Deutschlands größte Reederei Hapag-Lloyd hat eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe. Nach FTD-Informationen geht das Management um Vorstandschef Michael Behrendt im schlimmsten Fall von einem Bedarf von 1,75 Mrd. Euro aus.
Die weltweit fünftgrößte Containerreederei setzte im vergangenen Jahr 6,2 Mrd. Euro um. Der tatsächliche Finanzierungsbedarf ist abhängig vom Verlauf der Weltwirtschaftskrise und dem damit verbundenen internationalen Warenverkehr. Gegenüber der Bundesregierung, bei der sich Hapag-Lloyd bereits über Staatshilfen informiert hat, meldete das Unternehmen bisher einen Finanzbedarf von rund 1 Mrd. Euro an. Ein Sprecher Hapag-Lloyds ließ gestern mehrere Anfragen unbeantwortet.
Fatales Signal für die Branche
Die Finanzierungslücke bei Deutschlands Vorzeigeunternehmen der Reedereibranche mit rund 7400 Beschäftigten ist ein fatales Signal für die gesamte maritime Wirtschaft der Republik. "Alle Reedereien haben eine riesige Not", sagte ein führender Manager der Branche. Die Industrie leidet unter einem drastischen Verfall der Frachtraten für Container. Auslöser dieses heftigen Absturzes ist ein Rückgang der Transportmengen bei gleichzeitig wachsenden Kapazitäten.
Schiffsfinanzierer, Werften, Vercharterer und Reedereien sind eng miteinander verflochten und stellen einen der wichtigsten Wirtschaftszweige Norddeutschlands. Hochrangige Vertreter der Branche hatten deswegen bereits im März beim Bundeswirtschaftsministerium für einen maritimen Hilfsfonds geworben. Vorbild für einen solchen Fonds ist der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) für Banken und Versicherungen. Der Vorstoß scheiterte allerdings.