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Merken   Drucken   08.05.2011, 11:36 Schriftgröße: AAA

Firmenjubiläum: Coca-Cola-Legenden im Wahrheits-Check

Die wohl berühmteste Brause der Welt wird am Sonntag 125 Jahre alt. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Koffeingetränk. FTD.de prüft Coca-Cola-Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt.
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Die wohl berühmteste Brause der Welt wird am Sonntag 125 Jahre alt. Zahlreiche Mythen ranken sich um das Koffeingetränk. FTD.de prüft Coca-Cola-Gerüchte auf ihren Wahrheitsgehalt. von Daniela Leistikow
Die Marketingabteilung von Coca-Cola  schafft es immer wieder, mit gezielter Werbung das Koffeingetränk in die Schlagzeilen zu bringen. Da ist zum Beispiel die Geheimnistuerei um das Rezept. Regelmäßig behauptet jemand, die Bestandteile der braunen Brause endgültig entschlüsselt zu haben. So wie zu Beginn des Jahres, als ein altes Rezeptbuch auftauchte, das einem Kollegen von Coca-Cola-Erfinder John Pemberton gehört haben soll. US-Medien berichteten begeistert über das angeblich gelüftete Geheimnis. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich nicht um das Coca-Cola-Rezept gehandelt habe. Aber der Konzern hatte mal wieder eine Schlagzeile.
Fast 12 Mrd. Dollar Nettogewinn erzielte die Coca-Cola Company aus Atlanta im vergangenen Jahr. Die Beratungsgesellschaft Interbrand erstellt jährlich die Top 100 der wertvollsten Marken der Welt. Dort belegt der Konzern mit einem Schätzwert von 70 Mrd. den ersten Platz. Zum Vergleich: Die wertvollste deutsche Marke ist Mercedes Benz auf Rang 12 mit 25 Mrd. Dollar.
Nach mehr als einem Jahrhundert auf dem Markt ist Coca-Cola noch immer in aller Munde - buchstäblich und im übertragenen Sinne. Zahlreiche Gerüchte nicht nur um das Geheimrezept, sondern auch um die Wirkung der braunen Brause machen immer wieder die Runde. Sogar als Verhütungsmittel und als Abflussfrei soll sie taugen. Hier eine Übersicht der bekanntesten Geschichten.
Weihnachtswerbung für Coca-Cola aus dem Jahre 1934   Weihnachtswerbung für Coca-Cola aus dem Jahre 1934
Weil der pausbäckige Weihnachtsmann mit dem roten Mantel im Coca-Cola-Werbespot genauso aussieht wie ein regulärer Santa Claus glauben viele: Die Firma hat den Weihnachtsmann erfunden. Auf der Website heißt es dazu: "Rund um den Globus hat die Coca-Cola Company Weihnachtssymbole geschaffen, die eng mit der Marke verknüpft sind."
Seit 1931 wirbt die Firma zur Weihnachtszeit mit einer Santa-Figur, die von Zeichner Haddon Sundblom eigens für eine Werbekampagnen des Konzerns entworfen wurde. Doch den rot-weißen Weihnachtsmann gibt es schon mindestens seit den 1920er Jahren. Die "New York Times" berichtete am 27. November 1927 über einen standardisierten Weihnachtsmann, der vor New Yorker Kindern auftrat: "Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart", war in der US-Zeitung zu lesen.
Coca-Cola hat den rot-weißen Weihnachtsmann also nicht erfunden, aber vermutlich zur Verbreitung des rot-weißen Santa-Stereotyps beigetragen. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Weihnachtsmann nämlich auch als hochgewachsene Bischofsfigur dargestellt - und zwar in Gewändern mit unterschiedlichen Farben.
