TUI führte einen Zuschlag von 10 Euro bei Hapag-Lloyd-Flügen ein, AirBerlin erhöhte um 2 Euro auf 10 Euro. Damit stehen Flug- und Touristikgesellschaften nicht alleine. In weiten Teilen der deutschen Industrie versuchen Unternehmen derzeit, die dramatisch gestiegenen Kosten für Öl und andere Rohstoffe an die Kunden weiterzugeben. Mit mäßigem Erfolg, denn teilweise lassen sich die höheren Preise einfach nicht durchsetzen. Oft bleibt als Alternative nur, die Kosten durch neue Kürzungen zu Lasten anderer auszugleichen.
Bis vor kurzem konnten Unternehmer noch darauf zählen, dass Rohstoffe im Trend immer billiger wurden. Die Zeiten sind vorbei. Seit 1999 hat sich der Ölpreis verfünffacht, andere Rohstoffe schnellten ebenso hoch - ein Phänomen, das gerade ölabhängige Branchen wie Chemie, Luftfahrt und Autoindustrie trifft.
Wie schwer es fällt, höhere Kosten weiterzugeben, lässt sich an der Inflation ablesen. Während der Ölpreis stieg, blieb die Teuerung für Endverbraucher unter zwei Prozent. In den 70er Jahren führten Ölschocks noch zu zweistelligen Inflationsraten.
Firmen wälzen Kosten ab
Die Folge ist, dass Firmen untereinander versuchen, die Kosten abzuwälzen. So gaben Chemiekonzerne wie BASF in den vergangenen Monaten Preiserhöhungen für viele Produkte bekannt. "Im zweiten Halbjahr und zu Beginn dieses Jahres ist es gelungen, von den Kunden einen Beitrag zu den Rohstoffkosten zu bekommen", sagt BASF-Vorstandsmitglied John Feldmann der FTD. Allerdings werde man "das Rad nun nicht überdrehen", zumindest dort nicht, wo das Unternehmen "inzwischen wieder einigermaßen normale Margen" erziele, so Feldmann.
Durch die Preiserhöhungen leiden indes die Gewinnmargen der Chemiekunden. Denn diese können die Teuerung nur bedingt weitergeben. "Wir haben durch die Preiserhöhungen sehr viele neue Belastungen erhalten", sagt Klaus Knörr, Leiter Materialwirtschaft bei Adidas-Salomon. Adidas entwickelt zusammen mit BASF Spezialkunststoffe für Laufschuhe. "Wir versuchen, die Preissteigerungen weiterzugeben", so Knörr. Das gelinge aber nur zum Teil.
Bei vielen Zulieferern herrscht mittlerweile gereizte Stimmung. "Jeder in der Wertschöpfungskette, vom Erzeuger bis zum Endverbraucher, muss seinen Beitrag leisten", sagt Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Er appelliert an seine Kunden in der Autobranche, sich an den gestiegenen Preisen für Rohöl und Stahl zu beteiligen. Auch die Autofahrer sind gemeint.
Preisgünstige Kleinwagen stark gefragt
Bislang blieben die gestiegenen Kosten bei den Autoherstellern und -zulieferern hängen. Das schmälert die Gewinne. Hinzu kommt der Wunsch vieler Kunden nach kleineren Fahrzeuge, die nicht so viel Sprit verbrauchen. Die Nachfrage nach Kleinwagen unter 10.000 Euro wächst in Deutschland derzeit am stärksten. Für die deutschen Konzerne ist das ein Problem. Denn sie sind bei Kleinwagen längst nicht so stark wie in den oberen Klassen.
Wie schwer es ist, höhere Kosten abzuwälzen, spüren selbst die Fluggesellschaften. "Im Einzelplatzverkauf decken die Zuschläge gerade die Kosten", heißt es bei AirBerlin. Normalerweise versuchen Fluggesellschaften, durch Termingeschäfte die höheren Spritkosten abzufedern. Lufthansa sparte dadurch im letzten Jahr 232 Mio. Euro. Nur helfen solche Strategien irgendwann nicht mehr, wenn die Preise weiter steigen.
Um die Kosten zu senken, will etwa Lufthansa auch auf Flugzeuge setzen, die weniger verbrauchen. Der Airbus A340/600 benötigt nur 4,1 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Flugkilometer, der A380 nur 3,3 Liter. "Der erste Schritt zum Drei-Liter-Flugzeug", heißt es bei Lufthansa. Druck macht der Konzern zudem auf die Flughäfen, die mit einer verbesserten Infrastruktur angeblich helfen könnten, "so viel Kerosin zu sparen, dass täglich elf weitere Flüge von Frankfurt nach New York möglich wären".
Die Strategie ist symptomatisch. Jeder versucht, die Last auf andere abzuwälzen. Und noch ist nicht absehbar, wie lange der Schock nachwirkt. "Die Auswirkungen auf die Konjunktur schlagen als Multiplikator auf die Wirtschaft zurück", sagt Wolfgang Mülkens vom Bundesverband der Deutschen Industrie.