Generationswechsel im Management:Das ist die neue Crew von EADS
An der Spitze des Luft- und Raumfahrtkonzerns findet ein großes Stühlerücken statt. Der Deutsche Enders agiert künftig allein an der Vorstandsspitze. Die Doppelspitze mit Gallois ist Vergangenheit. Ein Blick in die deutsch-französische Chefetage.
von Gerhard HegmannMünchen
Die Spitzenpositionen im europäischen Luftfahrtkonzern EADS werden zwischen Deutschland und Frankreich durchgetauscht. Künftig ist Thomas Enders alleiniger Vorstandsvorsitzender und steuert damit einen Konzern mit 47 Mrd. Euro Umsatz. Diese Position kennt er, denn von Mitte 2005 bis Herbst 2007 führte der Deutsche zusammen mit dem Franzosen Louis Gallois als deutsch-französische Doppelspitze schon einmal den Konzern. Jetzt kehrt Enders quasi allein zurück. Gallois geht von Bord.
Im Vorfeld der Berufung hat der derzeitige Airbus-Chef Enders bereits durchblicken lassen, dass er künftig verschiedene Doppelfunktionen zwischen der Holding EADS und der vom Umsatz dominierenden Tochter Airbus vereinfachen und möglicherweise bündeln will.
Der als willensstark bekannte Enders wehrte Forderungen der Franzosen ab, die lieber einen Franzosen statt eines Deutschen an der Spitze der Hubschraubertochter Eurocopter gesehen hätten, um eine deutsche Dominanz im Vorstand zu verhindern.
Trotzdem kommt es ab 1. Juni vom Finanzressort bis zu Airbus zu zahlreichen Änderungen auf Vorstands- und Managementposten.
Der 50-jährige Arnaud Lagardère gehörte bisher schon dem Verwaltungsrat an, ließ sich auf Hauptversammlungen aber selten blicken. Der Medienunternehmer hat nicht die Leidenschaft für Flugzeuge wie sein verstorbener Vater, der zu den Gründern von EADS gehört. Dennoch wird Arnaud Lagardère künftiger Verwaltungsratsvorsitzender und damit Nachfolger des Daimler-Finanzvorstands Bodo Uebber. Sowohl Daimler als auch Lagardère haben ein Ziel: Sie wollen ihre EADS-Anteile verringern.
Fünf Jahre lang war Fabrice Brégier die Nummer zwei bei Airbus, ab Juni steht er an der Spitze der größten EADS-Tochter. Die größte aktuelle Sorge des 50-Jährigen dürfte der Produktionsbeginn des neuen Langstreckenfliegers A350 sein. Die technischen Risiken und mögliche weitere Verzögerungen können den Airbus-Ertrag vermasseln. Neue Nummer zwei bei Airbus wird der Deutsche Günter Butschek, der bisher für die Werke zuständig ist. Die Personaländerungen treten ab Juni in Kraft.
Einen Pilotenschein für Hubschrauber hat er schon, künftig steuert er auch Europas größten Flugzeugkonzern. Der 53-jährige Thomas Enders hat sich über viele Stufen im Konzern an die Spitzenposition hochgearbeitet.
Sein Meisterstück lieferte er 2009 als Airbus-Chef mit der Entscheidung, das meistverkaufte Airbus-Flugzeug A320 mit spritsparenden Motoren auszurüsten. Boeing war nicht in der Lage, mit einem komplett neuen Flieger zu kontern. Enders pokerte und gewann damit auch die EADS-Spitzenposition.
An seinem 68. Geburtstag wurde sein Abschied publik. Zuletzt gab es noch einmal Spekulationen, ob Louis Gallois vielleicht doch als Mitglied im Verwaltungsrat weitermacht, wenn er schon als Vorstandsvorsitzender abtritt. Doch Gallois steigt jetzt aus. Er werde dem Konzern immer eng verbunden bleiben, sagte er jüngst. Kein Wunder. Er gehört EADS in verschiedenen Top-Positionen seit der Gründung an. Sein Ziel war, den Konzern zu internationalisieren und die unterschiedlichen Gründungsfirmen zu vereinen. Der Konzern sei jetzt ein Vorbild für Europa.
Vom Hüter der Euro-Währung zur Kontrolle von EADS: Der Ex-Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, ist nicht nur ein prominenter Name, sondern ein international bestens vernetztes Schwergewicht im Verwaltungsrat von EADS. Trichet geht mit dem Vorschlagsrecht der französischen Aktionärsseite in das Kontrollgremium. Dort kann der 69-jährige Franzose dann seine Einschätzung über die für EADS so wichtigen Wechselkurse geben. Der Konzern verbucht die meisten Einnahmen in Dollar.
Die wichtigen EADS-Finanzen steuert künftig Harald Wilhelm. Derzeit ist er noch Finanzchef bei Airbus. Wilhelm wird damit Nachfolger des langjährigen Finanzchefs Hans Peter Ring, der noch bis Jahresende in einer Beraterrolle an Bord bleibt. Dann tritt er in den Ruhestand. Unter der Regie von Ring baute der Konzern einen beachtlichen Geldbestand von 11 Mrd. Euro auf. Das lässt Spielraum auch für große Übernahmen. EADS sei eine "Cash-Maschine", lobte Ex-Vorstandschef Louis Gallois jüngst die Verdienste von Ring.
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