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  08.07.2009, 18:39    

Hilfsbereite Eigner: Hapag-Lloyd braucht Milliardenhilfe

Die Reederei ächzt unter dem Einbruch des Welthandels. Die Verluste sind so groß, dass die Gesellschafter den Hamburgern Kapital nachschießen müssen. Die Finanzierungslücke ist nach FTD-Informationen bis zu 1,75 Mrd. Euro groß.

von Sven Clausen, Jennifer Lachman (Hamburg) und Timo Pache (Berlin)
Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd hat eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe. Nach FTD-Informationen geht das Management um Vorstandschef Michael Behrendt im schlimmsten Fall von einem Bedarf von 1,75 Mrd. Euro aus.
Die weltweit fünftgrößte Containerreederei setzte im vergangenen Jahr 6,2 Mrd. Euro um. Der tatsächliche Finanzierungsbedarf ist abhängig vom Verlauf der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen internationalen Warenverkehr. Gegenüber der Bundesregierung, bei der sich Hapag-Lloyd bereits über Staatshilfen informiert hat, meldete das Unternehmen bisher einen Finanzbedarf von rund 1 Mrd. Euro an. Ein Sprecher Hapag-Lloyds ließ gestern mehrere Anfragen unbeantwortet.
Fatales Signal für die Branche
Die Finanzierungslücke bei Deutschlands Vorzeigeunternehmen der Reedereibranche mit rund 7400 Beschäftigten ist ein fatales Signal für die gesamte maritime Wirtschaft der Republik. "Alle Reedereien haben eine riesige Not", sagte ein führender Manager der Branche. Die Industrie leidet unter einem drastischen Verfall der Frachtraten für Container. Auslöser dieses heftigen Absturzes ist ein Rückgang der Transportmengen bei gleichzeitig wachsenden Kapazitäten.
Schiffsfinanzierer, Werften, Vercharterer und Reedereien sind eng miteinander verflochten und stellen einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Norddeutschlands. Hochrangige Vertreter der Branche hatten deswegen bereits im März beim Bundeswirtschaftsministerium für einen maritimen Hilfsfonds geworben. Vorbild für einen solchen Fonds ist der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) für Banken und Versicherungen. Der Vorstoß scheiterte allerdings.
Kursinformationen und Charts
  TUI 5,26 EUR  [-0.23 -4,19%
Als staatliche Hilfe für Hapag-Lloyd wäre etwa ein Kredit der KfW Bankengruppe denkbar. Im Gespräch ist dabei eine Summe von ungefähr 300 Mio. Euro. Sie hängt aber wesentlich davon ab, welche anderen Geldquellen Hapag-Lloyd in den kommenden Wochen noch auftut und welche Finanzkraft die Eigentümer haben. Zudem könnte die Reederei staatliche Bürgschaften beantragen, um Kredite privater Geldinstitute abzusichern.
TUI-Kredit nahezu aufgebraucht
Unklar ist, wie akut der Bedarf ist. Nach Informationen der FTD ist ein Kredit über 400 Mio. Euro, den Haupteigner TUI  der Reederei zur Verfügung gestellt hatte, nahezu aufgebraucht. Auf einer Krisensitzung sicherten die Eigentümer Hapag-Lloyd gestern ihre Unterstützung zu.
Sie würden "ihren jeweiligen Gremien Vorschläge für Kapital- und Finanzierungsmaßnahmen zur Entscheidung vorlegen, mit denen das Unternehmen langfristig gesichert werden kann", teilten TUI und das Konsortium Albert Ballin mit. TUI hält 43,33 Prozent der Anteile, Albert Ballin den Rest.
06:29:24 Kursinformationen und Charts
Name aktuell % absolut  
TUI 5,26 EUR   -4,19%  -0.23
  • Aus der FTD vom 09.07.2009
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