Kopf des Tages:Wladimir Antonow - Der ungeliebte Retter
Endlich darf er ran: Der russische Investor darf bei dem schwer angeschlagenen Autobauer Saab investieren. Die schwedischen Behörden trauten dem Russen lange Zeit nicht über den Weg - doch nun knicken sie ein.
von Margret HuckoHamburg und Verena Diethelm, Moskau
Ein bisschen nervös sei er, gesteht der Mann mit der dunklen Sonnenbrille und der Baseballkappe: "Ich habe noch nie an einem Rennen mit so einem Auto teilgenommen." Wladimir Antonow lehnt an einem historischen Saab 99 - einem Replikat, also einem Nachbau, keinem Original. Es ist Juni 2010, in wenigen Stunden startet Antonow bei der Mittsommer-Rallye in Schweden. Was er denn sonst so zu solchen Gelegenheiten fahre, fragt die schwedische Reporterin. "Nur Ferrari", antwortet Antonow und schiebt noch ein "oder Porsche" hinterher. Was verbindet ihn mit Saab? "Es war mein erstes Auto."
Investor Wladimir Antonow
Auch wenn der millionenschwere Russe damals die Wahrheit gesagt hat - Antonow besitzt ein Glaubwürdigkeitsproblem. In den vergangenen Monaten war das der Grund, weshalb ihm die schwedischen Behörden und General Motors den Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Saab verweigerten. GM hatte sich zwar 2010 von Saab getrennt, hält aber immer noch Anteile an den Schweden. Neue Mutter der früheren Architekten- und Apotheker-Marke ist der niederländische Sportwagenbauer Spyker. Aber auch der ist nicht in der Lage, offene Zulieferer-Rechnungen zu begleichen. Seit drei Wochen stehen bei Saab die Bänder still. Mit jedem Tag rückte das endgültige Aus für den Autobauer ein Stück näher. Mit jedem Tag mehr konzentrierten sich die Hoffnungen der 3700 Beschäftigten auf einen: Antonow.
Der 35-Jährige, der in London lebt, ist steinreich. 2007 wurde sein Vermögen auf 300 Mio. Dollar geschätzt - damit rangierte er unter den Top 200 in Russland. Woher der Wohlstand kommt, gibt jedoch Rätsel auf. Im Zusammenhang mit seinem angestrebten Einstieg bei Saab fand die schwedische Sicherheitspolizei Säpo Verbindungen zu Mafiakreisen, außerdem beschuldigte sie Antonow der Geldwäsche.
Der Millionär wehrte sich gegen die Vorwürfe: "Natürlich bin ich nicht in kriminelle Aktivitäten verwickelt", sagte er. Nun zerstreuten sich plötzlich die Zweifel der zuständigen Behörden. Zwei unabhängige Gutachten entlasten den Autofan: "Wir haben keinen Grund gefunden, weshalb Herr Antonow kein Anteilseigner bei Saab werden kann", hieß es am Donnerstag. Antonow will für 30 Mio. Euro 29,9 Prozent an Saab erwerben.
Zudem plant Saab, seine Gebäude an Antonow zu verkaufen und diese zurückzumieten. Schnelles Geld winkt - so die Hoffnung. Nur noch die Zustimmung der Europäischen Investitionsbank steht aus. Diese hatte Saab 217 Mio. Euro für neue Modelle geliehen.
Antonow ist studierter BWLer. Sein Vater Alexander arbeitete für das sowjetische Atomprogramm. Wladimir wollte ursprünglich in seine Fußstapfen treten und begann 1992 ein Ingenieursstudium in Moskau. Dann sattelte er um. Mit seinem ersten Vermögen, das Antonow Ende der 90er als Chefökonom der Lefko-Bank machte, erstand der damals 24-Jährige die bankrotte Akademhimbank. Diese diente ihm als Grundstein für sein Firmenimperium. Gemeinsam mit seinem Vater besitzt Antonow nun mehrere Banken - darunter die Snoras Bank in Litauen, eine Bank auf den Antillen und ein Institut in Panama.
Als Vater Antonow vor zwei Jahren nur knapp einem Mordanschlag in Moskau entging, vermuteten die russischen Behörden einen Zusammenhang mit den dubiosen Geschäften des Sohns. Sieben Kugeln, die Attentäter wurden nie gefasst.
Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.
Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?
Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …
45 Schritte in die SelbstständigkeitNur wer gut vorbereitet ist, schafft einen erfolgreichen Unternehmensstart. Dieser Gründerfahrplan hilft, die größten Hinder- nisse auf dem Weg in die Selbstständig- keit schnell und sicher zu überwinden. mehr
FinanzierungSie sind an einer Gründungsfinanzierung interessiert? Oder möchten für Ihren Betrieb Fahrzeuge erwerben? Hier finden Existenzgründer und Unternehmer viele Wege zur passenden Finanzierung. mehr
SteuerrechnerEinkommen, Umsatz oder Abfindung: Wie viel bleibt am Ende übrig? Ermitteln Sie Ihre Steuerlast mit den Rechnern von impulse.de und steuerberaten.de. Von Gewerbe bis hin zu Erbschaftsteuer. mehr
Firmenwert ermittelnÜber- oder unterschätzt? Wie viel Sie erwarten können, wenn Sie Ihre Firma verkaufen, zeigt der Firmenwertrechner von impulse.de und Klein & Coll. - einfach und schnell durch die Eingabe weniger Zahlen. mehr
Verträge und VorlagenSie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr
"Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr
Das Gerede von der Abwanderung europäischer Unternehmen an billigere Standorte ist alles andere als neu. Aber wirklich gegangen ist kaum jemand. Denn China ist als Absatzmarkt viel zu wichtig. mehr
Eine Einheitskasse führt nicht zu mehr Gerechtigkeit, sondern zur Zweiklassenmedizin. Statt das duale Gesundheitssystem durch eine Bürgerversicherung zu ersetzen, sollten Menschen mit stabilem Einkommen verpflichtet werden, eine Rücklage für ihre medizinischen Kosten im Alter bilden. mehr
Das Stahlwerkefiasko in Amerika zeigt: Bei ThyssenKrupp versagen die Kontrollinstanzen. Das gilt sowohl für den Aufsichtsrat als auch für die Krupp-Stiftung. mehr
Die internationale Vereinigung der Versicherungsaufseher hat ein Papier mit Vorschlägen zur Definition systemrelevanter Versicherer vorgelegt. Eine erste Liste möglicher systemisch bedeutender Gesellschaften soll bis Juni 2013 vorliegen. mehr
Auf der letzten Hauptversammlung der Deutschen Bank unter Josef Ackermann sorgen Protestgruppen für Gestank. Der Rest der Anwesenden huldigt dem scheidenden Chef. Für Clemens Börsig dagegen gibts zum Abschied verbales Feuer. mehr
Es ist eine denkwürdige Medienkombi aus RTL und "Zeit", mit der Günter Wallraff mal wieder schwere Missstände aufdeckt. Der fast 70-Jährige muss beim Paketdienst GLS schuften bis zum Umfallen - zu lächerlichen Konditionen. mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!