Die Chance kommt wahrscheinlich so nie wieder. EADS-Chef Thomas Enders und BAE-Systems-Chef Ian King hätten den weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern in Europa geschaffen. Jetzt scheitern sie an einer Vielzahl von Heuchlern, Zögerern, Egoisten und vor allem kurzfristigen finanziellen Interessen. Den beiden Konzernchefs und ihrer Gefolgschaft gelang es nicht, Politik und Finanzmärkte von ihrer Logik zu überzeugen. Ein Debakel für alle Akteure. Die Konsequenzen könnten sich bereits in Kürze zeigen und vor allem BAE Systems treffen.
Es ist bemerkenswert, dass derselbe Daimler-Konzern, der vor gut zehn Jahren den Aufbau von EADS vorantrieb, jetzt aus dem Hinterhalt das Zukunftsvorhaben mit dem Argument torpedierte, seine Anteile verlören zu viel an Wert. Lieber verkauft der Stuttgarter Konzern seine EADS-Aktien kurzfristig an den deutschen Staat, weil er das Geld für die Erneuerung seines Autogeschäfts braucht, und gefährdet über den wachsenden Staatsanteil das ganze Vorhaben.
Der zweite große private EADS-Aktionär, Arnaud Lagardère, kümmert sich augenscheinlich herzlich wenig um den Konzern und ist auf dem Absprung. Trotzdem torpedierte er ebenso das Vorhaben, weil seine Anteile jetzt weniger wert sind. Tatsächlich brach der EADS-Kurs nach Ankündigung des Megavorhabens um gut 15 Prozent ein. Die Börse reagiert kurzfristig - doch die Branche tickt im Mehrjahresrhythmus.
Die Forderung des deutschen Staates nach dem Holdingsitz des weltgrößten Rüstungskonzerns war zudem Luftfahrt-Industriepolitik mit Brachialgewalt. Berlin befürchtete, das fünfte Rad am Wagen von Frankreich und Großbritannien zu werden und im Kern nicht mitreden zu können. Frankreich und Großbritannien machen seit Jahren vor, wie strategische Luftfahrtpolitik aussieht. Das lässt sich nicht mit dem Pochen auf einen Holdingsitz oder der Forderung nach der Besetzung von Managementposten nach Nationalitäten kurzfristig nachholen.
Nach dem Scheitern des Zusammenschlusses von EADS und BAE Systems besteht jetzt die Gefahr, dass der britische Konzern zerschlagen wird. US-Konzerne könnten sich das Hightech-US-Geschäft sichern, was grob die Hälfte des Umsatzes ausmacht. EADS könnte sich vielleicht in einer kleinen Lösung das Restgeschäft oder Einzelvorhaben in Gemeinschaftsvorhaben sichern.
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Für Enders entwickelt sich der britische Rüstungskonzern damit zu einem Trauma. Bereits vor zwölf Jahren hatte Enders eine Fusion der deutschen Luftfahrtfirma Dasa mit British Aerospace ausgehandelt, die dann wegen US-Expansionsplänen der Briten kurzfristig scheiterte. Stattdessen kam es zur Gründung von EADS.
Enders ist dafür bekannt, dass er bis an die Grenzen des Machbaren pokert. So hat er mit der Einstellung zum Bau des Militärtransporters A400M gedroht, um weitere Staatshilfe zu bekommen, und dann weitergemacht. Das hat in Berlin noch niemand vergessen. Diesmal hat er zu hoch gesetzt.
Doch Enders ist als Stratege bekannt. Er wird einen Plan B haben, aber er ist nun angeschlagen. Sicher wird er von Daimler und Lagardère eine Erklärung verlangen, warum sie ihren erst im Juni für fünf Jahre an die EADS-Spitze gewählten Chef wieder demontieren. So etwas lässt sich Enders nicht gefallen. Er wird Rechenschaft fordern und auch dabei pokern. Eine Alternative zu Enders ist kurzfristig nicht in Sicht.
Deutschland wäre in dieser Fusion der schwächere Part gewesen.
Man hat ja jetzt schon alle Mühe, im EADS-Konzern das Gleichgewicht zwischen Deutschen und Franzosen zu halten. Wie gnadenlos die Franzosen vorgehen, hat man bei Höchst gesehen. Umgekehrt wäre so etwas undenkbar gewesen.
Im Übrigen meine ich, läge Deutschland auf einer Insel, könnten die Deutschen gut und gern allein zum Mond und zum Mars fliegen, dann müssten wir unsere Nachbarn nicht durchfüttern und keiner könnte uns was. So sind wir von Mitessern umgeben.