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Merken   Drucken   18.05.2011, 21:04 Schriftgröße: AAA

Fluggesellschaft in der Krise: Air Berlin plant Streckenstreichungen

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschafte hat es erneut nicht geschafft, höhere Ticketpreise durchzusetzen. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten. Die Folge: Flugrouten könnten wegfallen.
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Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschafte hat es erneut nicht geschafft, höhere Ticketpreise durchzusetzen. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten. Die Folge: Flugrouten könnten wegfallen. von Jennifer Lachman  Hamburg
Air-Berlin-Chef Joachim Hunold muss seine Investoren abermals vertrösten. Von Januar bis März hat die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft es erneut nicht geschafft, höhere Ticketpreise durchzusetzen: Mit 97,97 Euro pro Passagier erlöste sie sogar im Schnitt 1,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich stiegen jedoch die betrieblichen Kosten - etwa für die Instandhaltung der Flotte - um knapp 19 Prozent auf 150 Mio. Euro. Die höheren Ausgaben für Kerosin, die insgesamt 196 Mio. Euro ausmachten, sind in diesem Posten nicht enthalten. "Um es vorwegzuschicken: Wir sind nicht zufrieden", sagte Hunold .
Bei Air Berlin  paaren sich strukturelle Schwächen mit Fehlern des Managements. Dabei rächt sich, dass die Fluglinie in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist. Durch Zukäufe von kleineren Wettbewerbern wie LTU und DBA ist die Fluglinie zwar zu einer festen Größe im Markt aufgestiegen und beförderte 2010 rund 33,6 Millionen Passagiere. In der Folge ist Air Berlin aber vergleichsweise schwach aufgestellt und kann daher externe Einflüsse nur schwer verkraften.
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Zuletzt litt die Fluglinie - die ein starkes Standbein in der Touristik hat - vor allem unter dem Geschäft mit Nordafrika. Nach den Unruhen dort halten sich Veranstalter wie Individualreisende beim Buchen zurück. Mit 15 Mio. bis 20 Mio. Euro habe dies das Ergebnis belastet, schätzt Unicredit-Analyst Uwe Weinreich. Negativ wirkten sich zudem die neue Ticket-Steuer und der harte Winter aus. Dazu käme, dass die reiseintensiven Ostertage in diesem Jahr in den April fielen. "Wenn man all die Störelemente rauskalkuliert, waren die Ergebnisse gar nicht so schlecht. Nicht befriedigend, aber eben auch nicht grottig", sagte Weinreich.
Insgesamt verschlechterte sich das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal von minus 106,5 Mio. Euro auf minus 188,3 Mio. Euro, wie Air Berlin schon vergangene Woche mitgeteilt hatte. Bei einem leicht gestiegenen Umsatz von 751,6 Mio. Euro stand unter dem Strich ein Fehlbetrag in Höhe von 120,6 Mio. Euro. Entsprechend ging das Eigenkapital des Konzerns um rund ein Viertel auf 376,8 Mio. Euro zurück. Da die Zahlen bekannt waren, reagierten die Anleger am Mittwoch kaum: Das Papier notierte nahezu unverändert mit plus 0,2 Prozent bei 3,11 Euro.
Die Air-Berlin-Manager haben es aber trotz des Aufschwungs zuletzt nicht geschafft, höhere Ticketpreise durchzusetzen. Im Januar hatte Firmengründer Hunold deshalb seinen Vertriebsvorstand Christoph Debus entmachtet. Bis ein Nachfolger gefunden ist, verantwortet Hunold den Bereich wieder selbst. Er habe die Preiskurven angehoben und den Kerosinzuschlag erhöht, was "nach vorne hin wirkt", sagte er.
In einem weiteren Schritt soll jetzt das Streckennetz optimiert werden: Routen, auf denen preissensible Passagiere unterwegs sind, könnten gestrichen werden. Stattdessen werde Air Berlin vor allem zusätzliche Langstrecken anbieten, "weil diese sich zuletzt gut entwickelt haben". Details nannte Hunold nicht. Auch Finanzchef Ulf Hüttmeyer blieb bei seinen Zielen für das Gesamtjahr vage. Er plane "weitere Maßnahmen", um die Nettoverschuldung bis Ende des Jahres wieder auf 500 Mio. Euro zu drücken, sagte er. Diese war zuletzt durch den Kauf von Flugzeugen auf 531 Mio. Euro gestiegen. Die Eigenkapitalquote wiederum solle von derzeit 14,5 Prozent auf mindestens 20 Prozent steigen.
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  • Aus der FTD vom 19.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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