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29.10.2010, 17:43
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Künftiger Vorstandschef:
Koch findet seinen Wechsel zu Bilfinger vorbildlich
Eigentlich ist es für ihn ein Freudentag: Der Christdemokrat wird Chef eines Weltkonzerns und wird dort prima verdienen. Doch der ehemalige Landesvater Hessens muss sich Vetternwirtschaft vorwerfen lassen, weil sein Wechsel in die Wirtschaft ohne Schamfrist erfolgt. Koch kontert die Kritik.
von Annette Berger
Die Berufung von Hessens ehemaligem Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) zum Vorstandschef bei
Bilfinger Berger löst auch eine Reihe negativer Rektionen aus: zum einen von einstigen politischen Gegnern, die ihm eine Interessenverquickung vorwerfen.
Zum anderen bewertet die Börse die Auswahl des gelernten Juristen an die Spitze eines der wichtigsten Bauunternehmen der Bundesrepublik kritisch, was sich am Aktienkurs ablesen lässt.
Roland Koch musste nicht lange nach einem neuen Job suchen
Bilfinger teilte am Freitagmittag mit, sich für den - jahrelang sehr mächtigen - CDU-Politiker entschieden zu haben, der sogar eine Zeitlang als Anwärter auf das Bundeskanzleramt galt. "Die immer wieder bewiesene Führungskraft von Roland Koch ist die beste Voraussetzung, die sehr erfolgreiche Entwicklung von Bilfinger Berger fortzusetzen und das Unternehmen in eine gute Zukunft zu führen", begründete Aufsichtsratschef Bernhard Walter die Entscheidung.
Kritik an reibungslosem Seitenwechsel
Der Chef der Partei Die Linke, Klaus Ernst, kritisierte die Personalie scharf. Er sagte der Nachrichtenagentur DAPD: "Die Grenzen des politischen Anstands sind eindeutig überschritten". Als Ministerpräsident habe der CDU-Politiker den Bau der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens durchgekämpft. Den Auftrag dazu habe der zu einem Drittel im Landesbesitz befindliche Flughafenbetreiber
Fraport ausgerechnet an Bilfinger Berger vergeben. Jetzt wechsele Koch als Chef dorthin. Auch Hessens Grüne sehen den Wechsel kritisch.
Kursinformationen und Charts
Koch verteidigte sich in einer Telefonkonferenz. In Deutschland wechselten viel zu wenige Menschen zwischen den Lagern. "Ich glaube in der Tat, dass wir in Deutschland eher eine bedauernswert geringe Tendenz zum Wechsel zwischen Wirtschaft und Politik haben. Ich glaube, dass darunter beide Seiten leiden." Der Austausch von Erfahrungen sei unersetzlich.
Zwischen 1999 bis 2003 sei er zwar Chef des Aufsichtsrats bei Fraport gewesen. Aber Aufsichtsräte würden nun mal keine Aufträge an Unternehmen vergeben. "Ich kann mich nicht
erinnern, je mit einem solchen Fall zu tun gehabt zu haben."
Koch hatte im Mai überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt und war Ende August nach elf Jahren an der hessischen Regierungsspitze aus dem Amt geschieden, um in die Wirtschaft zu wechseln. Danach hatten Medien mehrmals über Vertragsverhandlungen des CDU-Mitglieds mit dem Unternehmen berichtet, die zunächst aber von beiden Seiten dementiert worden waren.
Als seine Berufung am Freitag offiziell wurde, reagierten Anleger skeptisch. Die Bilfinger-Aktie, die schon seit dem Morgen nachgegeben hatte, vergrößerte ihre Verluste und gab bis zu 4,8 Prozent nach. Am Abend wurde das Papier mit einem Minus von 3,3 Prozent gehandelt.
Dass Kochs Berufung am Freitag bekanntgegeben würde, war erwartet worden. Seit Anfang des Jahres hat das Bilfinger-Papier mehr als zwei Prozent eingebüßt.
Der 52-Jährige wird mit Wirkung zum 1. März 2011 zum Vorstandsmitglied bestellt. Ab 1. Juli 2011 tritt er die Nachfolge des heute 62-jährigen Herbert Bodner als Vorstandsvorsitzender an.
Teil 2: Was er anpacken muss und was er verdient
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FTD.de, 29.10.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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