Chinas Wirtschaft wird immer stärker automatisiert. 22.600 Industrieroboter wurden 2011 nach Angaben des Branchenverbandes International Federation of Robotics in der Volksrepublik verkauft - ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schon 2013 könnte das Land den bisher wichtigsten Absatzmarkt Japan mit zuletzt 28.000 verkauften Einheiten überholen. Zum Vergleich: In Deutschland fanden im vergangenen Jahr 19.500 Industrieroboter einen Abnehmer.
Binnen kurzer Zeit ist China zu einem der wichtigsten Märkte für die deutsche Robotik- und Automatisierungsindustrie geworden. Hintergrund ist ein Strukturwandel der chinesischen Wirtschaft: Jahrelang galt das Land vor allem als günstiger Produktionsstandort mit einem unerschöpflichen Arsenal an billigen Wanderarbeitern. Doch Arbeitskräfte werden teurer und knapper, während der Produktivitätsdruck stark gestiegen ist.
"Die chinesischen Kunden sind anspruchsvoll, sie fordern absolute Hochtechnologie. Häufig treiben sie inzwischen auch neue Entwicklungen mit", sagte Christian Blatt, Geschäftsführer des Abfüllanlagenspezialisten Krones in China. Für sein Unternehmen, das Brauereien, Softdrink- und Wasserabfüller beliefert, gehört die Volksrepublik inzwischen zu den top drei Absatzmärkten. "Wir wachsen hier jedes Jahr deutlich zweistellig", sagte Blatt.
Große Pläne hat auch der Augsburger Roboterspezialist Kuka . Verfünffachen will das Unternehmen die Produktion in China binnen drei Jahren, wie Vorstandschef Till Reuter Mitte Oktober in Schanghai ankündigte. Dort legte der 44-Jährige den Grundstein für eine neue, deutlich größere Fertigung. Auf 20.000 Quadratmetern sollen im kommenden Jahr 3000, ab 2015 sogar 5000 Roboter jährlich montiert werden. Kuka zählt unter anderem Apples Auftragsfertiger Foxconn , das Stahlunternehmen Baosteel und den Autokonzern Chery zu seinen Kunden.
Nicht nur in der Auto- und Getränkeindustrie, wo Kuka und Krones ihre Schwerpunkte haben, ist die Automatisierung schon fortgeschritten. "Eine hohe Roboterdichte haben Elektronik- und Halbleiterindustrie in Süd- und Ostchina", sagte Dietmar Kusch, Partner der Beratungsfirma EAC. Relativ weit seien auch Chemie und Kunststoffverarbeitung, Solarindustrie und Textilspinnereien. "Dort ist die Produktion oft voll integriert, es kommen erstklassige, internationale Maschinen zum Einsatz." Selbst manche Möbelhersteller fertigten schon zu über 80 Prozent automatisiert.
Dass die Arbeitskräfte in China knapper werden, ist Folge der Einkindpolitik. Dies zeigt sich vor allem bei jungen Menschen unter 30 Jahren - lange das Rückgrat der angelernten Arbeiterschaft. Diese Gruppe sei im vergangenen Jahrzehnt noch um 0,2 Prozent jährlich gewachsen, so Tao Wang, Volkswirtin der Bank UBS. In den nächsten zehn Jahren werde sie um 1,4 Prozent im Jahr schrumpfen.
Im Perlflussdelta und rings um Schanghai klagen Unternehmer seit Jahren über fehlende Arbeiter. Selbst kleine Mittelständler haben Probleme. "Wir konnten unsere Wachstumsziele nicht mehr erreichen", sagte Jiang Wei Hua, Produktionschef beim Schweißtechnikkonzern Gubang Technology in Shenzhen. Vor vier Monaten hat Gubang daher die Montage teilautomatisiert, heute beschäftigt er noch 50 Arbeiter. 30 zuletzt schwer zu besetzende Stellen wurden eingespart, gleichzeitig steigerte die Firma die Produktion um ein Drittel.
Trotz des jüngsten Booms steht China insgesamt noch am Anfang der Automatisierung. Auf 10.000 Arbeitsplätze kämen heute zehn eingesetzte Roboter, so Berater Kusch. In den USA seien es 116, in Deutschland 260. Einen Großteil der Anlagen liefern Anbieter aus dem Ausland.
Mitarbeit: Sun Na