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  FTD-Serie: Maschinenbau - Erfinderisch durch die Krise

Ob Hybridantriebe für Schwertransporter, saubere Schiffsmotoren oder Maschinen, die mit thermischer Solarkraft arbeiten: Der deutsche Maschinenbau gilt weltweit als besonders innovativ. Die FTD-Reihe zeigt, mit welchen Innovationen die Branche neues Wachstum schaffen will und sich auf die Zukunft einstellt.

Merken   Drucken   16.10.2008, 06:00 Schriftgröße: AAA

Innovationen: Klimawandel sorgt für "grünes Wirtschaftswunder"

Auch Industriekonzerne setzen auf Cleantech und Energieeffizienz. Während in Deutschland schon vor zwanzig Jahren ressourcenschonende Techniken eingesetz wurden, entdecken jetzt auch zunehmend asiatische Unternehmen die grüne Industrie. von Anja Steinbuch
Das Wort Industrie stand traditionell für qualmende Fabrikschlote und Kraftwerke sowie für lärmende und rußwolkenspeiende Baumaschinen und Lkw, kurzum für alles, nur nicht für Klimaschutz. Das hat sich grundlegend geändert: Es ist längst keine Imagepflege mehr, wenn Industrie-Unternehmen Biokraftstoffe herstellen, Solarkraftwerke errichten oder einen Solarmodulhersteller kaufen.
Es geht nicht darum, sich in der Öffentlichkeit als "öko" zu präsentieren, sondern um internationalen Wettbewerb. Unternehmen wie Siemens, Alstom, Deutz und Voith haben vor vielen Jahren bereits auf "grüne Technologien" gesetzt und damit die Weichen für die Zukunft gestellt. Diesem auch als Umwelttechnik oder "Cleantech-Branche" bezeichneten Wirtschaftszweig prophezeien Beobachter einen ähnlichen Boom wie zu ihrer Zeit der New Economy.
Er könne schon bald die Autoindustrie überholen, sagen Experten. Grundlage ist das deutsche Technik-Know-how und die Tatsache, dass man hierzulande den Trend frühzeitig erkannt hat. Seit rund 20 Jahren bereits engagieren sich deutsche Industrieunternehmen in dem Bereich der effizienzsteigernden und ressourcenschonenden Techniken, sagt Thorsten Herdan, Energieexperte beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). "Maschinenbau ist Energietechnologie und damit auch Umwelt- und Klimaschutztechnologie", betont Herdan. Hinzu kommen politische Vorgaben, die die Entwicklung dieses Marktes beflügeln.
Bosch kauft Solarzellenhersteller
Nach diesem Motto hat sich MAN-Ferrostaal mit Sitz in Essen eine ganze Reihe von "grünen" Standbeinen geschaffen: Im Solarbereich ist das Unternehmen gleich bei drei Firmen eingestiegen: Zwei davon stellen solarthermische Kraftwerke her (Solar Millennium und Solar Power Group). Mit der Solitem Gruppe bauen die Essener eine Technik zur solaren Kühlung. Außerdem werden Biodiesel-Anlagen errichtet und zukünftige Biokraftstoffe der zweiten Generation (Bioethanol) hergestellt.
"Wir erwarten in diesen Bereichen starke Wachstumsraten", sagt Matthias Mitscherlich, Vorstandsvorsitzender der MAN Ferrostaal. Bis 2020 würden weltweit insgesamt über 1000 Biokraftstoffanlagen entstehen, und bis 2030 dürften rund 600 Mrd. Dollar in diesen Markt gepumpt werden, sagen die Prognosen des MAN-Vorstands. Auch der Industriegigant Bosch ist auf dem Weg, ein Umwelttechnikkonzern und damit einer der Profiteure des Kampfes gegen den Klimawandel zu werden.
Beobachter sehen den Automobilzulieferer, Hausgeräte- und Elektrowerkzeughersteller, Heizungs- und Industrietechnikproduzent bereits an der Spitze des Cleantech-Booms: In diesem Jahr kaufte Bosch den Solarzellenhersteller Ersol aus Erfurt. Die Milliardeninvestition in ressourcenschonende und klimafreundliche Technologien ist ein Meilenstein beim Umbau des achtgrößten Industrieunternehmens hierzulande. Damit kommt die Übernahme einem Signal an die Branche gleich. Die Zeitenwende ist da: Wer jetzt nicht mitzieht, bleibt auf der Strecke.
Asiatische Konzerne steigen in Solarbranche ein
Auch die Konkurrenz aus den USA und aus Asien hat diesen Trend erkannt. Das hat auch Vorteile: Zulieferer wie zum Beispiel die Anlagenbauer für Solarmodulhersteller profitieren davon, dass immer mehr branchenfremde Konzerne in Deutschland und anderen Industriestaaten auf den lukrativen Photovoltaikmarkt drängen: So errichtete gerade die Blaubeurener Firma Centrotherm Photovoltaics in Südkorea für den Schiffbaukonzern Hyundai Heavy Industries eine schlüsselfertige 250-Megawatt-Solarzellenfabrik.
Peter Fath, Technologievorstand von Centrotherm, sagt: "Auch in Asien steigen viele Konzerne jetzt quer in die Solarbranche ein. Das bringt uns neue interessante Kunden." Schon jetzt macht Centrotherm rund 70 Prozent seines Gesamtumsatzes in Asien, aber auch Europa ist ein wichtiger und weiterhin dynamischer Markt.
Sogar IT-Unternehmen bemühen sich um das Feld der erneuerbaren Energien: Der Business-Intelligence-Anbieter SAS mit sechs Niederlassungen in Deutschland baut auf dem Gelände der US-Firmenzentrale in North Carolina eine Solarfarm von der Größe zweier Fußballfelder. Die Sonnenkollektoren werden pro Jahr rund 1,7 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Damit lassen sich 600 Haushalte versorgen. Das Projekt gehört zur Nachhaltigkeitsstrategie von SAS und trägt indirekt dazu bei, den CO2-Ausstoß des Unternehmens zu senken. Also nicht nur guter Wille. Sobald der Handel von CO2-Zertifikaten weltweit eingeführt wird, hilft dieser Sonnenstrom, die Betriebskosten zu senken.
  • FTD.de, 16.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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