Korruptionsaffäre:Von Pierers Posten bei Thyssen wackelt
Der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer verliert möglicherweise einen weiteren Aufsichtsratsposten. Wie das "Manager Magazin" in seiner neuesten Ausgabe berichtet, will von Pierer sein Mandat im Kontrollgremium des Industriegüterkonzerns ThyssenKrupp niederlegen. von Kirsten Bialdiga (Düsseldorf) und Angela Maier (München)
Damit beuge sich der 67-Jährige dem zunehmenden Druck infolge der Siemens-Korruptionsaffäre. In von Pierers Umfeld traf die Ankündigung allerdings auf Verwunderung. Ihn habe die Rücktrittsmeldung aus heiterem Himmel getroffen, hieß es. ThyssenKrupp wollte den Vorgang nicht kommentieren. Im Mai hatte ein Thyssen-Krupp-Sprecher noch gesagt, "die Frage eines Rückzugs stellt sich nicht. Von Pierer ist bis 2010 gewählt."
Vorsitzender des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats ist Gerhard Cromme, der zugleich Chefaufseher bei Siemens ist. Das Verhältnis zwischen Cromme und von Pierer gilt als zerrüttet. Kürzlich hatte der Siemens-Aufsichtsrat mit Cromme an der Spitze beschlossen, dass gegen von Pierer und zehn weitere frühere Vorstände von Siemens Schadensersatzklagen eingereicht werden sollen. Begründet wurden die Ansprüche damit, die Vorstände hätten angesichts der im Konzern weitverbreiteten Bestechungspraktiken ihre "Organisations- und Aufsichtspflichten" verletzt.
Im Frühjahr hatte von Pierer bereits die Kontrollgremien von Volkswagen und der Deutschen Bank verlassen. Bei der Deutschen Bank standen allerdings im Gegensatz zu ThyssenKrupp Neuwahlen an. Dagegen hält er noch Mandate bei der Münchener Rück und bei Hochtief. Eine Sprecherin des Rückversicherers bekräftigte: "Für uns steht seine persönliche Integrität außer Zweifel." Bei dem Rückversicherer läuft von Pierers Amtszeit noch bis 2009.
Von Pierers Rolle in der weitverzweigten Schmiergeldaffäre von Siemens ist weiterhin undurchsichtig. Bislang reichten der Staatsanwaltschaft die Indizien nicht zur Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens. Die Ankläger haben aber im Frühjahr gegen von Pierer und andere Ex-Vorstände und -Aufsichtsräte ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht gestartet.
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