Von der sich eintrübenden Konjunktur bemerken die Hersteller von Unterhaltungselektronik bisher wenig. Auf dem Branchentreffen in Berlin bringen sie sich für das Weihnachtsgeschäft in Stellung. FTD zeigt die wichtigsten Neuheiten und Trends.
Wenn kommende Woche die ersten Besucher über das Gelände der Elektronikmesse Ifa laufen, werden sie vorbeikommen an riesigen TV-Geräten, auf denen Werbefilmchen in einem ziemlich scharfen Bild leuchten. Als "Trendthema" der Ausstellung in Berlin sieht der Branchenverband GFU Fernseher mit einer 4-K-Auflösung, also mit deutlich höherer Pixelzahl als bei aktuellen Standardgeräten; eine Innovation "zum Staunen". Das allerdings wird wohl erstmal nur auf der Ifa möglich sein - es ist zweifelhaft, ob der Nutzer selbst in absehbarer Zeit etwas anfangen kann mit der Technik.
TV-Hersteller setzen große Hoffnungen auf Entwicklungen wie 4-K. Der Markt ist extrem schwierig: Die Nachfrage nach Flachbildfernsehern wächst kaum noch, während gleichzeitig die Preise sinken. Der harte Wettbewerb lässt die Margen der Hersteller zusammenschmelzen. Konzerne wie Sony oder Panasonic melden schmerzhafte Verluste, der niederländische Hersteller Philips hat sich aus dem Fernsehgeschäft bereits komplett verabschiedet. Hohe Preise lassen sich nur noch durch neue Technologien rechtfertigen, etwa bei besonders flachen Oled-Geräten - oder eben 4-K, das noch größere Bildschirme mit einer deutlich höheren Auflösung möglich machen soll.
Derzeit gibt es die Technik für die riesigen Kinoleinwände vor allem in den USA. Hollywood-Filme wie "The Green Hornet" oder der dritte Teil der "Man in Black"-Reihe sind in 4-K gedreht. Der Fortschritt der Technik besteht kurz gesagt in einem schärferen Bild: Die Auflösung beträgt 4096 mal 2160 Pixel - und aus dem ersten Wert leitet sich der Name ab. Das sind viermal mehr Bildpunkte, als ein Fernseher mit Full-HD-Technologie vorweisen kann.
Bei den Herstellern sieht man darin das Geschäft von morgen. "Wir werden auf der Ifa unseren ersten 4-K-Fernseher vorstellen", sagt Alexander Krüger, Produktmanager bei LG Deutschland. Neue Wege gehe man mit diesen Geräten nicht nur in der Auflösung, sondern auch in der Größe von 84 Zoll - also mehr als zwei Meter Bildschirmdiagonale. Der Preis stehe noch nicht fest, er werde sich allerdings in einem "angemessenen Rahmen" bewegen. Sicher aber ist für Krüger: "4-K ist eine Weiterentwicklung der bestehenden HD-Technik" und ein "zukunftsweisendes Produkt".
Allerdings weist LG selbst hin auf ein Problem, das die Euphorie bei den Unternehmen bremst: In ihrem Innovationstempo sind die Hersteller anderen Marktteilnehmern inzwischen enteilt. "Die TV-Industrie ist weit voraus vor den Leuten, die Inhalte herstellen beziehungsweise übertragen", sagt Analyst Paul Gray vom Marktforscher Displaysearch.
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Will heißen: Ein Kunde kann sich zwar einen 4-K-Fernseher ins Wohnzimmer stellen, es gibt allerdings keine Filme, welche die neue Technik ausreizen (siehe unten stehender Artikel). Gray räumt den hoch auflösenden Bildschirmen zwar ein gewisses Potenzial ein, sagt aber: "Derzeit ist es wirklich schwer, einen Grund zu finden, warum jemand Samstagmorgen zu Media Markt fahren und einen 4-K-Fernseher kaufen sollte."
Entsprechend wird es Jahre dauern, bis sich die Hoffnungstechnik der Hersteller beim Privatkunden durchgesetzt hat. "Die hoch auflösenden Bildschirme sind im Moment ein reines Produkt für Geschäftskunden", sagt Fabien Roth, TV-Chef für Europa bei Panasonic. Bei Samsung spricht man von einem "vielversprechenden Produktsegment", diverse Prototypen wurden bereits präsentiert - zum Zeitpunkt der Markteinführung könne man aber keine Angaben machen. Paul O'Donovan, Analyst beim Marktforscher Gartner, weist darauf hin, dass sich der durchschnittliche Kunde alle sieben bis zehn Jahre einen neuen Fernseher anschafft. Wer sich also während des LCD-Booms der vergangenen Jahre ein neues Gerät gekauft hat, müsste gute Argumente geliefert bekommen, um sich für die 4-K-Technik zu begeistern.
Die Branche hofft dabei auf große Displays und 3-D-Inhalte - für beides sei eine verbesserte Auflösung notwendig. "Der Trend geht zu größeren Bildschirmen", sagt Roland Stehle vom Branchenverband GFU. Auch bei 3-D-Fernsehern mache ein besserer Bildschirm Sinn, da für jedes Auge ein eigenes Bild übertragen werden müsse; die Erwartungen der Industrie in 3-D-Fernseher sind allerdings bislang enttäuscht worden. Fraglich ist auch, ob der Durchschnittskunde wirklich einen Zwei-Meter-Fernseher vor der Couch aufstellen will - zu einem entsprechend hohen Preis. Trotzdem wollen die Hersteller 4-K als den Standard durchsetzen, der einmal den HD-Fernseher ablösen wird. Stehle von der GFU sagt: "Die Teilnehmer im Markt sehnen sich nach einer gemeinsamen Norm." Nur zu den Kunden und Inhalteanbietern ist dieser Wunsch noch nicht durchgedrungen.