Eine Kollektion farbiger Kondome   Eine Kollektion farbiger Kondome
Verhütung ohne Kondom und Antibabypille - mit Coca-Cola kein Problem? In Internetforen hält sich das Gerücht hartnäckig, eine Scheidenspülung mit der braunen Brause nach dem Sex schütze vor einer Schwangerschaft. Coca-Cola wirkt angeblich wie ein Spermizid: Es soll Spermien abtöten.
Mehrere wissenschaftliche Studien haben sich mit der Wirkung des Getränks als Spermizid beschäftigt - mit unterschiedlichen Ergebnissen. Die US-Ärztin Deborah J. Anderson fand 1985 heraus, dass Coca-Cola Spermien tötet. Zusammen mit einigen Kollegen mischte sie Sperma in Reagenzgläsern mit verschiedenen Sorten Coca-Cola. Nach einer Minute waren die Spermien in der Light-Version tot. In der Variante New Coke schwammen aber noch 41 Prozent putzmunter umher, so das Ergebnis der Studie. Ein Forscherteam von der Medizinischen Universität in Taipei in Taiwan kam 1987 jedoch zu dem Schluss, dass das braune Gesöff kein effektives Spermizid sei.
2008 bekamen Anderson und ihre Kollegen für diese Forschungsergebnisse, die es sogar in das renommierte “New England Journal of Medicine” geschafft hatten, den Anti-Nobelpreis Ig-Nobel für Chemie. Dieser Preis zeichnet Forschungen mit grotesker Themenstellung aus, die - laut Ausschreibungstext - "nicht wiederholbar sind und auch nicht wiederholt werden sollten". Allerdings wurde die Negativ-Auszeichnung gleichzeitig dem Team aus Taiwan verliehen, das zum gegenteiligen Ergebnis kam.
Zwei Monate nach der Preisverleihung meldete sich Anderson, die mittlerweile Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie an der Harvard Medical School in Boston ist, zu Wort: Coca-Cola sei kein effektives Verhütungsmittel. Die Limonade töte die Spermien nicht ab. Zudem sei sie für den Unterleib der Frauen sogar gefährlich: Das Getränk töte nützliche Bakterien in der Vagina ab und steigere so das Risiko für Infektionen und sexuell übertragbare Krankheiten, sagte Anderson dem "British Medical Journal" im Dezember 2008.
"Eine Scheidenspülung taugt generell nicht zur Verhütung - ob mit Coca-Cola, Fanta oder etwas ganz anderem", sagte Wolfgang Cremer, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte in Hamburg, FTD.de. Schon nach wenigen Minuten seien die ersten Spermien im Eileiter oder in der Gebärmutterschleimhaut - und können von der Flüssigkeit nicht mehr erreicht werden.
Der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe erklärt sich die Entstehung des Mythos von der erfolgreichen Verhütung mit Coca-Cola wie folgt: “Selbst wenn zwei Menschen optimal fruchtbar sind, wird auch bei einem Geschlechtsverkehr zum günstigsten Zeitpunkt, einen Tag vor dem Einsprung, hierbei nur etwa jede fünfte Frau schwanger”, sagte Cremer. Wer glaubt, durch den Einsatz der braunen Brause verhütet zu haben, hatte also wahrscheinlich einfach nur Glück.
Koka-Blätter   Koka-Blätter
Dass in Coca-Cola Kokain sein soll, ist eines der ältesten Gerüchte über das Getränk. Der Mythos basiert auf der Entstehungsgeschichte des Koffeingetränks: Der Apotheker und Kriegsveteran John S. Pemberton soll die Cola am 8. Mai 1886 als medizinisches Tonikum entwickelt haben. Es soll auch Cocablätter und Cocanüsse enthalten haben. Über den Kokaingehalt der Brause wird spekuliert, weil Kokain aus getrockneten Blättern des Cocastrauchs gewonnen wird. Die Blätter der Cocapflanze sind jedoch nicht mit Kokain gleichzusetzen. Nicht zuletzt trug auch der erste Wortteil des weltberühmten Gebräus zum Coca-Kokain-Mythos bei.
