Am weitesten geht der lokale Versorger Medl in Mülheim/Ruhr, der ab Dezember 6,7 Prozent weniger verlangt. Medl-Geschäftsführer Hans-Gerd Bachmann begründete dies mit anziehendem Wettbewerb. "Wir senken bewusst vor der Heizperiode. Wir akzeptieren gewisse Ertragseinbußen, sind uns aber sicher, dass wir unsere Kunden behalten", sagte er der FTD.
Die meisten Gasversorger teilen Bachmanns Sorgen nicht. Nach Verivox-Daten planen 110 Anbieter Preiserhöhungen zwischen 1,5 und 24 Prozent für Dezember oder Januar. Die Gasversorger berufen sich dabei auf Verträge mit Vorlieferanten, die eine verzögert wirkende Ölpreisbindung vorsehen.
Seit Jahren werden fast alle Neubauwohnungen mit Gasheizungen ausgerüstet. Jetzt könnte der Preisabstand zu Heizöl aber so groß werden, dass Bauherren umdenken, fürchtet Bachmann. "Wer jetzt entscheidet, dem könnte die Entscheidung für Gas schwerfallen", sagte er. Medl ist eine Tochter der Stadt Mülheim und der RWE-Beteiligungsgesellschaft Rhenag.
Die Gasanstalt Kaiserslautern, die Augsburger Erdgas Schwaben, die Kölner Rheinenergie und die Stadtwerke Merseburg senken ihre Gaspreise ebenfalls. Das könnte als ein Indiz dafür gesehen werden, dass auch die Konkurrenz zwischen den Gasanbietern drei Jahre nach Beginn der gesetzlich erzwungenen Liberalisierung allmählich erwacht. So plant die Billigstrommarke Clevergy, eine Beteiligung der Stadtwerke Hannover und Nürnberg, den Einstieg in den Gasmarkt für 2009. Neben Töchtern von Eon und RWE verkauft auch der freie Anbieter Lichtblick bundesweit Erdgas.
Bundeswirtschaftsminister Glos geht die Entwicklung zu langsam. Er hat Vertreter großer Gaskonzerne für den heutigen Dienstag zu Gesprächen über deren Preispolitik einbestellt, so eine Sprecherin.