Zwischen den französischen Luxusgüterkonzernen LVMH und Hermès herrscht offener Krieg. Der Pariser Lederwarenhersteller Hermès bestätigte am Dienstag einen Medienbericht, dem zufolge er den Weltmarktführer LVMH angezeigt hat. Justizkreisen zufolge wirft das Familienunternehmen dem Erzrivalen vor, Insiderwissen und Kursmanipulationen zum heimlichen Aufkauf von Firmenanteilen genutzt zu haben.
LVMH startete umgehend einen Gegenangriff: Der Konzern, zu dem Nobelmarken wie Louis Vuitton oder Dior gehören, kündigte umgehend an, seinerseits gegen Hermès vorgehen zu wollen - wegen "Erpressung, Verleumdung und unfairem Wettbewerb".
Damit flammt ein spektakulärer Streit wieder auf, der seit Monaten fast beigelegt schien. Hintergrund ist der Kauf von Hermès-Anteilen im Herbst 2010, den LVMH so lange unerkannt über Finanzvehikel betrieben hatte, bis der Konzern des Multimilliardärs Bernard Arnault 17 Prozent der Aktien besaß. Später stockte er auf 22 Prozent auf. Der Hermès-Familienclan sieht darin den Beginn eines feindlichen Übernahmeversuchs und hat seine Anteile seitdem weitgehend in einer Holding gebündelt, um weitere Anteilskäufe durch LVMH zu verhindern.
LVMH dagegen erklärt stets friedliche Absichten: Das Luxuskonglomerat wolle nur am außergewöhnlichen Erfolg von Hermès teilhaben, heißt es. Beide Unternehmen spüren die weltweite Konjunkturkrise kaum. Die Pariser Finanzmarktaufsicht AMF ermittelt seit November 2010 in dem Fall.
Hermès hat die Klage gegen LVMH bereits am 10. Juli eingereicht, sie wurde aber erst am Dienstag bekannt. LVMH wirft dem Konkurrenten darin vor, mittels der Anzeige die Arbeit der Börsenaufsicht selbst übernehmen zu wollen. Die Anschuldigungen von Hermès seien "schwerwiegend und entbehren jeder Grundlage", wettert LVMH. Der Konzern sieht darin Verleumdung, "die keinen anderen Zweck haben kann, als einen Wettbewerber auf unlautere Weise zu treffen".
Die Pariser Finanzmarktaufsicht wollte sich nicht zum Stand ihrer Ermittlungen nicht äußern. Den Aktienkursen beider Unternehmen tut der Streit nicht gut: Sie regaierten am Dienstag mit Abschlägen: Hermès schloss ein Prozent niedriger bei 228 Euro, die LVHM-Aktie verbilligte sich 1,7 Prozent auf knapp 128 Euro.