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Merken   Drucken   03.02.2012, 09:13 Schriftgröße: AAA

FTD-Gespräch mit Roland Koch: Bilfinger distanziert sich von Großaktionär Cevian

Roland Koch weist den neuen schwedischen Großaktionär in die Schranken: Eine höhere Gewinnausschüttung des Baukonzerns lehnt er ab. Stattdessen plant er weitere Zukäufe.
© Bild: 2010 reuters
Exklusiv Roland Koch weist den neuen schwedischen Großaktionär in die Schranken: Eine höhere Gewinnausschüttung des Baukonzerns lehnt er ab. Stattdessen plant er weitere Zukäufe. von Sven Oliver Clausen  Davos und Michael Gassmann  Düsseldorf
Der Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger Berger , Roland Koch, weist seinen neuen Großaktionär Cevian in die Schranken. "Cevian ist zwar der größte Einzelaktionär, aber wir haben weiterhin eine breit gestreute, internationale Aktionärsbasis", sagte Koch der FTD. Der renditehungrige Finanzinvestor war Ende Oktober mit 12,6 Prozent eingestiegen. Seitdem wird mit Weichenstellungen der Schweden gerechnet.
Eine Gelegenheit dazu wäre die Hauptversammlung am 10. Mai, wo sie in den Aufsichtsrat einziehen könnten. "Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Aufsichtsrat erst im vergangenen Jahr für eine Amtszeit gewählt worden ist", sagte der langjährige Ministerpräsident Koch, der den Konzern mit einem Umsatz von zuletzt 8,1 Mrd. Euro und 58.000 Beschäftigten seit Mitte 2011 führt. Bilfinger-Aufsichtsräte sind nach der Wahl vier volle Kalenderjahre im Amt.
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Koch lehnte es ab, künftig einen größeren Anteil der Konzerngewinne auszuschütten - ein beliebtes Instrument von Finanzinvestoren, um ihre Rendite als Aktionär rasch zu steigern. "Unsere Dividendenstrategie wird sich nicht ändern. Wir werden weiterhin etwa die Hälfte ausschütten. Der Rest fließt in das Unternehmen, vor allem in Akquisitionen."
Die kühle Haltung Kochs bekommt vor der Sondersituation Bilfingers Brisanz. Der Konzern hat nach dem Verkauf der Australien-Tochter Valemus eine prall gefüllte Kasse. Koch sagte zwar, dass eine Sonderausschüttung an die Aktionäre denkbar sei, wollte sich aber nicht festlegen. Das viele verfügbare Geld und der hohe Streubesitz der Aktien macht das Unternehmen zu einem natürlichen Übernahmekandidaten. "Auch wenn das bei einem hohen Streubesitz immer ein Thema sein kann, beschäftigen wir uns im Vorstand nicht täglich damit.
Unser Ziel ist, unsere Aktionäre vom langfristigen Potenzial des Unternehmens zu überzeugen, und ihnen deutlich zu machen, dass es sich für sie mehr lohnt, in Bilfinger Berger investiert zu bleiben, als auf ein kurzfristig vermeintlich attraktives Angebot einzugehen", sagte Koch. Den Aufstieg in den DAX , der meist mit höheren Kursen einhergeht, schließt er als Ziel aus: "Das ist kein explizites Ziel für mich. Das ist nicht mein persönlicher Ehrgeiz", sagte er.
Cevian war in Deutschland zuletzt als Verkäufer des Kranspezialisten Demag aufgefallen. Der Finanzinvestor war dort mit gut zehn Prozent größter Aktionär und hatte auch einen Sitz im Aufsichtsrat. Dem Verkauf an den US-Konkurrenten Terex hatte Cevian Mitte 2011 zugestimmt.
Koch hat Bilfinger nach seinem Antritt einen Umbauplan verschrieben. In fünf Jahren will er den Gewinn auf 400 Mio. Euro verdoppeln. "Viele Analysten haben gesagt: Die Ziele seien ehrgeizig, aber erreichbar. Diese Meinung teilen wir", sagte Koch. Zudem plant er zahlreiche Zukäufe, um den Konzern weiter zu einem Bau- und Industrieanlagen-Dienstleister umzubauen. Dazu müsse sich zwar "auch die Unternehmenskultur verändern". Dabei hofft er aber vor allem auf seine eigenen integrativen Fähigkeiten. "Ein wichtiges Augenmerk liegt auf der Integration der Zukäufe. Eine strukturelle Änderung wird aber nicht notwendig sein. Aufbau und Anzahl der Ressorts im Vorstand sind gut auf unser Unternehmen abgestimmt."
Immerhin will Koch Marke und Auftritt des Konzerns verändern, um den Wandel sichtbar zu machen, allerdings ebenfalls ohne große Paukenschläge. „Wir werden unseren Auftritt deutlich verändern und ein ebenso einheitliches wie einprägsames Bild unserer Unternehmensmarke zu entwickeln. Das wird aber keine großen Marketingkosten nach sich ziehen. Wir fahren da eher den effizienten Ansatz.“ Bis zur Hauptversammlung im Mai werde die Entscheidung stehen. „Das ist ein Thema, das man nicht ewig diskutieren kann“, sagte Koch.
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  • Aus der FTD vom 03.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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