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Merken   Drucken   10.09.2010, 10:09 Schriftgröße: AAA

Krisensitzung: Verkauf von ThyssenKrupps griechischer Werft auf der Kippe

Die Verhandlungen über einen Verkauf der ThyssenKrupp-Werft Hellenic Shipyards (HSY) an den arabischen Schiffbauer Abu Dhabi Mar stehen Spitz auf Knopf. Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht dem Schiffbauer die Insolvenz. Auch ThyssenKrupp hat viel zu verlieren. von Kirsten Bialdiga  Düsseldorf
Wie aus informierten Kreisen verlautete, fanden Donnerstagnacht entscheidende Gespräche zwischen hochrangigen griechischen Regierungsvertretern statt, um ein Scheitern des Deals in letzter Minute abzuwenden.
ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz will nicht nachverhandeln   ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz will nicht nachverhandeln
Eine ThyssenKrupp-Sprecherin bestätigte am Freitag, zwar seien die Verträge von dem arabischen Interessenten, ThyssenKrupp und der griechischen Regierung paraphiert worden. Doch fordere die griechische Marine nun Nachverhandlungen. ThyssenKrupp lehne dies aber ab.
Dabei schien nach FTD-Informationen noch am Dienstag eine Einigung zum Greifen nahe, nachdem die griechische Regierung kurz zuvor einen 25.000 Seiten starken Vertrag paraphiert hatte. Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen zwischen ThyssenKrupp-Managern, Vertretern der griechischen Regierung und des Kaufinteressenten Abu Dhabi Mar. Die beteiligten Parteien wollten sich dazu am Donnerstag nicht äußern.
Neue Forderungen der Griechen
Für alle drei steht einiges auf dem Spiel: ThyssenKrupp  könnte im Falle einer Einigung noch in diesem Geschäftsjahr, das am 30. September endet, zusätzliche Erträge verbuchen. Der Konzern hatte Forderungen gegen Griechenland in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe abgeschrieben.
Abu Dhabi Mar erhielte mit HSY Zugang zu einer U-Boot-Werft im östlichen Mittelmeer und damit in strategisch günstiger Lage. Die griechische Regierung wiederum könnte eine Insolvenz der unterbeschäftigten Werft mit rund 1200 Arbeitern abwenden.
Kursinformationen und Charts
  ThyssenKrupp 13,345 EUR  [-0.535 -3,85%
Ende vergangener Woche waren die Gespräche über den Verkauf von HSY schon einmal ins Stocken geraten. Nach Marathonverhandlungen am Wochenende hatten sich die beteiligten Parteien dann jedoch auf den Mammutvertrag einigen können. Der sollte bereits am Dienstag um 18 Uhr auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Evangelos Venizelos vorgestellt werden.
Doch dazu kam es nicht. Nur wenige Stunden zuvor wurden nach FTD-Informationen neue Forderungen der griechischen Marine laut, die dann beim Verteidigungsminister Gehör fanden und die Einigung zunichte machten.
Werft steht vor der Insolvenz
Ein Gespräch zwischen Griechenlands Ministerpräsident Giorgios Papandreou und Verteidigungsminister Venizelos soll nun endgültig Klarheit bringen. Sollte es zu keinem Ergebnis kommen, muss HSY dem Vernehmen nach kurzfristig Insolvenz anmelden.
Schon seit 2005 streitet ThyssenKrupp mit der griechischen Regierung über die Bezahlung von vier U-Booten. Immer wieder hatten Regierungsvertreter des hoch verschuldeten Landes technische Mängel reklamiert und eine Abnahme verweigert. Den Essenern kam daher das Interesse von Abu Dhabi Mar an einer Übernahme von 75,1 Prozent an der Werft sehr gelegen. Eine Grundsatzvereinbarung darüber wurde mit Abu Dhabi Mar und der griechischen Regierung im März geschlossen.
Dieses Abkommen sah bisher auch eine Neuordnung der Aufträge für die Werft vor. So sollen die Griechen nach dem Willen von Abu Dhabi Mar noch zwei weitere U-Boote der Klasse 214 im Wert von 1 Mrd. Euro bestellen, um die Werft auszulasten.
Zur Finanzierung des Auftrags habe Abu Dhabi Mar Darlehen zugesichert, hieß es. Daneben soll Griechenland die U-Boote abnehmen, damit ein Weiterverkauf an Dritte möglich ist. Zudem werden die Griechen aufgefordert, an ThyssenKrupp rund 300 Mio. Euro zu überweisen, um offene Rechnungen aus dem U-Boot-Auftrag zu begleichen.
Die Araber übernehmen unter anderem auch Anteile an der ThyssenKrupp-Werft Blohm + Voss.
18:47:19 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
ThyssenKrupp 13,345 EUR   -3,85%  -0.535
  • Aus der FTD vom 10.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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