Toyota gerät von einer Rückrufkatastrophe in die nächste. Und was macht Akio Toyoda, der Vorstandschef des weltgrößten Autoherstellers? Der Gründerenkel schickt Untergebene vor. von Martin Kölling
Wenn in Japan ein Unternehmen patzt, dann lädt normalerweise der Vorstandschef flugs zu einer Pressekonferenz. Normalerweise. Toyotas Vorstandsvorsitzender Akio Toyoda dagegen macht dieser Tage von dem Ritual eine Ausnahme. Obwohl eine Qualitätskrise dem weltweit größten Autohersteller massiv zusetzt, scheut er die Öffentlichkeit. Erst als ihn ein japanisches Fernsehteam vorige Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stellte, rang er sich zu einer kurzen Entschuldigung durch. Und tauchte wieder ab.
Akio Toyoda, Präsident der Toyota Motor Corporation
Nachdem nun auch Bremsmängel beim populären Hybridmodell Prius bekannt werden und der Qualitätsnimbus Toyotas sich in Luft aufzulösen scheint, hat die Regierung das Unternehmen aufgefordert zu handeln. Eine entsprechende Marschrichtung könnte Toyoda heute öffentlich skizzieren - wenn er die Bilanz des dritten Quartals vorstellt.
Statt selbst die öffentliche Bühne zu suchen, hat Toyoda bislang nur Untergebene vorgeschickt. Am Montag stand US-Chef Jim Lentz vor der Presse, gefolgt am Dienstag von Vizepräsident Shinichi Sasaki. "Was für eine verschenkte Chance", wettert ein angesehener amerikanischer Journalist in Japan.
Toyoda hätte persönlich gleich zu Beginn des Gaspedalrückrufs in den USA den Verkaufs- und Produktionsstopp ankündigen sollen. Und hinzufügen sollen, dass dem Konzern die Sicherheit der Kunden über alles gehe, auch die Gewinne, und dass natürlich die Mitarbeiter nichts zu befürchten hätten. "Nun, dagegen erscheint Toyoda als 'yowamushi'." So heißt Weichei auf Japanisch.
Toyodas Versteckspiel überrascht, denn eigentlich schien er im Juni 2009 bei seinem Amtsantritt mental bestens für alle möglichen Katastrophen präpariert zu sein. Als Enkel des Firmengründers kennt er den Konzern in allen Verästelungen. Zudem kam er nicht durch Familienbonus ins Amt, sondern durch seinen Leistungsausweis.
Unermüdlich hielt der Jurist und ehemalige Unternehmensberater zudem den Japanern vor, dass sich der Konzern in der tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg befinde. Das Unternehmen erwartet für 2009 einen Reinverlust von umgerechnet 1,6 Mrd. Euro.
Im Oktober 2009, eine Woche nach einem ersten Rückruf von Millionen Fahrzeugen in den USA, zeigte der 53-Jährige sogar prophetische Gabe. Der Konzern sei nur noch einen Schritt vom endgültigen Niedergang entfernt, warnte er.
Toyota befinde sich auf der vierten von fünf Stufen des Niedergangs, die der amerikanische Managementguru Jim Collins im selben Jahr definiert hatte. Entweder folge die Rettung durch eine Politik der ruhigen Hand oder das Absinken in Bedeutungslosigkeit oder Tod, referierte Toyoda.
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