Der Industriekonzern Bosch spricht als erster deutscher Großkonzern über die Folgen der Eurokrise für das eigene Geschäft. "Wir gingen bisher von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 aus, sehen aber durchaus in den letzten Wochen zunehmende Wachstumsrisiken", sagte der designierte Konzernchef Volkmar Denner auf einer Veranstaltung des Stuttgarter Wirtschaftspresseclubs. Die Euro-Krise wirke sich bereits auf den Umsatz aus: "Das europäische Umfeld außerhalb Deutschland stagniert mehr oder weniger, insbesondere in den konsumnahen Erzeugnisgebieten sehen wir zunehmend fehlende Kaufimpulse."
Die Aussage zeigt, dass auch der neue Chef von Bosch heikle Themen offensiv anspricht. Damit hatte sich bereits sein Vorgänger in den vergangene Jahren einen Namen gemacht. Franz Fehrenbach kritisierte zum Beispiel internationale Banken, weil sie Spitzenmanagern zu hohe Boni zahlten. Denner tritt am Montag seine Nachfolge.
Bislang haben sich deutsche Konzerne nur vorsichtig über mögliche Folgen der Euro -Krise geäußert. VW -Chef Martin Winterkorn sprach diese Woche von mageren Zeiten, auf die sich der Autokonzern in Europa einstellen müsse. Über konkrete Auswirkungen auf das Geschäft schwieg er.
Bosch ist der größte Autozulieferer der Welt. Knapp 60 Prozent des Umsatzes von mehr als 50 Mrd. Euro macht der Stuttgarter Konzern mit Unternehmen der Branche. Es gibt keinen bedeutenden Autohersteller, der nicht irgendwo Teile von Bosch in seine Fahrzeuge einbaut. Der Zulieferer spürt deswegen Schwankungen in der Nachfrage sehr schnell und kann daraus schnell Schlüsse ziehen.
Aufgrund der Risiken durch die Staatsschuldenkrise in Südeuropa verschieben Autofahrer den Kauf eines Neuwagens. Davon sind vor allem Hersteller betroffen, die in Märkten wie Italien, Spanien, Portugal oder auch Frankreich vertreten sind. Bei Opel, Peugeot , Citroën und Fiat bricht deshalb der Absatz ein. Aber auch die erfolgsverwöhnten deutschen Hersteller spüren den Rückgang in Südeuropa. Bosch beliefert die Autoindustrie vor allem mit elektronischen Bauteilen wie Antiblockiersystemen oder Benzin- und Dieseleinspritzungen.
Schon am Donnerstag hatte der Chef der Bosch-Dieselsparte, Markus Heyn, gesagt, dass er bis zum Jahresende mit einem stagnierenden Geschäft rechne. "Meine Prognose ist, dass wir keinen Anstieg erleben werden übers Jahr hinweg." Die Sparte trägt ein Sechstel zum Konzernumsatz bei. Bosch bietet weitere Produkte für Endkunden an. Dazu gehören etwa Bohrmaschinen und Akkuschrauber, aber auch Waschmaschinen oder Backöfen, die in einem Joint Venture mit Siemens produziert werden.
Neben den Folgen der Euro-Krise warten weitere Herausforderungen auf Denner. Die in den vergangenen Jahren für mehr als 2 Mrd. Euro zusammengekaufte Solarsparte leidet unter der Billigkonkurrenz aus China. Denner sagte, dass bis Ende des Jahres eine Überprüfung der Geschäfts abgeschlossen sein soll. Dann können er mehr zur Zukunft des Geschäfts sagen.
Für das Solargeschäft verantwortlich sein wird künftig Stefan Hartung. Der 46-Jährige hat bislang das Geschäftsfeld Elektrowerkzeuge geleitet und steigt in die Geschäftsführung des Bosch-Konzerns auf. Der promovierte Maschinenbauingenieur ist seit 2004 im Unternehmen. Er übernimmt den neu gegründeten Bereich Energie- und Gebäudetechnik. Auf diese Weise werden bei Bosch künftig Solarmodule und Heizkessel aus einer Hand kommen.
Der Konzern hatte Ende der Woche das Management umgebaut. Danach wird der bisherige stellvertretende Bosch-Chef Siegfried Dais zum Jahreswechsel aus der Geschäftsführung ausscheiden. Sein Amt in der Industrietreuhand, dem mächtigen Kontrollgremium des Unternehmens, behält der 64-Jährige aber. Er war bislang für die neuen Konzernteile verantwortlich - Software und Telemedizin zum Beispiel. Darum wird sich künftig Denner selbst kümmern. Diese Felder sind für ihn von zentraler Bedeutung, da er die Produkte des Unternehmens auf elektronischen Plattformen vernetzen will. Endverbraucher könnten dann, einfach ausgedrückt, ihre Waschmaschine vom Auto aus bedienen.
Die Geschäftsführung verlässt auch Rudolf Colm. Der 59-jährige Manager war für Gebäudetechnik und Gebrauchsgüter wie Waschmaschinen zuständig. Außerdem leitete er den Einkauf und die Logistik. Um Gebrauchsgüter kümmert sich künftig Uwe Raschke, 54, der schon in der Geschäftsführung sitzt. Einkauf und Logistik fällt an Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Durch die Personalrochaden schrumpft die Zahl der Mitglieder in der Bosch-Geschäftsführung von elf auf zehn.
Denner wird sich die Arbeit mit Fehrenbach neu aufteilen. Der Vorgänger leitet künftig die Industrietreuhand und wird weiterhin auch politische Fragen Stellung nehmen. Er selbst werde sich konzentriere voll auf die operative Führung des Unternehmens konzentrieren, kündigte Denner an.