Flut in Australien:Lieferengpass bei Kokskohle weitet sich aus
Die Minen sind immer noch geflutet. Es wird laut Anglo American noch Wochen dauern, bis wieder mit dem Abbau begonnen werden kann. In ihrer Not können die Stahlhersteller auf den Spotmarkt ausweichen - das wird allerdings teuer.
von Kirsten BialdigaDüsseldorf
Angesichts der Flutkatastrophe in Australien müssen sich Stahlhersteller weltweit auf eine längere Phase der Unsicherheit bei der Versorgung mit Kokskohle einstellen. Anglo American, einer der führenden Kohleproduzenten Australiens, kündigte am Donnerstag an, es werde einige Wochen dauern, bis das Wasser aus den Kohleminen abgepumpt sei. Der Hafen Gladstone, einer der größten Kohleverladeplätze des Landes, stoppte inzwischen die Verschiffung von Kohle mangels Material.
Auch für europäische Stahlhersteller steigt damit das Risiko, dass es zu gravierenden Engpässen bei der Versorgung mit dem wichtigen Rohstoff kommt. Zwar halten die Lagerbestände der Konzerne nach Angaben aus der Branche in der Regel einige Wochen vor. Doch bis die Förderung wieder in Gang kommt und die Kohle in Europa anlandet, können leicht Monate vergehen. Denn nach dem Abpumpen des Wassers müssen die Gruben noch trocknen, bevor wieder Kohle gefördert werden kann.
"Wenn nicht bis Mitte nächsten Monats signalisiert wird, dass die Lieferungen wieder aufgenommen werden, könnte es zu Engpässen kommen", sagte ein ThyssenKrupp-Sprecher. Seinen Angaben zufolge reichen die Lagerbestände des größten deutschen Stahlherstellers bis Ende März. "Für das erste Quartal haben wir die benötigte Menge, auch weil die Schiffe schon unterwegs sind", sagte der Sprecher.
Einige Kohlelieferanten hätten bereits "höhere Gewalt" geltend gemacht und so zum Ausdruck gebracht, dass es möglicherweise zu Lieferausfällen kommt, für die sie dann nicht belangt werden können. Die Konkurrenten Salzgitter und ArcelorMittal wollten sich zur genauen Reichweite ihrer Lagerbestände nicht äußern.
Alternativ können die Stahlhersteller auf den Spotmarkt ausweichen. Dort ziehen die Preise für Kokskohle allerdings bereits deutlich an. Dagegen sei ein Umschwenken auf Kohle aus anderen Weltregionen wie etwa Südafrika nicht ohne Weiteres möglich, da es erhebliche Qualitätsunterschiede gebe, hieß es in der Branche.
Aus Sicht von Klöckner & Co-Chef Gisbert Rühl kommt das Thema den Stahlherstellern in ihren aktuellen Preisverhandlungen entgegen: "Das ist ein zusätzlicher Schub für die Stahlpreise", sagte der Chef des Stahlhändlers der Financial Times Deutschland.
Die Probleme mit der Koksversorgung liefern Rühl zufolge den Stahlkonzernen ein Argument, ihre ohnehin angekündigten Preisaufschläge gegenüber Kunden aus der Auto- oder Maschinenbauindustrie durchzusetzen - obwohl der Kosteneffekt aufgrund der teureren Kohle erst im dritten Quartal richtig zum Tragen komme. Tatsächlich hatten bereits einzelne Konzerne Stahlpreiserhöhungen wegen der Flutkatastrophe angekündigt.
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