Hindernisse für Verschmelzung:Der Endlos-Krimi um Porsche und VW
Eigentlich sollte Porsche mit Jahresbeginn als zehnte Marke zum VW-Konzern gehören. Doch zehnte Tochter ist der Lkw-Bauer MAN. Die Fusion zwischen Porsche und VW zieht sich. Ein Überblick.
Immer neuer juristischer Ärger: Es steht schlecht um die Verschmelzung von Volkswagen und Porsche. Dabei sah einst alles so einfach aus. Hier die Hindernisse - und wie das scheinbar Unmögliche doch noch gelingen könnte.
Einträgliches Nebeneinander: Eigentlich war schon alles geritzt
Einst versuchte Porsche, den VW-Konzern zu schlucken. Doch es kam alles anders nach dieser Übernahmeschlacht, die eine der härtesten in Deutschland gewesen sein dürfte. Und obwohl der Autokrimi um VW und Porsche schon seit Mitte 2009 entschieden ist - zu Ende ist er nicht.
Denn juristische Altlasten vereiteln die Pläne von Volkswagen zur Eingliederung des Sportwagenherstellers in den VW-Konzern. Milliardenschwere Investorenklagen machen die ursprünglichen Fusionspläne zunichte. Dabei war nach dem langen und schmutzigen Machtkampf alles bis ins Detail festgelegt worden.
Die Unsicherheit ist so groß, dass das Porsche-Management schon im vergangenen September mitteilte, man rechne nicht mehr damit, mittels Aktientausch mit dem vielfach größeren Volkswagen-Konzern zu fusionieren.
Und auch bei VW hieß es, man werde die bis Jahresende 2011 angepeilte Fusion nicht länger verfolgen und lote andere Möglichkeiten aus, enger zusammenzurücken. Aktuell sei für jedes gemeinsame Projekt ein spezieller Vertrag nötig.
Ein Händler an der Börse in Frankfurt am Main. Der Kursanstieg bei VW wurde damals mit Spannung beäugt
Im Zuge des Übernahmekampfes war Volkswagen nach einem rasanten Auf und Ab seines Aktienkurses im Herbst 2008 für kurze Zeit zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden.
Porsche hatte sich mit schwer durchschaubaren Börsengeschäften den Zugriff auf gut 74 Prozent der VW-Stammaktien gesichert und damit einen Höhenflug der Papiere ausgelöst - am 28. Oktober erreichte der Kurs den Höchststand von 1005 Euro. Ausgelöst wurde die Kursexplosion durch misslungene Spekulationen auf sinkende Aktienkurse, sogenannte Leerverkäufe. Investoren erlitten zum Teil massive Verluste.
Inzwischen beschäftigt die schier endlose Geschichte von Porsche und VW jede Menge Juristen. Erst am Neujahrswochenende wurde eine neue Klage bekannt: Mehrere Investmentfonds wollen Schadensersatzansprüche in Höhe von knapp 2 Mrd. Euro erstreiten. Das Stuttgarter Landgericht bestätigte am Montag den Eingang der Klage.
Dem Sportwagenbauer wird vorgeworfen, er habe Investoren 2008 bei seinem später gescheiterten Übernahmeversuch von Volkswagen hinters Licht geführt und damit Transparenzvorschriften im Aktienrecht verletzt. Die Porsche SE habe ihre Strategie zunächst verheimlicht und damit Kursturbulenzen verursacht. Mehrere andere Investorenklagen haben ähnliche Vorwürfe zum Inhalt.
Porsche trat immer wieder Vorwürfen der Manipulation entgegen und wies die Verantwortung für die Marktverwerfungen zurück. Der Autobauer hält die Klagen für unbegründet.
Insgesamt muss sich Porsche in den USA und Deutschland in etlichen Streitfällen zur Wehr setzen. Das Landgericht Braunschweig beschäftigt sich mit einem Verfahren, bei dem es um Forderungen von knapp 1,1 Mrd. Euro Schadenersatz geht.
Vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht wird seit Kurzem eine Klage von Aktionären verhandelt, die der Meinung sind, dass die Hauptversammlung den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2008/2009 zu Unrecht entlastete. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Porsche-Manager, darunter den früheren Vorstandschef Wendelin Wiedeking.
Dieser musste die Unternehmensführung abgeben, nachdem VW das Ruder in Stuttgart-Zuffenhausen übernommen hatte. Porsche hatte sich mit der VW-Übernahme verhoben und 11,4 Mrd. Euro Schulden angehäuft. Aber mit seinen Finanztransaktionen, die den Deal finanzieren sollten, hinterlässt Wiedeking noch immer seine Spuren.
Kläger in den USA sind verschiedene Fondsgesellschaften. Auf bundesstaatlicher Ebene wird darum gerungen, ob die US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Hier gewann Porsche in erster Instanz, die Gegenseite legte Berufung ein. Außerdem gibt es ein Verfahren in New York, wo es auch um Zuständigkeitsfragen geht. Dort gibt es noch keine Entscheidungen.
Produktionsstraße von VW. Der Wolfsburger Weltkonzern hat einen Plan B
Abgesehen davon, ob die Klagen angenommen werden, und selbst wenn sie am Ende verworfen werden sollten - für Volkswagen ist das Risiko kaum kalkulierbar. Die juristischen Auseinandersetzungen mit immer neuen Klagen könnten sich jahrelang hinziehen. Die Eingliederung von Porsche wird zur Hängepartie.
Dabei würden die Hersteller Porsche und VW gut zusammenpassen. Denn beide Unternehmen sind seit Dekaden eng miteinander verbunden und aneinander beteiligt. Seitdem der Fusionsplan konkret wurde, übernahm VW an immer mehr Schaltstellen in Stuttgart die Macht: Führende Köpfe bei Porsche wurden ausgetauscht, und an der Spitze des Stuttgarter Sportwagenbauers haben schon längst die VW-Granden das letzte Wort. "Gehen Sie davon aus: Es wird gut werden", sagte kürzlich auch VW-Chef Martin Winterkorn. Aber wann - das sagte er nicht.
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Nun, das die für 2011 geplante Verschmelzung von VW und Porsche inzwischen geplatzt ist und mit ihr die mühsam ausformulierte "Grundlagenvereinbarung" kam "Plan B" ins Spiel: Danach könnte VW von 2013 an das reine Autogeschäft der Porsche AG kaufen - ohne beide Konzerne ganz zu verschmelzen. 49,9 Prozent hält VW bereits daran. Aber auch diese Variante dauert: Der Kauf ist erst ab Mitte 2014 steuerfrei.
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