Laut einem Rezept, das mutmaßlich Pembertons Buchhalter Frank M. Robinson verfasste, soll ein Glas Coca-Cola 8,45 Milligramm Kokain enthalten haben. Solange das Rezept geheim gehalten wird, bleibt unklar, ob Cocablätter oder Cocaextrakte einst Bestandteil des Getränks waren oder sind. Selbst wenn, wäre das kein Beweis, dass Coca-Cola Kokain enthält. Denn in Cocaextrakten muss nicht unbedingt Kokain sein.
Sollte die ursprüngliche Coca-Cola 1886 Spuren von Kokain enthalten haben, wäre das übrigens überhaupt nicht schlimm: Der Gebrauch von Kokain ist in den USA erst seit dem “Harrison Narcotics Act“ von 1914 strafbar.
Der Mythos erlebte 2009 eine Renaissance, als Konkurrent Red Bull in einigen Bundesländern seine Cola zeitweise nicht verkaufen durfte, da die enthaltenen Cocablattextrakte gegen das deutsche Betäubungsmittelgesetz verstießen. Der Firma gab in Bezug auf den beanstandeten Cocablattextrakte an, dass diese decocainiert seien und sowohl in Europa als auch in den USA als unbedenklich und verkehrsfähig gelten würden.
Ein Banksafe   Ein Banksafe
Das Rezept gilt als eines der bestgehüteten Firmengeheimnisse der Welt. Angeblich liegt es in einem Tresor, zu dem nur zwei Mitarbeiter Zugang haben. Der Legende nach dürfen sie nicht in dasselbe Flugzeug steigen - damit die Schlüssel zum Tresor bei einem eventuellen Absturz nicht verloren gehen.
Coca-Cola Pressesprecherin Kerry Tessler am Unternehmenssitz in Atlanta bestätigte lediglich, dass das Rezept auf Papier existiere und in einem Tresor aufbewahrt werde. Wie viele Mitarbeiter den Schlüssel dazu haben, will sie nicht sagen. "Ich darf die Zahl der Angestellten leider nicht nennen, aber es sind nur eine Hand voll."
Im Februar 2011 schockte ein US-Radiosender mit der Meldung, man habe das Rezept der Coca-Cola in einer Zeitung von 1979 entdeckt. Das Unternehmen dementierte: "Viele Drittparteien haben versucht, unsere Geheimformel zu knacken”, sagte Sprecherin Tessler. “So oft sie es auch versuchen, sie sind nie erfolgreich gewesen, denn es gibt nur ein 'Real Thing'."
Dem Konzern ist die Legende vom Geheimrezept so wichtig, dass er die Mischung nie hat patentieren lassen: US-Patente laufen nach 20 Jahren aus und müssen bei einer Verlängerung offengelegt werden.
Montage eines gespiegelten Logo des Getränkeherstellers Coca-Cola   Montage eines gespiegelten Logo des Getränkeherstellers Coca-Cola
Das Gerücht: Im Coca-Cola-Logo soll eine islamfeindliche Message versteckt worden sein. Diese sei auf Arabisch verfasst und nur sichtbar, wenn der Schriftzug gespiegelt wird - das versuchen Youtube-User in Videos zu illustrieren.
Der Schriftzug ergibt gespiegelt (wie oben auf dem Bild) allerdings nur mit sehr viel Phantasie einen Satz auf Arabisch, der übersetzt „Es gibt keinen Mohammed und es gibt kein Mekka“ lautet. Allerdings: Nicht alle für die Nachricht notwendigen arabischen Buchstaben sind vorhanden.
Der weiße Schriftzug auf rotem Grund soll von Frank M. Robinson, einem Geschäftspartner des Coca-Cola-Erfinders John Pemberton, entworfen worden sein. Robinson war Buchhalter und legte dem Schriftzug eine geschwungene Buchhalterschrift namens Spencerian zugrunde.
