Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige japanische Ministerpräsidenten Shinzo Abe
Von Jahr zu Jahr hat das Thema Energie auf der Hannover Messe an Bedeutung gewonnen. Erstmals sollen nun auch innovative Technologien rund um den Kraftwerksbau präsentiert werden wie etwa Solaranlagen mit parabolförmigen Spiegeln oder Blockheizkraftwerke mit Verbrennungsmotoren, die mit Raps-, Palm- oder Sojaöl arbeiten. Ein Blockheizkraftwerk der Firma Würz etwa, das nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung arbeitet, erzielt einen Wirkungsgrad von über 85 Prozent. Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerk kommt nur auf rund 40 Prozent.
Daneben prägt nach Angaben von Messechef Sepp Heckmann der Trend zur Miniaturisierung die Industrieschau. Erstmals soll die digitale Mikrofluidik, auch Electrowetting genannt, gezeigt werden. Dabei können kleinste Tropfen durch elektrische Spannung geteilt und gezielt gelenkt werden. Die so entstehende Tröpfchenwanderung erzeugt den Bildwechsel in Displays. Diese Technologie ist sehr energieeffizient und kann zum Beispiel in Handys, USB-Sticks oder MP3-Playern zur Anwendung kommen.
Roboter spielen nach wie vor eine wichtige Rolle - auch wenn die Robotik-Industrie ihren Schwerpunkt mittlerweile auf die Automatica in München verlagert hat. In Hannover werden Serviceroboter für den Einsatz im Haushalt, Unterhaltungs- und Wachroboter gezeigt. Im Sonderausstellungsbereich "Mobile Roboter und Autonome Systeme" findet der Wettbewerb Robo-Cup German Open statt. Die Maschinen treten nicht nur im Fußball gegeneinander an. Es gibt auch Tanzwettbewerbe und einen Hindernisparcours.
Trotz der guten Grundstimmung wird es in Hannover auch an Klagen nicht mangeln. Vor allem fehlende Fachkräfte und Produktpiraterie setzen der deutschen Industrie zu. Auf über 20 Mrd. Euro jährlich wird der Verlust geschätzt, den schon jetzt der Mangel an Ingenieuren und offene Facharbeiterstellen verursachen. Allein im Maschinenbau und in der Elektroindustrie sind zurzeit 42.000 Stellen vakant. Nach Angaben des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall meldete Anfang 2008 fast jedes achte Unternehmen Störungen in der Produktion aufgrund des Arbeitskräftemangels. Im Jahr 2014 werden voraussichtlich bis zu 95.000 Ingenieure und 135.000 Naturwissenschaftler fehlen.
Noch höhere Kosten entstehen den Unternehmen in Deutschland durch Produktpiraterie. Weltweit werden die Schäden durch Plagiate nach einer VDMA-Studie auf rund 660 Mrd. Euro jährlich taxiert. Die Industrie entwickelt allerdings immer komplexere Sicherheitssysteme, um den Kopierern das Handwerk zu erschweren.
In der Initiative Pro-Protect etwa haben sich Maschinenbauer und Software-Entwickler zusammengetan, um Schutzmechanismen für Industrieanlagen zu entwickeln. Die Arbeitsgruppe prüft zurzeit verschiedene Techniken, um die Programme abzuschirmen, die die Maschinen zum Laufen bringen: Daten verschlüsseln, Zugang nur mit Passwort oder einem besonderen USB-Stick. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Software mit einer Art Selbstzerstörungsmechanismus auszustatten.
Bis Pro-Protect den Königsweg gefunden hat, beginnen Plagiateure in China bereits damit, die Produkte von Landsleuten zu kopieren. "Inzwischen werden immer mehr auch chinesische Produkte kopiert", sagt Harald Joos, Chef des Kranherstellers Demag Cranes. Dies erhöhe den Druck auf die Chinesen, Gesetze nicht nur zu machen, sondern sie auch umzusetzen. "Mittelfristig wird es dort klare Regeln geben, die auch angewandt werden", meint Joos.
Doch die Hauptsorge der Industrie wird in Hannover den mittelfristigen Konjunkturaussichten gelten. "Zurzeit gibt es noch keine Anzeichen, dass der Aufschwung nachlässt", sagt Richard Schramm, Maschinenbau-Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Jahresprognose des Branchenverbands VDMA sei allein durch das bestehende Auftragspolster gut abgesichert. "Uns überrascht vor allem, dass es zurzeit im Inland noch so gut läuft", meint auch Deutsche-Bank-Analyst Josef Auer. "Da erwarten wir uns von der Messe genauere Hinweise, wie es weitergehen könnte", sagt er.
Doch für die Investitionsgüterindustrie werde es in den nächsten Monaten schwieriger, die Rückgänge im US-Geschäft durch Aufträge aus Asien zu kompensieren, sagt Branchenkollege Schramm. "Das Jahr 2009 könnte zum Problem werden", meint der Experte.