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Merken   Drucken   03.02.2012, 15:25 Schriftgröße: AAA

Fluggesellschaft insolvent: Ungarns Malev fliegt nicht mehr

Das Staatsunternehmen rutscht nach 66 Jahren in die Pleite. Ein Grund: Nach einer Entscheidung der EU darf die Airline nicht mehr von der Regierung aus Budapest subventioniert werden.
© Bild: 2010 Malev
Das Staatsunternehmen rutscht nach 66 Jahren in die Pleite. Ein Grund: Nach einer Entscheidung der EU darf die Airline nicht mehr von der Regierung aus Budapest subventioniert werden.
Nächster Nackenschlag für das klamme Ungarn: Die strauchelnde Fluggesellschaft Malev hat am Freitag nach 66 Jahren ihren Betrieb eingestellt. Seit dem frühen Morgen hebe keine Maschinemehr ab, teilte das staatliche Unternehmen mit. Weil die Regierung nach einem EU-Urteil keine Kapitalspritzen mehr geben dürfe, sei die Finanzlage untragbar geworden, begründete Generaldirektor Lorant Limburger den Schritt.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban   Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban
Schon seit einigen Jahren hatte die Fluggesellschaft mit Finanzierungsschwierigkeiten gekämpft. Anfang des Monats forderte die EU-Kommission Malev dazu auf, illegale Staatsbeihilfen zurückzuzahlen. Dabei geht es um Millionensubventionen aus den Jahren 2007 und 2010. In den vergangenen Tagen war das Unternehmen unter Gläubigerschutz gestellt worden und hatte einen Insolvenzverwalter an die Seite bekommen. Zuletzt hätten Geschäftspartner das Vertrauen verloren und Vorauszahlungen verlangt.
Wie die Fluggesellschaft mitteilte, würden wegen ausstehender Zahlungen zwei Malev-Maschinen im Ausland festgehalten, und zwar in Israel und Irland. Um weitere Verluste zu verhindern, blieben die übrigen Flugzeuge nun am Boden. Malev hat eine Flotte aus 22 Leasing-Maschinen und beschäftigt 2600 Mitarbeiter. Nach gescheiterten Privatisierungsversuchen hatte die Regierung in Budapest 2010 das Unternehmen bis auf fünf Prozent wieder ganz übernommen. Zuletzt hat Malev Schulden in Höhe von umgerechnet rund 250 Mio. Euro angehäuft.
Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban  sagte im Rundfunk, seine Regierung strebe einen Neustart der Airline an. "Ein Neustart ist möglich, wenn wir uns einigen können." Einzelheiten nannte er nicht. "Zu einer Volkswirtschaft des 21. Jahrhunderts gehört eine gut funktionierende, nationale Fluggesellschaft", sagte er. Für Malev würden allerdings "die Investoren nicht Schlange stehen".
Malev sorgt jährlich für rund 40 Prozent des Verkehrsaufkommens am Budapester Flughafen Ferihegy. An dem Airport hält die deutsche Hochtief Anteile, will sich davon aber - wie von allen ihren Flughafenbeteiligungen - trennen. Wie sehr die Luftfahrtbranche in der Krise zu kämpfen hat, zeigte sich vor Ungarn schon in Spanien. Dort hat vor kurzem der angeschlagene Billigflieger Spanair den Betrieb eingestellt. Malev ist Mitglied der Oneworld-Allianz - zuletzt mussten deren Mitglieder American Airlines und Mexicana Airlines Insolvenz anmelden.
Auf dem Flughafen Ferihegy bildeten sich vor den Informationsschaltern lange Schlangen. Viele Passagiere versuchten, ihre Flüge umzubuchen. Nach Informationen des Internet-Portals "index" hätte Malev am Freitag eine Reiseticket-Versicherung im Wert von 30 Mio. Euro abschließen müssen. Dieses Geld habe aber nicht mehr zur Verfügung gestanden. Die ungarische Regierung hatte bereits am Dienstag einen Fonds im Wert von 2 Mrd. Forint (6,8 Mio. Euro) für die Entschädigung von gestrandeten Malev-Passagieren eingerichtet.
  • FTD.de, 03.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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