Der Energiekonzern EnBW geht wieder komplett in deutschen Besitz. Der staatlich kontrollierte französische Versorger Electricite de France SA (EDF) verkauft seinen Anteil von 45 Prozent am drittgrößten deutschen Versorger für 4,67 Mrd. Euro an Baden-Württemberg. Das teilte die Staatskanzlei am Montag mit. Am Vormittag hätten das Kabinett sowie der Verwaltungsrat von EdF in Paris getagt, um die Transaktion zu besiegeln.
An der Börse sorgte das Geschäft für Partystimmung. Zeitweise stieg die EnBW-Aktie um 18,3 Prozent auf 41,40 Euro. Pro Papier zahlt das Land 41,50 Euro. Das ist deutlich mehr als die rund 36 Euro, für die EnBW-Titel kurz vor Veröffentlichung der Übernahme gehandelt wurden. Bei insgesamt rund 250 Millionen Anteilsscheinen wird der Karlsruher Konzern mit gut 10. Mrd. Euro bewertet.
Stuttgart hatte vor fast zehn Jahren für eine Milliardensumme einen 25,1-prozentigen EnBW-Anteil an die Franzosen verkauft. Bis zum Januar 2005 hatte EdF die Anteile in mehreren Schritten auf 45,01 Prozent erhöht.
Der Haushalt des Landes wird nach Angaben der Staatskanzlei durch das Geschäft nicht belastet. Finanziert werde es mit einer "Baden-Württemberg-Anleihe" und durch eine eigens vom Land gegründete Gesellschaft mit dem Namen Neckarpri. Die Zinskosten dieser Anleihe würden aller Voraussicht nach unter den Dividendenzahlungen von EnBW liegen. Aus dem Investment sei jedes Jahr ein Mehrwert zu erwarten, der der Landeskasse zu Gute komme.
Mittelfristig will Stuttgart einen erheblichen Teil der Aktien an die Börse bringen. Ob dies innerhalb von neun Monaten oder zweieinhalb Jahren erfolge, ließ Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) offen. Ziel sei, aus EnBW einen DAX-Konzern zu machen. In das operative Geschäft wolle man nicht eingreifen und strebe auch keinen Sitz im Aufsichtsrat an.
EDF wollte nach Angaben von Mappus seine Anteile an EnBW 2011 verkaufen. "In den nächsten Monaten hätte sich Unsicherheit breitgemacht. Doch so weit wollten wir es erst gar nicht kommen lassen", sagte der CDU-Politiker. Justizminister Ulrich Goll (FDP) fügte hinzu: "Es wäre schlicht und einfach dumm gewesen, die Gestaltungsmöglichkeit auszulassen."
Das Land bietet auch den anderen EnBW-Anteilseignern an, ihre Aktien für 41,50 Euro zu übernehmen. Neben EDF sind die von Kommunen getragenen Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) mit 45,01 Prozent größter Eigner. Ein Großteil der restlichen Anteile befindet sich ebenfalls in kommunaler Hand. Der Streubesitz lag Ende September bei gerade einmal knapp zwei Prozent. OEW wird weiterhin Kernaktionär bleiben und keine Aktien an das Land verkaufen.
Das Geschäft muss von den Kartellbehörden genehmigt werden. Mappus zeigte sich überzeugt, dass es kartellrechtlich keine Probleme geben werde. Innerhalb von vier Wochen soll Baden-Württemberg rechtlicher Eigentümer der Aktien sein. EnBW begrüßte die Übernahme. Als Gesellschafter sei das Land bestens bekannt, sagte Vorstandschef Hans-Peter Villis.
Teil 2: So ist EnBW aufgestellt