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  FTD-Serie: Finanzkommunikation

Verschwiegenheit in Finanzangelegenheiten galt früher als Unternehmertugend. Heute punkten dagegen Firmen mit offensiver Informationspolitik gegenüber Banken, Investoren und Kunden. Wir zeigen, wie, wann und warum Firmen mehr von sich preisgeben sollten als unbedingt nötig.

Merken   Drucken   01.06.2011, 14:15 Schriftgröße: AAA

Finanzkommunikation: Wer mehr erzählt, zahlt weniger Zinsen

Für den Büromöbelhersteller Sedus Stoll ist Finanzkommunikation eine vertrauensbildende Maßnahme. Banken, Kreditversicherern und den eigenen Mitarbeitern Einblick zu geben lohnt sich. Selbst in der Krise bekam das Unternehmen Geld.
© Bild: 2011 Sedus
Für den Büromöbelhersteller Sedus Stoll ist Finanzkommunikation eine vertrauensbildende Maßnahme. Banken, Kreditversicherern und den eigenen Mitarbeitern Einblick zu geben lohnt sich. Selbst in der Krise bekam das Unternehmen Geld. von Nina Giaramita
Beim Büromöbelhersteller Sedus Stoll, angesiedelt in Waldshut-Tiengen, spielt Tradition eine große Rolle. Das baden-württembergische Unternehmen hat eine 140-jährige Geschichte, auf die Geschäftsführung und Eigner mit Stolz verweisen. Sedus hat Pionierarbeit geleistet: 1925 haben die Mitarbeiter des Werks den ersten gefederten Drehstuhl Europas konstruiert.
Sedus-Finanzvorstand Carl-Heinz Osten   Sedus-Finanzvorstand Carl-Heinz Osten
Als Pionier gilt das Unternehmen auch auf anderem Gebiet. Regelmäßig fährt es für seine vorbildliche Finanzkommunikation von seinen Hausbanken großes Lob ein. "Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, dass das, was wir machen, nicht dem Durchschnitt entspricht", sagt Finanzvorstand Carl-Heinz Osten. Lob bringt den Badenern unter anderem ihr ausführlicher Quartalsbericht ein: Alle drei Monate informiert Osten Bank, Aufsichtsrat und Presse über Umsatz und Erträge. "Wir stellen allen dieselben Datengrundlagen über unsere wirtschaftliche Lage zur Verfügung", sagt er.
Besseres Firmenrating
Einmal im Jahr folgt darüber hinaus ein umfassender Geschäftsbericht. "Den Bericht stellen wir als nicht börsennotiertes Unternehmen freiwillig zur Verfügung", sagt Osten. Die schriftlich gelieferten Informationen sind für den Finanz-Experten nur einen Teil der Strategie. "Mindestens genauso wichtig sind persönliche Gespräche mit den Geldgebern", sagt Osten. "So erfahren die Banken Hintergründe zur Firmenpolitik, die der Geschäftsbericht nicht liefert." Die Treffen finden zwei- bis dreimal im Jahr statt - eine feste Größe ist dabei die Zusammenkunft im Frühjahr zur Bilanzvorlage. "Wir reden dabei auch über Probleme", sagt Osten. "Diese Offenheit schafft Vertrauen."
Sedus Hochregallager in Dogern   Sedus Hochregallager in Dogern
Das zahlt sich offensichtlich in barer Münze aus. Trotz der Krisenjahre in der jüngsten Vergangenheit konnte Sedus es sich leisten, 2010 eine 6 Mio. Euro teure Galvanikanlage in Betrieb zu nehmen. "Das Gebäude ist mit der weltweit modernsten Technik ausgestattet", sagt Firmenchef Bernhard Kallup. Darüber hinaus wurde 2009, im Krisenjahr schlechthin, ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum bezogen.
"Wer bessere Informationen liefert, zahlt weniger Zinsen", weiß Osten. Darüber hinaus beeinflusse die offensive Informationspolitik auch das Firmenrating der Banken. "Durch die Nähe zu unseren Geldgebern erfahren wir auch von deren Seite Offenheit, beispielsweise durch ausführliche Diskussionen über die Erfüllung der Kriterien, nach denen diese ihr Rating vornehmen", sagt der Vorstand. Die Bewertungen sind offensichtlich zufriedenstellend: "Wir bewegen uns auf den vorderen Positionen."
Mitarbeiter kennen die Auftragslage genau
Sedus-Firmenchef Dr. Bernhard Kallup   Sedus-Firmenchef Dr. Bernhard Kallup
Finanzkommunikation findet bei Sedus nicht nur nach außen, sondern auch nach innen statt. Nach Auskunft von Osten hängen im gesamten Unternehmen Diagramme mit wichtigen Kennzahlen - damit jeder Mitarbeiter weiß, wie die momentane Auftragslage aussieht. Der Wirtschaftsausschuss wird monatlich ausführlich über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens informiert.
Das Vorgehen hängt mit der Kapitalstruktur von Sedus zusammen. "Ein Teil des Grundkapitals und ein Großteil der Kredite stammen von unseren Mitarbeitern", sagt Osten. Das Mitarbeiterbeteiligungsmodell wurde bereits 1952 eingeführt. Seitdem wird auch die Belegschaft umfassend informiert.
Immer wichtiger werden zudem Kreditversicherer und Auskunfteien. "Lieferprobleme aufgrund von veralteten Unternehmensdaten einer Auskunftei können wir uns nicht leisten", stellt Osten fest. Und Kreditversicherer müsse man auf dem Schirm haben, weil sie die nötige Liquidität sicherstellen. Sie springen ein, wenn ein Kunde nach der Lieferung der Ware pleite geht und die Rechnung nicht zahlen kann.
Mit der umfassenden Informationsstrategie hat Sedus die Wirtschaftskrise gut durchschifft. Nach einem Umsatzeinbruch im Jahr 2009 ist das Unternehmen inzwischen wieder auf Erfolgskurs: 2010 konnte Sedus einen Jahresumsatz von 152 Mio. Euro vermelden - für das laufende Jahr sind die Firmeneigner ebenfalls optimistisch.
  • FTD.de, 01.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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