Kopf des Tages:Boeing-Chef McNerney - Jack Welchs Zögling
James McNerney gibt gern den Vorkämpfer gegen Protektionismus. Über den möglichen Jahrhundertauftrag der US-Regierung für neue Tankflugzeuge freut sich der wenig zimperliche Boeing-Chef trotzdem. von Felix Wadewitz
Als James McNerney vor gut zwei Wochen mit anderen ausgewählten Spitzenmanagern bei Barack Obama im Weißen Haus dinierte, ahnte der Boeing-Boss wohl noch nichts von seinem heutigen Glück. Dabei gab es schon länger Mutmaßungen, der 60-Jährige persönlich habe sich in Washington für den milliardenschweren Auftrag zur Produktion einer neuen Tankflugzeugflotte für die US Air Force starkgemacht.
Boeing-Chef Jim McNerney
Nur wenige Tage zuvor hatte sich McNerney mal wieder mit einem seiner Lieblingsthemen in die Schlagzeilen gedrängt: Die USA müssten endlich den Freihandel vorantreiben und Protektionismus abbauen, forderte McNerney in einer Rede an seiner alten Universität in Chicago. Er wolle sich der internationalen Konkurrenz wacker stellen, so der ehemalige Vorsitzende des Amerikanisch-Chinesischen Wirtschaftsausschusses. Unternehmen und Regierung sollten zusammenarbeiten, um die USA weltweit wettbewerbsfähig zu halten.
Seit Dienstag erscheinen die unter anderen Umständen harmlosen Worthülsen in einem ganz neuen Licht - sie dürften in Europa Gift-und-Galle-Spuckreize auslösen. Denn nach dem Rückzug des EADS-Partners Northrop Grumman fällt McNerney das 35-Mrd.-$-Geschäft wohl kampflos in den Schoß. Dabei hatte das Konsortium den Auftrag vor zwei Jahren eigentlich schon an Land gezogen. Das Konsortium sei bei der neuen Ausschreibung über den Tisch gezogen worden, schimpfen nun die Kritiker.
Der als "Jahrhundertauftrag" gepriesene Tankerauftrag kommt für McNerney genau zur rechten Zeit und stärkt Boeing für den langen Weg zurück nach oben. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005 musste sich der Vorstandschef mit technischen Sorgenkindern wie dem neuen Langstreckenflugzeug 787 und dem Jumbo-Nachfolger herumschlagen und Konflikte mit der Belegschaft austragen, die in heftigen Streiks gipfelten.
Zuletzt aber kehrte der Konzern in die Gewinnzone zurück und verbuchte sogar einen Rekordumsatz. Die Produktion von 2010 sei trotz Wirtschaftskrise bereits ausverkauft, heißt es. Genau um diese Trendwende zu schaffen, wurde der ehemalige McKinsey-Mann vor fünf Jahren zu Boeing geholt.
Um erfolgreich zu sein, ist McNerney wenig zimperlich, wirft selbst Fachkräfte reihenweise hinaus. Ende der 90er-Jahre galt er als möglicher Nachfolger des legendären Jack Welch an der Spitze von General Electric, wo er sich fast zwei Jahrzehnte lang bilderbuchmäßig nach oben gearbeitet hatte. Als dort der Sprung an die Spitze nicht klappte, ließ er sich von dem angeschlagenen Technologiekonzern 3M abwerben. Dort gelang ihm als Vorstandschef in zwei Jahren die Wende. So empfahl er sich für die Aufgabe, den kriselnden Flugzeugbauer auf Vordermann zu bringen.
Der "Manager des Jahres 2008" hat ganz klassisch in Yale und Harvard studiert, ist verheiratet und hat fünf Kinder. Als seine Hobbys gibt er die für einen US-Spitzenmanager am wenigsten originellen Sportarten an: Golf und Segeln.
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