Kopf des Tages:Ahmad bin Said Al Maktum - Dubais Weltverbesserer
Als Emirates-Gründer kannte der Scheich aus Dubai nur ein Motto: Wachstum. Jetzt wird er Chef von Dubai World - und muss den Skandalkonzern gesundschrumpfen.
von Claus HeckingBrüssel
und Jennifer LachmanHamburg
Am Anfang war der Scheck. "10000000 Dollar" stand auf dem Stück Papier, das der 26-jährige Ahmad Bin Said Al Maktum von seinem Neffen in die Hand gedrückt bekam. Mohammed, der Sohn des damaligen Emirs von Dubai, hatte Großes vor mit seinem neun Jahre jüngeren Onkel. "Gründe mir eine Fluggesellschaft", sagte er Ahmad. Und der legte los, leaste mit dem Geld zwei ausrangierte Jets aus Pakistan. Das war 1985: die Geburtsstunde von Emirates.
Ahmad bin Saeed al-Maktoum hat aus dem Nichts eine der profitabelsten Airlines der Welt aufgebaut. Jetzt soll er beim Skandalkonzern Dubai World aufräumen
25 Jahre lang hat Scheich Ahmad aus dem Nichts eine der profitabelsten, expansionsstärksten Airlines der Welt aufgebaut - die inzwischen sogar etablierte Fluglinien wie die Lufthansa beeindruckt. Jetzt hat Mohammed, mittlerweile selbst Herrscher von Dubai, einen neuen Auftrag für Onkel Ahmad. Der Mann mit dem Dreitagebart soll Dubai World aus dem Dreck ziehen: das heillos überschuldete Staatskonglomerat, das Dubai vor einem Jahr an den Rande des Bankrotts gebracht hat. Rund 25 Mrd. Dollar muss der Skandalkonzern seinen Gläubigern noch zahlen, im Portfolio schlummern Investitionsruinen wie die halbfertigen künstlichen Palmeninseln zwei und drei. Und so muss Scheich Ahmed nun seine Philosophie ändern: schrumpfen statt wachsen.
Bisher war die Strategie des 51-Jährigen denkbar einfach: Mehr, mehr, mehr. 90 A-380-Jets hat Emirates unter seiner Führung bei Airbus geordert, viermal so viel wie jeder andere Wettbewerber. Die Riesenflieger sollen Menschen aus aller Welt nach Dubai bringen, das einst so abgelegene Wüstennest zur wichtigsten Drehscheibe des globalen Flugverkehrs machen.
Es ist Ahmad Al Maktums Verdienst, dass die Staatslinie trotz des aggressiven Wachstums fast immer Profit gemacht hat. Schließlich ist er nicht nur Manager, sondern auch Chef von Dubais Luftfahrt- und der Verkehrsbehörde. Kaum verwunderlich also, dass die Gebühren am staatlichen Dubai International Airport nur einen Bruchteil so hoch sind wie in Europa, dass es kaum Nachtflugverbote gibt und gar keine Gewerkschaften. So lautet die oberste Maxime der "Dubai Inc.": Nicht einzelne Bereiche müssen Gewinn machen, sondern Dubai insgesamt. Klagen von Konkurrenten wie der Lufthansa über verzerrten Wettbewerb kontert Scheich Ahmad milde lächelnd: "Viele Menschen sind schlicht neidisch auf unseren Erfolg."
Schuldenabbau
Dubais großer Ausverkauf
Aus der Ruhe bringe den Chef so schnell nichts, verlautet aus dem Konzern. Vom Start an hat er westliche Manager wie den Briten Tim Clark frei agieren lassen. Ein "Superchef", sei Scheich Ahmed, und eine soziale Ader habe der Mann auch noch.
Niwin al-Gamal sieht das anders. Al Maktums langjährige geheime Geliebte wandte sich im Januar an Scotland Yard. Sie fürchte um ihr Leben, sagte die Ägypterin, weil ihr Sohn von Al Maktum stamme, dieser das Kind nicht wolle und sie verfolge. Angeblich soll ihr Ahmad nun Unterhalt in fünfstelliger Höhe zahlen.
Bei Dubai World muss Al Maktum mit anderen Summen jonglieren. Die Gläubiger fordern den Verkauf von Beteiligungen im Wert von 20 Mrd. Dollar. Dann aber wäre Dubai einige seiner wichtigsten letzten Devisenquellen los. Scheich Ahmad könnte für den Neuanfang einen weiteren Scheck seines Neffen gebrauchen. Mit drei zusätzlichen Nullen.
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