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  FTD-Serie: Maschinenbau - Erfinderisch durch die Krise

Ob Hybridantriebe für Schwertransporter, saubere Schiffsmotoren oder Maschinen, die mit thermischer Solarkraft arbeiten: Der deutsche Maschinenbau gilt weltweit als besonders innovativ. Die FTD-Reihe zeigt, mit welchen Innovationen die Branche neues Wachstum schaffen will und sich auf die Zukunft einstellt.

Merken   Drucken   20.10.2008, 10:22 Schriftgröße: AAA

Innovationen: Strom aus Kohle ohne CO2

Die weltweit erste Pilotanlage scheidet das Klimagas ab, bevor es unterirdisch deponiert wird. Ausgereift und energiesparend ist die Technik aber noch nicht. von Ralf Köpke
Der Auflauf von Prominenten war groß: Anfang September nahmen Schwedens Forschungsminister Lars Leijonborg, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Lars Josefsson, Chef des Energiekonzerns Vattenfall, in der Lausitz am Standort Schwarze Pumpe die weltweite erste Pilotanlage für ein Braunkohlekraftwerk mit Kohlendioxid (CO2)-Abscheidung offiziell in Betrieb.
Auch wenn die rund 70 Mio. Euro teure Anlage mit einer Leistung von 30 Megawatt in Jänschwalde derzeit nur Wärme produziert, setzt Vattenfall-Chef Josefsson große Hoffnungen in diese Technik: "Die Pilotanlage ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer annähernd emissionsfreien Kohleverstromung. Sie stellt erstmals den Übergang vom Labor in die Praxis dar, womit wir perspektivisch einen entscheidenden Beitrag zum globalen Klimaschutz leisten."
Josefssons euphorische Worte bedürfen der Klarstellung: Auch mit der neuen Kraftwerksgeneration wird es keinen emissionsfreien Kohlemeiler geben. Weiterhin entsteht bei dem Verbrennungsprozess das klimaschädliche Kohlendioxid, das zu über 90 Prozent aus dem Abgasstrom abgeschieden und danach unterirdisch deponiert werden soll - woraus Befürworter die CO2-Freiheit herleiten.
Mit CCS-Technik soll CO2 gelagert werden
Für ein solches Kraftwerk mit anschließender CO2-Lagerung hat sich in der Fachwelt die Abkürzung CCS durchgesetzt, was für Carbon Dioxide Capture and Storage steht. Auf dem Weg zum CCS-Kohlekraftwerk werden derzeit verschiedene Technologien erprobt. Diese Technik hat allerdings ihren Preis: Die CO2-Abscheidung im Kraftwerk führt physikalisch zu einer Absenkung des Wirkungsgrades von bis zu zwölf Prozentpunkten. Das heißt: Für jede Kilowattstunde muss mehr Brennstoff verfeuert werden, und zwar bis zu etwa 30 Prozent.
Am renommierten Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kennt Kraftwerksexperte Manfred Fischedick all diese Einwände gegen die CCS-Technik. Er bemerkt: "Indien, China, die USA und auch Australien setzen weiter verstärkt auf Kohlekraftwerke, weshalb es wichtig ist, bei dem immer drängenden Klimaproblem eine Alternative zur heutigen Technik zu haben." Die CCS-Technik kann nach Fischedicks Einschätzung ein Baustein für eine weltweite Klimaschutzstrategie werden: "Aber nicht allein, wir müssen auf alle Fälle die Energieeffizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien forcieren."
Die zwei Prozessstufen
CCS-Kohlekraftwerke setzen auf zwei Prozessstufen: Zuerst muss das Kohlendioxid abgeschieden werden. Anschließend müssen diese CO2-Mengen deponiert werden. Dafür bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Das Gas kann in Kohleflözen, in so genannten salinen Aquiferen oder ausgebeuteten Öl- und Gasfeldern gelagert werden. Von den Kraftwerken müssen die CO2-Mengen via Pipelines oder Schiffen zu ihren unterirdischen Lagerstätten transportiert werden.
Für die CO2-Abscheidung im Kraftwerk arbeiten Forscher an drei Verfahren, von denen heute noch nicht absehbar ist, welches zukünftig bevorzugt eingesetzt wird. Zu diesen Verfahren zählen die CO2-Abtrennung nach der Verbrennung (Post-Combustion), die Abtrennung vor der Verbrennung in Kohlekraftwerken mit integrierter Vergasung (Pre-Combustion) sowie das Oxyfuel-Verfahren, bei dem die Verbrennung von Kohle oder Gas anstatt mit Luft mit Sauerstoff erfolgt. Vattenfall hat sich bei seinem 30-MW-Pilotprojekt für das Oxyfuel-Verfahren entschieden, während der RWE-Konzern bei seinem ersten Vorhaben in Hürth bei Köln auf die integrierte Vergasung setzt.
  • FTD.de, 20.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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