Der Düsseldorfer Henkel-Konzern stellt sich beim geplanten Wechsel von Kosmetikmanagerin Tina Müller zum Rivalen Beiersdorf quer. Nach FTD-Informationen pocht der Henkel-Vorstand bisher auf eine Wettbewerbsklausel im Arbeitsvertrag, wonach Müller für über ein Jahr nicht zur Konkurrenz wechseln darf.
Die 43-Jährige habe daher bisher nur eine mündliche Absprache mit Beiersdorf treffen können. Demzufolge soll Müller bei Beiersdorf die Verantwortung für die Marke Nivea übernehmen - mit Aussicht auf den Sprung in den Vorstand. Ein Henkel-Sprecher bestätigte am Donnerstag, dass Müller den Konzern auf eigenen Wunsch verlassen habe. Zu den Vertragsdetails wollte er sich nicht äußern. Beiersdorf wollte die Informationen nicht kommentieren. Bei Henkel war Müller eine der bekanntesten Managerinnen und in der Kosmetiksparte zuletzt zuständig für Süd- und Westeuropa.
Der Streit zeigt, mit welch harten Bandagen mittlerweile in wettbewerbsintensiven Branchen um Topmanager gekämpft wird. So gelten Wettbewerbsverbote laut Personalberatern in der Regel nur sechs bis zwölf Monate. Die Klauseln sind zudem für den Arbeitgeber nicht billig: Besteht das Unternehmen auf so einer Sperrzeit, muss es dafür hohe Kompensationen leisten und den abtrünnigen Mitarbeiter entsprechend weiterbezahlen - inklusive Boni, die voraussichtlich angestanden hätten. Nicht selten setzen Arbeitgeber sogar Privatdetektive ein, um zu überprüfen, ob ein Manager in der Karenzzeit schon für die Konkurrenz tätig ist.
Für die Unternehmen geht es um viel: Eine Managerin wie Müller verfügt über eine Menge sensibler Informationen, etwa das Wissen über sämtliche Werbepläne, Vertriebskonzepte oder Kostenkalkulationen der nächsten Monate. Nachdem sie von ihren Wechselabsichten berichtet hatte, sei die Managerin von Henkel denn auch umgehend freigestellt worden, hieß es weiter.
Für Henkel-Chef Kasper Rorsted sind die Abwanderungen nach Hamburg besonders ärgerlich. Binnen wenigen Monaten zieht es bereits die zweite Führungskraft zum Konkurrenten Beiersdorf. Anfang Mai übernahm Henkels Asien-Chef Patrick Kaminski die gleiche Position beim Rivalen. Dieser Übergang gestaltete sich noch reibungslos - nach FTD-Informationen hatte Kaminski kein Wettbewerbsverbot in seinem Arbeitsvertrag stehen.
Müller galt in Branchenkreisen schon seit Längerem als wechselwillig. Die studierte Betriebs- und Volkswirtin ist seit 16 Jahren bei Henkel. Ihr ist es unter anderem gelungen, die Marke Schwarzkopf von ihrem verstaubten Image zu befreien und mit 1,7 Mrd. Euro Umsatz zu den Marktführern in dem Segment aufzuschließen. Zudem gelang ihr in dem Bereich mit der Shampoomarke Syoss eine der erfolgreichsten Neueinführungen. Müller soll sich Hoffnungen auf einen Vorstandsposten gemacht haben. Im Februar bekam allerdings Kosmetikvorstand Hans van Bylen eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre. Und auf den Waschmittel-Vorstandsposten setzte der Aufsichtsrat Bruno Piacenza - ausgerechnet einen Kollegen aus der Kosmetiksparte.
Müllers Nachfolger bei Henkel wird Jens-Martin Schwärzler, 48, bestätigte ein Sprecher.