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Merken   Drucken   04.11.2012, 19:05 Schriftgröße: AAA

Interesse aus Peking: Chinesen erhöhen Chancen für Desertec

Leitartikel Die Chinesen denken strategisch. Wenn einer der größten staatlichen Energiekonzerne beim Desertec-Konsortium anklopft, ist das kein Grund, unruhig zu werden. Noch nicht.

Sonnenstrom plus (vielleicht) viel, viel Geld plus chinesische Unternehmen - da rutschen einige im Land der Energiewende und der gescheiterten Solarindustrie ziemlich schnell ziemlich unruhig hin und her, wenn sie von dieser Dreierfigur hören.

Auch wenn Desertec, jenes noch relativ kopfgeburtige Konzept zur Erzeugung von Ökostrom in Nordafrika, sehr wenig mit den real existierenden Fehlentwicklungen der deutschen Energiepolitik verbindet. Und es immer noch ausgesprochen unklar ist, ob der Wüstenstrom tatsächlich jemals in bedeutsamem Maße zur Energieversorgung Europas beitragen wird. Die Angst bleibt: Wollen sich die Chinesen da schon mal in Position bringen, um möglichst nah an einen etwaig zu verteilenden Kuchen zu kommen?

Klar wollen sie das. Chancen erkennen, rechtzeitig einsteigen, Risiken eingehen - und im besten Fall dabei gewinnen. Das nennt man Marktwirtschaft. Wenn jetzt also mit der State Grid Corporation of China (SGCC) einer der größten chinesischen Konzerne beim Desertec-Konsortium anklopft, ist das vor allem eins: eine hilfreiche Interessenbekundung für ein Projekt, das immer noch mehr als unsicher ist. Und das durch den Siemens-Ausstieg klar geschwächt wurde.

SGCC könnte - falls das Unternehmen tatsächlich als Partner zu Desertec stößt - auch die finanzielle und industrielle Basis der Wüstenstromagenda stärken. Zusammen mit dem amerikanischen Fotovoltaikanbieter First Solar , der ähnliche Ambitionen hat. Die Realisierungschancen für Desertec steigen mit SGCC und First Solar auch deshalb, weil die internationale Sichtbarkeit des Projekts deutlich erhöht wird. Und vielleicht so noch andere Interessenten angelockt werden.

Das solarthermische Kraftwerksprojekt in Rio Mesa, Kalifornien   Das solarthermische Kraftwerksprojekt in Rio Mesa, Kalifornien

Bisher ist Desertec nämlich vor allem eins: eine schöne Idee. Für deren Verwirklichung werden noch viele Milliarden Euro nötig sein. Je weniger dabei aus öffentlichen Kassen kommt, desto besser.

Die Frage, ob denn China ähnlich offen für ausländische Unternehmen bei seinen eigenen Infrastrukturvorhaben ist wie die Europäische Union, darf gleichwohl gestellt werden. (Die Antwort ist bekannt: China ist es nicht.) Und je mehr öffentliche Mittel in die europäisch-nordafrikanischen Desertec-Gemeinschaftsprojekte fließen, desto genauer sollte darauf geachtet werden, dass das nicht zur Einbahnstraße wird: Europa finanziert, China kassiert.

Im gegenwärtigen Stadium von Desertec ist das aber weder eine auch nur ansatzweise ernst zu nehmende Gefahr noch ein Grund, SGCC die kalte Schulter zu zeigen.

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  • Aus der FTD vom 05.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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