Das erfuhr die FTD aus Konzernkreisen. Allerdings muss die Arbeitnehmerseite dies wohl mit deutlichen Zugeständnissen etwa bei Lohn und Arbeitszeiten sowie mit Jobabbau bezahlen. Darauf werde sich GMs Forderungskatalog konzentrieren, hieß es. Ein GM -Sprecher kommentierte das nicht.
Mit der Entscheidung, Europas Werke vorerst zu sichern, nimmt GM Konfliktstoff aus den Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite um den Bau des neuen Kompaktwagens Opel Astra. Für die Produktion der Neuauflage des Modells braucht GM weniger Kapazitäten als beim bisherigen Astra, denn verbesserte Produktionstechnik und eine global vereinheitlichte Modellplattform haben den Bau des Fahrzeugs vereinfacht. Der Betriebsrat schätzt, dass die Astra-Werke ab 2010 wegen der höheren Produktivität Kapazitäten für 230.000 Autos zu viel haben werden.
Forster hatte daher ursprünglich gedroht, dass eine Werksschließung nicht auszuschließen sei. Wird der mit der Astra-Produktion verbundene Sparpakt nun aber geschlossen, ohne eine Fabrik zu gefährden, wären die europäischen Werke bis Mitte des nächsten Jahrzehnts wohl gesichert. Denn neue Modelle werden normalerweise rund sechs Jahre lang gebaut, bevor ein Nachfolger kommt.
Bis Jahresende will GM entscheiden, welche Werke den neuen Astra bauen dürfen. Um die Produktion bewerben sich neben Bochum das polnische Werk Gliwice, Ellesmere Port in England, Belgiens GM-Fabrik in Antwerpen und das schwedische Werk in Trollhättan. Doch nur in vier Fabriken solle der neue Astra vom Band rollen, heißt es bei GM.
Um die Zukunft der Werke zu sichern, hatten der europäische GM-Betriebsrat vorige Woche bereits die Senkung der jährlichen Kosten um 288 Mio. Euro angeboten. Geringere Lohnzuwächse, Einschnitte bei sozialen Leistungen und eine höhere Flexibilität in der Arbeitszeit seien dafür möglich. GM will allerdings Einsparungen von 450 Mio. Euro pro Jahr erreichen. Daher dürften in den nun startenden Verhandlungen von den Arbeitnehmern schmerzhafte Einschnitte gefordert werden.
Schon bisher musste die Arbeitnehmerseite herbe Dämpfer einstecken. Seit 2005 hat GM im lange defizitären Europageschäft 12.000 Stellen gestrichen, den Großteil in Deutschland. In Portugal hat der Konzern 2006 sogar bereits ein Opel-Werk geschlossen. Die nun anlaufenden Verhandlungen über die Astra-Produktion dürften sich bis Jahresende hinziehen, erwarten Konzernkenner.