ist die Entwicklung unerfreulich. Denn sie investieren eigentlich gern in Erneuerbare-Energien-Projekte. Diese werfen auch bei schwacher Wirtschaftslage ordentliche Renditen ab. Klassische Risiken wie Wetterlage - wenn etwa der Wind schwächer weht als geplant - können die Fachleute mittlerweile gut einschätzen. Da geben die Institute gern Geld. "Es ist eine schöne Position in der Bilanz einer Bank", sagt Gillmann.
Um ihren Kunden dennoch das nötige Kapital bieten zu können, suchen die Institute neue Geldquellen. Die Commerzbank öffnet etwa die Fremdkapitalseite für externe Investoren. "Die Banken sind umtriebig genug, Wege zu finden." Ohne ihre eigene Bilanz damit zu belasten.
  • Aus der FTD vom 17.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  31.05. Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12393,45  [-26.41 -0,21%
  Nasdaq Composite 2827,34  [-10.02 -0,35%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote