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Merken   Drucken   04.05.2012, 10:43 Schriftgröße: AAA

Kampf um den Automarkt: Ford fürchtet Überkapazitäten in Europa

Rund ein Fünftel der Kapazitäten im europäischen Autobau könnten überflüssig sein, schätzt die Branche. Im FTD-Gespräch warnt Ford-Deutschlandchef Mattes vor ruinösen Rabattschlachten und spricht über die hiesigen Werke des US-Konzerns, in denen bereits kurz gearbeitet wird.
© Bild: 2012 FTD/Bernd Arnold
Exklusiv Rund ein Fünftel der Kapazitäten im europäischen Autobau könnten überflüssig sein, schätzt die Branche. Im FTD-Gespräch warnt Ford-Deutschlandchef Mattes vor ruinösen Rabattschlachten und spricht über die hiesigen Werke des US-Konzerns, in denen bereits kurz gearbeitet wird.
von Stuttgart

Der US-Autobauer Ford  rechnet damit, dass sich der Konkurrenzkampf auf dem europäischen Markt weiter zuspitzt. Nach den Worten von Deutschland-Chef Bernhard Mattes nehmen die Überkapazitäten der Massenhersteller weiter zu und verleiten sie zu ruinösen Preisschlachten. "Die Situation verschärft sich", sagt er im Gespräch mit der FTD.

Der Appell des Managers befeuert die Debatte darüber, wie das Problem überschüssiger Produktionskapazitäten gelöst werden kann. Die EU-Kommission und der Branchenverband Acea sprechen über mögliche Hilfen. Eine Abwrackprämie wie 2009 gilt angesichts leerer öffentlicher Kassen aber als ausgeschlossen.

Der Autoabsatz bricht vor allem in Südeuropa dramatisch ein. Volumenhersteller wie Peugeot  oder Fiat  verkauften Anfang dieses Jahres ein Fünftel weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Sie sind von Märkten wie Italien und Spanien abhängig, denen die Staatsschuldenkrise erheblich zusetzt. Fiat-Chef Sergio Marchionne, der auch den Acea führt, setzt die Überkapazitäten in der europäischen Autobranche bei 20 Prozent an.

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Experten sind sich einig, dass es Werksschließungen geben muss. Gefährdet sind ein Peugeot-Werk nahe Paris sowie zwei Fabriken von Fiat. Auch das Opel-Werk in Bochum gilt als bedroht. Ford hatte bereits vor mehreren Jahren die Produktionskapazitäten in Europa verringert. Dennoch meldete der US-Konzern für sein Werk in Köln vergangene Woche Kurzarbeit an. "Wir werden nach den Werksferien im Sommer entscheiden, ob wir vereinzelt weitere Tage Kurzarbeit nehmen werden", so Mattes.

Neben Köln hat Ford in Saarlouis ein zweites wichtiges Werk in Deutschland. Doch nur ein kleiner Teil der Produktion ist für den heimischen Markt bestimmt. Mehr als 80 Prozent gehen in den Export. "Damit sind die beiden deutschen Standorte ganz klar vom europäischen Markt abhängig."

Dort kündigt sich weiterer Absatzschwund an. "Wir schätzen, dass der europäische Markt in diesem Jahr um 1,3 Millionen Fahrzeuge zurückgehen wird. Das sind rund 8,5 Prozent weniger als 2011", rechnet Mattes vor. Die Entwicklung werde sich auf die eigene Produktion auswirken. Im ersten Quartal ging der Absatz von Ford in Europa zurück. Dennoch will der Konzern seinen Anteil halten. Unumstrittener Marktführer ist Volkswagen.

Obwohl Ford in Europa Verluste schreibt, hat es der Hersteller insgesamt leichter als die europäischen Rivalen Peugeot, Fiat oder Renault. Ford setzt mehr Fahrzeuge ab und profitiert außerdem vom US-Mutterkonzern, der auf dem Heimatmarkt zurzeit Milliarden verdient.

Mit dem Geschäft in Deutschland ist Mattes trotz stagnierenden Wachstums zufrieden. Insgesamt verkaufte Ford hier vergangenes Jahr 259.000 Fahrzeuge - 39.000 mehr als 2010. Der Marktanteil stieg um 0,6 Punkte auf 7,4 Prozent. Die Schere zum Rivalen Opel habe sich 2011 verkleinert, so Mattes. "Im ersten Quartal dieses Jahres liegen wir vorn."

Die deutschen Kunden bleiben eine Herausforderung. "Deutschland ist ein gesättigter Markt mit großem Volumen und hoher Fahrzeugdichte." Signifikantes Wachstum sieht Mattes in den kommenden Jahren nicht. Wer zulegen will, muss mit der Konkurrenz um Marktanteile kämpfen.

Absatz von Ford-Modellen in Deutschland im März 2011   Absatz von Ford-Modellen in Deutschland im März 2011

Der deutsche und der europäische Markt sind aber auch ohne Wachstum in Bewegung. Denn Hersteller wie Hyundai  drängen auf den Kontinent und erobern zunehmend Anteile. Die Autos der Koreaner schneiden in Vergleichstests gut ab und sind obendrein günstig. Hyundai baut seine Fahrzeuge auf nur drei Plattformen auf, was die Kosten niedrig hält.

Die Koreaner profitieren laut Mattes allerdings auch von einem einseitigen Freihandelsabkommen zwischen ihrem Land und der EU, das seit Mitte vergangenen Jahres in Kraft ist. Sie erhielten auf diese Weise einen sehr guten Zugang zum europäischen Markt. Das schlage sich auch in den Zulassungszahlen nieder.

Kritiker des Vertrags, zu denen auch der deutsche Branchenverband VDA gehört, monieren das Ungleichgewicht der beiden Märkte. Durch den viel größeren europäischen Markt würden die Koreaner stärker vom Abkommen profitieren als umgekehrt. Außerdem hätten die Asiaten einen Passus ausgehandelt, der ihnen die Rückerstattung von Zöllen auf Autoteile gewährt.

 

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