Die Ratingagentur Fitch hat zum ersten Mal seit 18 Jahren die Staatsanleihen der Türkei nicht mehr als Ramsch bewertet. Gratulation - an die Türkei, vor allem aber an die Ratingagentur, die sich entschlossen hat, die Augen nicht mehr vor der ökonomischen Realität dieser regionalen Wirtschaftsmacht zu verschließen.
Und dann gab es noch diese andere Meldung, fast zeitgleich mit dem Rating-Upgrade für die Türkei: Da werden Gespräche zwischen Lufthansa und Turkish Airlines geführt über eine engere Kooperation, die sogar durch eine gegenseitige Kapitalverflechtung gestützt werden soll.
Der mögliche Airlinedeal ist die überraschendere, elektrisierendere und symbolträchtigere Nachricht, wird doch hier noch sehr viel deutlicher, wie fundamental sich die wirtschaftlichen Machtverhältnisse geändert haben. Noch vor ein paar Jahren waren Codesharing und Mitgliedschaft in der gemeinsamen Luftfahrtkooperation Star Alliance das Maximum, das die Lufthansa dem Partner am Bosporus zutraute. Und, ja, ein Joint Venture beim gemeinsamen Ferienflieger Sunexpress ging auch noch. Aber eine Überkreuzbeteiligung von Lufthansa und Turkish Airlines? Hirngespinste. Zu lange haftete Turkish Airlines das Etikett einer ineffizienten, unzuverlässigen Staatsairline an.
Mehr zu: Luftfahrtkonzern, Lufthansa, Turkish Airlines, Türkei
Jetzt aber findet eine der am meisten unterschätzten Fluggesellschaften aufmerksame Gesprächspartner bei der Kranich-Airline. Längst hat sich in der Branche herumgesprochen, dass Turkish Airlines seit einigen Jahren eine Erfolgsgeschichte ist. Eine, die sogar den aufstrebenden Golfairlines (und auch der Lufthansa) gefährlich werden könnte.
Für die Lufthansa sind die Kooperationsgespräche deshalb vor allem ein Eingeständnis: Ohne starken Partner in der Region würde sie über kurz oder lang im Kampf mit den Golfairlines unterliegen. Zuletzt stand sie in Europa ziemlich isoliert da, auch weil sich andere europäische Anbieter mit jenen von der Arabischen Halbinsel zu arrangieren beginnen, zuletzt etwa KLM-Air France mit Etihad Airways.
Sollte es tatsächlich zu einer vertieften Zusammenarbeit kommen, wäre das ein Befreiungsschlag für die Lufthansa: Mit Turkish Airlines hätte die Lufthansa eine gute Plattform für den Wettbewerb im Nahen und Mittleren Osten und im ferneren Asien - einem Wachstumsmarkt, auf dem bisher vor allem die Staatsairlines aus den Golfstaaten reüssieren. Die Lufthansa wäre zudem näher am riesigen Heimatmarkt der 75 Millionen Türken.
Turkish Airlines bekäme im Gegenzug Zugang zu einem der besten Streckennetze Europas sowie einen soliden Partner aus der ersten Liga der Weltairlines. Als Juniorpartner werden sich die Türken aber nicht mehr behandeln lassen.