Man darf
Igor Jussufow durchaus einen Strohmann nennen. Denn es ist zwar der frühere russische Energieminister, der die insolventen Wadan-Werften in Rostock und Wismar vor dem Aus bewahrt hat. Hinter der Übernahme des Traditionsunternehmens stehen aber mehrere staatliche und halbstaatliche Investoren mit Nähe zur russischen Regierung. Und die verfolgen ein klares strategisches Interesse an den Werften.
Dass es Jussufows Geldgeber bei ihrem Engagement auf deutsche Schiffbautechnologie abgesehen haben, ist dabei ein vollkommen legitimes Motiv. Es ist das Recht jedes Investors, sich den Zugriff auf das Know-how übernommener Konzerne zu sichern. Das gilt selbst dann, wenn es sich bei dem Käufer um staatliche Investoren handelt. Auch wenn bei dem Wadan-Deal manch einer ein mulmiges Gefühl haben mag - es wäre albern zu behaupten, der künftige Einfluss Moskaus bei den Werften sei eine Gefahr für deutsche Sicherheitsinteressen oder schädige die Wirtschaft des Landes.
So wie russische Geldgeber die gleichen Rechte genießen wie alle anderen Investoren, so müssen sie auf der anderen Seite auch akzeptieren, dass für sie hierzulande die gleichen Spielregeln gelten. Selbstverständlich ist das für die russische Seite aber keineswegs: Weil bei staatlichen Unternehmen aus dem Putin-Reich ökonomische und politische Motive häufig ineinandergreifen, ist dort die Auffassung verbreitet, dass große Deals wie dieser oft auf einem - politischen - Gegengeschäft beruhen.
Hierin besteht die wahre Gefahr des Geschäfts: Die deutsche Seite - inklusive der Kanzlerin, die die Rettung des Unternehmens aus ihrer Heimat zur Chefsache gemacht hat - muss aufpassen, dass sie sich gegenüber Moskau nicht erpressbar macht. Sie sollte keinen Zweifel daran lassen, dass die Wadan-Rettung mit russischer Hilfe für sie eine rein wirtschaftliche Angelegenheit ist - und dass es politische Gegenleistungen wie etwa die Unterstützung bei strategischen Energieprojekten nicht geben wird.