Danach sollen im November 2010 zwei Satelliten mit einer Sojus-Rakete abheben und Anfang 2011 die nächsten zwei. Mit jeder Verzögerung schwindet der vorgesehene Technologievorsprung von Galileo gegenüber dem GPS-Netz der USA. Durch Galileo soll eine noch genauere Positionsbestimmung oder die Orientierung selbst in Gebäuden möglich sein. Zudem wollen die europäischen Militärs ein eigenes Netz.
Hinter den Kulissen gibt es gegenseitige Vorwürfe, wer die Schuld an der neuen Verzögerungen trägt. Ein Sprecher der für die Raketen verantwortlichen Gesellschaft Arianespace schob die Schuld von sich und erklärte, dass die von Astrium gefertigten "Satelliten gestartet werden, wenn sie fertig sind".
Ursprünglich sollte Galileo schon 2008 den Betrieb aufnehmen. Doch Kostensteigerungen sowie Streit auf politischer und industrieller Ebene lähmten immer wieder das Milliardenprojekt. Inzwischen wird 2013 oder 2014 als Zieldatum genannt. Im Orbit sind erst zwei kleine Testsatelliten.
Nach wie vor gibt es auch ein Tauziehen um Anteile an dem Megaprojekt. So bestätigt die Esa Überlegungen, dass die Satelliten nicht nur mit Sojus-Raketen, sondern auch mit der europäischen Ariane ins All gebracht werden sollen. Hierzu müsste die Oberstufe angepasst werden. Branchenkenner erwarten in Kürze hierzu den Auftrag über grob 40 Mio. Euro.
Im Sommer hatte der Europäische Rechnungshof harte Kritik am Gesamtprogramm veröffentlicht. Danach verteuert sich bereits die Entwicklungs- und Errichtungsphase von 3,3 auf 5,6 Mrd. Euro. Möglicherweise koste Galileo in den nächsten 20 Jahren den Steuerzahler 10 Mrd. Euro, heißt es.
Um endlich mit dem Aufbau voranzukommen, sollen in den nächsten Monaten die einzelnen Arbeitspakete vergeben werden. Nach FTD-Informationen kommt es dabei zu einem deutsch-italienischen Bündnis zum Betrieb der beiden Bodenkontrollstationen in Oberpfaffenhofen bei München und Fucino in Italien.
So gründet eine Tochter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen mit der italienischen Raumfahrtfirma Telespazio. Die Gesellschaft mit den Namen Spaceopal soll sich um den gut 200 Mio. Euro schweren Auftrag zum Betrieb der Bodenstationen bewerben.