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Merken   Drucken   21.11.2011, 20:56 Schriftgröße: AAA

Gegen Einheitspackungen: Tabakbranche zieht in die Schlacht

Das Aussehen von Zigarettenpackungen ist wichtiges Marketing. Doch in Australien soll damit bald Schluss sein - aus Gründen der Volksgesundheit. Philip Morris will auf keinen Fall auf das Marlboro-Rot verzichten und klagt gegen die Schachtel ohne Logo. von Gregor Kessler  Hamburg
Die ärgsten Befürchtungen der Zigarettenindustrie scheinen sich zu bewahrheiten. Am Montag verabschiedete das australische Parlament als erstes Land der Welt ein Gesetz, wonach Zigaretten ab dem 1. Dezember 2012 nur noch in Einheitspackungen mit großen Schockbildern verkauft werden dürfen. Eigene Markenlogos, Farbgebungen und Formen wären dann verboten. Marlboro-Produzent Philip Morris International kündigte umgehend an, gegen das Gesetz eine milliardenschwere Schadensersatzklage einzureichen.
Nach der in vielen Ländern stark eingeschränkten Zigarettenwerbung sind die Packungen selbst inzwischen zu zentralen Marketingtools der Konzerne geworden. Ein Verbot ihrer Gestaltung würde die Möglichkeiten, eine Marke aufzubauen, drastisch reduzieren. Entsprechend scharf reagierten die Hersteller bereits in der Vergangenheit auf Überlegungen, sie zu Einheitspackungen zu zwingen. In Deutschland haben mit BAT und Reemtsma zwei der drei großen Hersteller unmissverständlich klargemacht, zu klagen, sollte die EU-Kommission eine derartige Richtlinie verabschieden. Auch die Kommission, die derzeit die Tabakrichtlinie überarbeitet, wird das Verfahren ebenso genau verfolgen wie die Regierungen in Ländern wie Kanada oder Neuseeland.
Zwar steht die Zigarettenindustrie seit Jahren im Fokus von Gesundheitsbehörden, doch zeigte sich die Branche bislang weitgehend immun gegen juristische Gängelungen wie höhere Tabaksteuern, Rauchverbote in der Gastronomie oder Ausstellungsverbote im Einzelhandel. Erst Anfang des Monats teilte der John-Players-Special-Produzent Imperial mit, den Betriebsgewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr um vier Prozent gesteigert zu haben. Philip Morris International meldete Ende Oktober, in den ersten neun Monaten einen um fast 30 Prozent höheren operativen Gewinn erzielt zu haben.
Die existenzielle Dimension des Prozesses ist den Konzernen durchaus bewusst. "Uns bleibt gar nichts anderes übrig", begründete eine Sprecherin von Philip Morris Asia die Klage. Das Unternehmen rechnet mit Schäden in Milliardenhöhe und damit, dass sich der Prozess über zwei bis drei Jahre hinziehen wird.
  • Aus der FTD vom 22.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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