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Merken   Drucken   09.07.2008, 14:09 Schriftgröße: AAA

Hintergrund: Warum der Cargolifter scheiterte  

Der Einstieg von Boeing in den Bau von Luftschiffen weckt Erinnerungen an das deutsche Cargolifter-Projekt, für das sich einst auch die Amerikaner interessierten. FTD-Online erklärt, woran der Cargolifter scheiterte und warum seine Anhänger noch immer auf ein Comeback hoffen. von Gerhard Hegmann (München)
Das deutsche Cargolifter-Projekt war mit weitem Abstand der bislang größte Versuch, ein Lasten-Luftschiff zu bauen. Rund 70.000 Aktionäre zahlten in die Vision des fliegenden Krans über 320 Mio. Euro ein - und verloren am Ende finanziell alles. Auch der US-Luftfahrtkonzern Boeing  hatte im Frühjahr 2002 eine Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit mit der börsennotierten Cargolifter  AG unterzeichnet. Wenige Monate später musste sie Insolvenz anmelden.
Cargolifter-Gründer Carl-Heinrich von Gablenz war es nicht gelungen, weitere staatliche Gelder für das Projekt zu organisieren - die Politik hatte Zweifel an der Machbarkeit. Nach mehreren Kostensteigerungen und Verzögerungen waren auch die Cargolifter-Aktionäre schließlich nicht mehr bereit, weiteres Geld einzubezahlen. Am Ende hatten sie gut 320 Mio. Euro investiert - es fehlten aber noch 400 bis 500 Mio. Euro bis zur Serienreife.
Zudem warfen Branchenexperten dem Cargolifter-Management vor, sich mit dem Bau des weltgrößten Luftschiffs für 160 Tonnen Nutzlast übernommen zu haben, statt zunächst zuerst kleinere Luftschiffe zu bauen. Tatsächlich beginnt eine im September 2005 gegründete Nachfolgegesellschaft, die CL Cargolifter GmbH & Co KG aA, jetzt mit kleineren Schritten.
Einsatz in Kanada
"Im Mittelpunkt steht ein Schritt-für-Schritt-Vorgehen", sagt Geschäftsführer Mirko Hörmann. "Das Boeing-Projekt ist sehr zu begrüßen. Es zeigt, dass es auch einen Markt für kleinere Lasten-Luftschiffe gibt." Auch Cargolifter habe ein Konzept für ein in Stufen erweiterbaren unbemannten Flugtransporter entwickelt, der mit 20, 40 oder 80 Tonnen Nutzlast zur Versorgung der Minenindustrie und Bevölkerung in Kanada zum Einsatz kommen könnte.
"Uns fehlt aber noch das Geld und der Technologiepartner", räumt Hörmann ein. Die neue Cargolifter-Gesellschaft experimentiert gemeinsam mit dem Windkraftanlagenhersteller Nordex  auch mit einem Lastenballon, der bei der Montage von Windkraftanlagen zum Einsatz kommen könnte.
Für den Cargolifter-Gründer von Gablenz verlor Deutschland mit der Insolvenz seiner Firma eine große Chance im Luftschiffbau. Jüngst beklagte er, dass allein mit den Kostenüberschreitungen, die Airbus  und Boeing bei ihren laufenden Großprojekten zu bezahlen haben oder mit den Milliarden aus den Fehlspekulationen der öffentlichen Landesbanken das Cargolifter-Projekt hätte verwirklicht werden können.
  • FTD.de, 09.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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