Kopf des Tages:Karl-Ludwig Kley, der unaufgeregte Anführer
Bei der Lufthansa misslang ihm der Aufstieg auf den Chefposten. Dafür darf Kley seit knapp drei Jahren den Merck-Konzern führen. Das Pharma- und Chemieunternehmen baut er durch eine Übernahme kräftig um.
von Gregor Kessler
Es wird ein lautes Gackern gewesen sein, das da am Montag über Darmstadt ertönte. Schließlich hatte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley doch erst vergangene Woche versprochen: "Wir gackern erst, wenn die Eier gelegt sind." Und ein so großes Ei hat der im Dax gelistete Pharmakonzern schon seit Jahren nicht mehr gelegt. Für umgerechnet 5,3 Mrd. Euro übernehmen die Deutschen das amerikanische Biotechunternehmen Millipore. Es müssen nur noch die Millipore-Aktionäre zustimmen.
Merck-Chef Karl-Ludwig Kley
Es ist eine klassische Kley-Nachricht. Sie kombiniert alles, wofür der 58-Jährige steht. "Unaufgeregt" beschreiben viele Bekannte den promovierten Juristen. Und so wirkt die Ankündigung dann auch beruhigend auf die Merck-Aktionäre. Die hatte Kley zuletzt durch Dividendenkürzungen aufgeschreckt. Am Montag aber stieg der Wert der Aktie um 2,9 Prozent.
Gleichzeitig beweist Kley damit erneut sein Geschick beim Einfädeln großer Übernahmen. Damit hat er sich einen Namen gemacht. Schon damals, als er noch die Finanzen der Lufthansa kontrollierte und einen Deal nach dem anderen arrangierte: Ausstieg DHL, Einstieg Fraport und - die Krönung - Übernahme Swiss.
Ganz nach oben hat ihn seine gute Arbeit im Vorstand von Deutschlands größter Fluggesellschaft nicht gebracht. 2003, da war Kley schon fünf Jahre Finanzchef, machte Wolfgang Mayrhuber das Rennen. Ein Finanzchef werde bei der Lufthansa eben nicht Vorstandsvorsitzender, das sei schon damals klar gewesen, sagt eine damalige Kollegin von Kley. Der schaute sich das noch ein paar Jahre an, doch als Mayrhubers Vertrag 2005 um weitere fünf Jahre verlängert wurde, begann Kley, sich nach einem neuen Job umzusehen.
Kley stammt aus einer Unternehmerfamilie. Vater Gisbert war zehn Jahre Personalvorstand bei Siemens. Sein älterer Bruder Max Dietrich gehörte früher dem BASF-Vorstand an und schied erst gerade aus dem Infineon-Aufsichtsrat aus. Kein Wunder also, dass auch Karl-Ludwig Kley einmal hinter dem Steuerrad sitzen will.
Bei Merck gelingt ihm das im April 2007. In das oberste Gremium kommt er schon im September 2006. Für Mercks Großeigner ist er da alles andere als ein Unbekannter. Schon 2004 kam er in den Gesellschafterrat der E. Merck KG, das Kontrollgremium, in dem die Familie Merck ihre 70 Prozent am Unternehmen gebündelt hat. Auch die Pharmabranche ist ihm nicht ganz fremd. Bevor Kley zur Lufthansa kam, hatte er lange für den Merck-Konkurrenten Bayer gearbeitet. Auch hier war er für die Finanzen zuständig.
Auch wenn sich Kley beruflich gern mit Zahlen beschäftigt, privat begeistert ihn eher das gedruckte Wort. Kley ist leidenschaftlicher Leser. Auch Geschäftsreisen werden für Antiquariatsabstecher genutzt, die wiederum die umfangreiche heimische Bibliothek weiter wachsen lassen. Durch die Millipore-Übernahme wird er jetzt öfter in amerikanischen Buchhandlungen stöbern können. Gregor Kessler
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