Für deutsche Firmen werden Deals in den USA durch den Kursrutsch des Euro teurer - entweder weil sie in der Heimatwährung gerechnet mehr bezahlen oder wegen Kosten für Sicherungsgeschäfte. Aktuelles Beispiel ist der Softwarekonzern SAP mit der Übernahme von Sybase. In Großbritannien droht der Deutschen Bahn ein höherer Preis für den Kauf des Wettbewerbers Arriva .
"Die Schwankungen sind derzeit extrem und liegen deutlich über dem, was wir historisch gesehen haben", sagte Dirk Albersmeier, Leiter der Fusionsberatung von JP Morgan in Deutschland. "Von daher ist es momentan ausgesprochen schwierig, die möglichen Auswirkungen zukünftiger Währungsschwankungen bei M&A-Transaktionen einzuschätzen."
In den vergangenen Wochen hat der Euro wegen der Schuldenkrise abgewertet - zuletzt auf ein Vierjahrestief. Erst wurde Griechenland de facto zahlungsunfähig, dann rückten die Schuldenberge im restlichen Europa in den Blickpunkt. M&A-Experten sagen zwar praktisch durchweg, dass die Währungsrelation bei einer Übernahme kein ausschlaggebender Faktor sei. Entscheidend bleiben Fragen wie die Position des Zielunternehmens in bestimmten Regionen oder Endmärkten. "Wenn man ein strategisches Ziel hat, ist der Währungskurs nach meiner Erfahrung kein entscheidendes Hindernis", sagte Joachim von Falkenhausen, Partner der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins.
"Bei M&A-Transaktionen stehen natürlich strategische Überlegungen im Vordergrund", sagte auch Volker Brühl, Bereichsvorstand Unternehmensfinanzierung bei der WestLB. Dennoch spiele der starke Kursverfall des Euro eine Rolle: Übernahmeziele im Dollar-Raum für Käufer aus dem Euro-Raum würden teurer und andersherum. "Je nach Erwartung über die künftige Wechselkursentwicklung kann es daher sinnvoll sein, geplante Transaktionen zu beschleunigen oder zu verschieben", sagte Brühl. JP-Morgan-Banker Albersmeier sagte: "Währungskurse und Währungsrisiken sind mittlerweile schon ein Gesichtspunkt bei internationalen M&A-Transaktionen."
Als vor zwei Jahren der Dollar absackte, begünstigte das umgekehrt Zukäufe in den Vereinigten Staaten. Der Medizinkonzern Fresenius nannte das damals als einen Faktor beim Kauf des US-Konzerns APP.
Generell spielen Devisenkurse eine geringere Rolle für weltweit agierende Unternehmen, wenn sie in verschiedenen Währungsräumen produzieren und sich in Landeswährung finanzieren. "Dann gleichen sich positive und negative Effekte aus Währungseffekten zumindest teilweise aus" , sagte Brühl.
SAP kündigte vorige Woche an, den US-Konkurrenten Sybase für 5,8 Mrd. $ zu kaufen. Allein der Euro-Verfall am Wochenende machte für den Konzern 500 Mio. Euro Unterschied aus, berechnete Reuters. Ob der Konzern mit Währungsgeschäften vorsorgt, lässt er offen. Denn die kosten ihrerseits Gebühren. SAP erwäge Absicherungen, so Finanzchef Werner Brandt. "Dabei muss aber immer das Risiko im Verhältnis zu den Absicherungskosten gesehen werden", sagte er.
Die Bahn kauft den britischen Nahverkehrsanbieter Arriva für gut 2,4 Mrd. Pfund. Auch gegen die britische Währung hat der Euro verloren. Zu möglichen Sicherungsgeschäften äußert sich die Bahn nicht. Ohne solche Geschäfte wird der Kauf nach aktuellem Stand rund 27 Mio. Euro teurer. Der Chemiekonzern BASF bietet momentan für den deutschen Konkurrenten Cognis. Primär berührt ihn der Währungskurs zwar nicht. Sollte es allerdings noch Mitbieter aus den USA geben, könnten die den Kaufpreis von rund 3 Mrd. Euro leichter stemmen.