Alleingang oder Joint Venture, Luxusgüter oder Billigprodukte, nur die Fertigung oder auch Forschung in China ansiedeln - um diese Fragen kreisen in vielen deutschen Unternehmen die strategischen Überlegungen. Doch auf der Hannover Messe warnen Industrievertreter schon jetzt davor, dem Land zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.
"Wir dürfen die anderen nicht vergessen", sagte am Montag der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel. China, in diesem Jahr Partnerland der Messe, sei 2012 zwar von Platz sieben auf Rang fünf der wichtigsten Abnehmer deutscher Exporte aufgerückt. Eine Stärke der deutschen Wirtschaft liege jedoch gerade in der großen Streuung der Märkte.
Während sich viele deutsche Manager noch über ihre China-Strategie den Kopf zerbrechen, wird der Kampf um die künftige Weltmarktposition nach Einschätzung von Brancheninsidern gar nicht dort entschieden, sondern vor allem in Schwellenländern außerhalb Chinas. Dort würden sich chinesische und deutsche Maschinenbauer künftig einen harten Wettbewerb liefern, heißt es etwa in einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman. "In den nächsten Jahren werden die chinesischen Maschinenbauer in Schwellenländern deutlich Weltmarktanteile gewinnen."
Auch Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Maschinenverbands VDMA, ermutigte am Montag die Unternehmen, ihre Asien-Strategie neu zu überdenken: "Insbesondere Südostasien wird im deutschen Maschinenbau immer noch unterschätzt." Es könne also durchaus eine Option sein, sich primär um andere asiatische Länder zu kümmern, um dort einen möglichst großen Marktanteil zu erobern - und langfristig zu verteidigen.
Im letzten Fünfjahresplan der Pekinger Zentralregierung habe der Außenhandel strategisch noch kaum eine Rolle gespielt, heißt es in der Studie weiter. Doch jetzt sei eine Wachstumsrate von knapp 13 Prozent jährlich vorgesehen. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich das Produktionsvolumen bis 2015 von 343 Mrd. Euro im Jahr 2009 auf 696 Mrd. Euro erhöhen. "Dieser Anstieg wird allerdings nur durch nachhaltige Exporterfolge chinesischer Maschinenbauer möglich sein."
Allein mit der Binnennachfrage könnten die Chinesen dieses Ziel nicht erreichen. "Insgesamt wird sich der Wettbewerb im Maschinenbau weltweit drastisch verschärfen", erwartet Thomas Kautzsch, Partner in der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Dabei sei zu erwarten, dass sich die chinesischen Unternehmen in Schwellenländern vor allem auf das mittlere Marktsegment konzentrierten.
Einige deutsche Maschinenbauer wie Festo, Phoenix Contact oder EBM-Papst haben das bereits erkannt. Sie produzieren in China mit dem Ziel, von dort aus auch die Nachbarländer zu bedienen. EBM-Papst-Chef Hans-Jochen Beilke geht noch einen Schritt weiter. Der Ventilatorenhersteller baut gerade ein Forschungszentrum in der Nähe von Schanghai. Zunächst sollen dort nur Produkte für China entstehen. Doch Beilke denkt voraus: "Ich schließe nicht aus, dass auch eines Tages Entwicklungen unserer chinesischen Standorte auf den deutschen Markt kommen."