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Merken   Drucken   14.11.2012, 21:38 Schriftgröße: AAA

Immobilienmarkt: Vorsicht, Betoninflation

Die Bundesbank warnt vor einer Blase auf dem deutschen Immobilienmarkt. Und sie hat gute Gründe dafür. Denn die Gefahr ist groß, dass die historisch niedrigen Zinsen leichtsinnige Investoren anlocken.
© Bild: 2012 DPA/Arno Burgi
Leitartikel Die Bundesbank warnt vor einer Blase auf dem deutschen Immobilienmarkt. Und sie hat gute Gründe dafür. Denn die Gefahr ist groß, dass die historisch niedrigen Zinsen leichtsinnige Investoren anlocken.

Es gibt wenig, wovor wir Deutschen uns so sehr fürchten wie vor Inflation. Sobald die Europäische Zentralbank den Aufkauf südländischer Staatsanleihen auch nur ankündigt, fürchten wir um unsere Ersparnisse. Steigen im Sommer die Benzinpreise, lassen große Magazine auf ihren Titelseiten Euro-Münzen schmelzen wie Wachs in der Sonne. Und die deutschen Anleger räumen ihre Konten leer und investieren in vermeintlich sichere Werte: Gold etwa. Oder Immobilien.

Doch diese Rechnung könnte nicht aufgehen. Darauf weist die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht hin. Da ist von "Preisübertreibungen" in Teilen des Immobilienmarkts die Rede, von der Gefahr, dass sich die Preise von ihren Fundamentalwerten abkoppeln. Man könnte auch sagen: Da wächst eine Blase.

Um mehr als neun Prozent sind die Immobilienpreise in den deutschen Großstädten im vergangenen Jahr gestiegen, getrieben durch ängstliches deutsches Geld sowie ausländisches Kapital auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Nur: Sicher ist bei derartigen Preissteigerungsraten gar nichts mehr. Das ist keine solide Anlage, das ist Betoninflation.

Nun muss man fairerweise sagen, dass der deutsche Immobilienmarkt friedlich schlief, als in Ländern wie Spanien oder den USA der Häuserwahnsinn ausbrach. Insofern ist ein gewisser Aufholeffekt durchaus legitim. Auch wird der Immobilienboom in München oder Hamburg zu einem großen Teil durch Eigenkapital gespeist, nicht durch unbesicherte Kredite. Daher ist es unwahrscheinlich, dass eine Preiskorrektur gleich zu einer Bankenkrise führt wie in anderen Ländern. Die langfristig zu erwartenden Wertverluste tragen die Investoren also allein.

Das muss nicht so bleiben. Denn Blasen haben die unangenehme Eigenschaft, sich selbst zu vergrößern und immer mehr Kapital anzusaugen. Die Gefahr ist groß, dass angesichts historisch niedriger Zinsen leichtsinnige Investoren das große Geschäft wittern - und auf Pump finanzieren. Wenn das passiert, entsteht die Ausgangslage, die zu den Krisen in Spanien und den USA geführt hat. Der Hinweis der Bundesbank ist als Warnung zu verstehen: Wer in überhitzten Märkten eine Immobilie kauft, sollte sich fragen, ob der Kaufpreis über Mieteinnahmen seriös zu refinanzieren ist. Oder die Finger davon lassen.

  • Aus der FTD vom 15.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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