Die Firma gibt auf ihrer US-Website an, es könne sich keine arabische Botschaft im Logo befinden. Denn in Georgia, wo es 1886 designed wurde, habe kaum jemand Arabisch gesprochen. Außerdem sei der Vorwurf, dass sich eine anti-islamische Message im Logo verstecke, von mehreren muslimischen Klerikern untersucht worden - alle seien zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Gerücht nicht wahr sei.
Ein rohes Steak   Ein rohes Steak
Ein rohes Steak, das über Nacht in Coca-Cola liegt, hat sich am nächsten Morgen vollständig aufgelöst, so das Gerücht. “Es ist möglich, dass Fasern im Fleisch von Coca-Cola zersetzt werden - allerdings nicht in dem Maße, dass sich ein Steak in kurzer Zeit auflösen würde”, sagte Sascha Rohn vom Institut für Lebensmittelchemie der Universität Hamburg FTD.de.
Der Grund: Cola ist eines der sauersten Lebensmittel, die es gibt. Sie hat einen pH-Wert zwischen 2,5 und 2,7. Je niedriger dieser Wert ist, desto saurer ist eine Flüssigkeit. “Magensäure hat einen pH-Wert von 1 und ist damit noch sauerer als Coca-Cola. Aber auch Cola kann eine ähnliche vorverdauende Wirkung wie Magensäure haben”, sagte Rohn.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Steak sich durch die Wirkung der Cola komplett auflösen würde, wenn es länger als eine Nacht darin läge: “Die natürlichen Alterungsprozesse des Fleisches wären bei einem solchen Experiment nicht mehr von den Effekten der Coca-Cola zu unterschieden”, so Rohn. Wenn sich das Fleisch auflöst, könnte das auch einfach daran liegen, dass es sich auf natürlich Weise zersetzt.
Zahnarztbehandlung   Zahnarztbehandlung
Der Legende nach löst sich ein Kinderzahn komplett auf, der über mehrere Stunden in Coca-Cola liegt. In der Theorie könnte das tatsächlich möglich sein - allerdings würde es länger dauern als nur eine Nacht: “Ein Kinderzahn könnte in Cola nach fünf Wochen aufgelöst sein, die chemischen Effekte sind also richtig”, sagte Sascha Rohn, Professor für Lebensmittelchemie an der Universität Hamburg, FTD.de. Weil kein Kind die Cola über einen längeren Zeitraum im Mund habe, müsse sich aber niemand sorgen, dass dieser Effekt auch in Kindermündern eintritt.
Ganz unbedenklich ist das Trinken der Brause trotzdem nicht: “Die Phosphorsäure in der Cola ist in der Tat geeignet, um das Kalzium in Zähnen anzugreifen“, sagte Lebensmittelchemiker Rohn. Auch Kerstin Blaschke, stellvertretende Bundesvorsitzende des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte, warnt vor zu viel von der braunen Limonade: “Das erhöhte Risiko einer Schädigung des Zahnschmelzes durch übermäßigen Genuss von Softdrinks entsteht durch die Kombination von Säuerungsmitteln und Zuckergehalt”, sagte sie FTD.de.
Ein Ablussrohr   Ein Ablussrohr
In zahlreichen Online-Ratgeberforen gilt Coca-Cola als Geheimtipp: Ein halber Liter der braunen Brause soll nach einer Nacht Einwirktzeit verstopfte Abflussrohre in Bad und Küche wieder frei machen.
Wenn die Säure in der Limonade wirklich stark genug wäre, um wie ein Abflussfrei zu wirken, könnte der Einsatz des Koffeingetränks jedoch langfristig zu Schäden am Rohr führen, sagte ein Hamburger Klempner. Die Säure in Coca-Cola könnte die Rohre von innen aufrauen - und dann könnte es noch häufiger zu Verstopfungen kommen. Das trifft allerdings auch auf so manches Abflussfrei aus der Drogerie zu.
  • FTD.de, 08.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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