FTD.de » Unternehmen » Industrie » Solarworld bohrt das Erzgebirge an
Merken   Drucken   25.03.2011, 17:16 Schriftgröße: AAA

Lithium für Batterien: Solarworld bohrt das Erzgebirge an

Die Bonner erkunden das Erzgebirge auf der Suche nach einem Rohstoff für Hightech-Batterien. Dort vermutet Solarworld einen Schatz: das größte Lithium-Vorkommen Europas im Wert von 3 bis 4 Mrd. Euro. Doch der Plan hat einen Haken.
© Bild: 2008 AP
Die Bonner erkunden das Erzgebirge auf der Suche nach einem Rohstoff für Hightech-Batterien. Dort vermutet Solarworld einen Schatz: das größte Lithium-Vorkommen Europas im Wert von 3 bis 4 Mrd. Euro. Doch der Plan hat einen Haken.
von Michelle Röttger

Im tiefsten Erzgebirge direkt an der Grenze zu Tschechien liegt Zinnwald-Georgenfeld. Längst sind die goldenen Zeiten vorbei, in denen der Bergbau das Leben in der 700-Seelen-Gemeinde in Sachsen bestimmte. Das Einzige, womit sich die Ansiedlung in über 900 Meter Höhenlage heute noch brüsten kann, ist, der kälteste bewohnte Ort Deutschlands zu sein.

Blickt gern über den Tellerrand: Solarworld-Chef Frank Asbeck ...   Blickt gern über den Tellerrand: Solarworld-Chef Frank Asbeck wollte auch schonmal bei Opel einsteigen

Ausgerechnet hier plant der Photovoltaik-Konzern Solarworld  sein neustes Prestigeprojekt: Die Erkundung für eine Lithium-Mine. Die in der Fachsprache so genannte "Aufsuchungserlaubnis" hat das Oberbergamt in Freiberg jetzt erteilt. Das Gestein in den alten Abbaugebieten enthält das vermutlich größte Vorkommen Europas - mit einem geschätzten aktuellen Marktwert von 3 bis 4 Mrd. Euro.

Lithium ist ein weiß-silbriges Leichtmetall, das vor allem bei der Herstellung von leistungsfähigen Batterien sowie Keramik- und Glaswaren gebraucht wird. Solarworld-Chef Frank Asbeck wittert gegenüber der "FAZ" "ein großes Geschäft". Ziel sei, "den Rohstoff für die Solarspeicher von morgen zu sichern". Die Vision: Kunden speichern ihren Solarstrom von Solwarworld in Batterien von Solarworld.

Kursinformationen und Charts
   [ %

Ein Manko hat der Plan: Ein Abbau in Sachsen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirtschaftlich. Asbeck gilt nicht nur als Vordenker in der Solarbranche, sondern ist auch für seine ausgefallenen Ideen bekannt - wie etwa das Angebot, den angeschlagenen Autobauer Opel zu übernehmen.

Ist der Abbau von Lithium in Deutschland also eine geniale und vorausschauende Taktik? Ist der Plan wahnwitzig - oder nur ein geschickter Werbeschachzug?

Akkus für E-Auto

Im Moment wird weltweit ausreichend Lithium gefördert. Die weitere Entwicklung hängt jedoch stark am Erfolg der Elektromobilität. Die Bank Credit Suisse  schätzt beispielsweise, dass der Lithiumbedarf nach 2015 weltweit stark steigen wird - von aktuell sieben auf 14 Prozent im Jahr.

80 Prozent der rund 25.000 Tonnen weltweiter Produktion decken momentan vier Unternehmen ab: SQM aus Chile, Talsion aus Australien, die zu Rockwood gehörende Chemetall mit Hauptsitz in Frankfurt und der US-Chemikalienhersteller FMC.

Zwei Drittel des Lithiums werden aus Salzseen gewonnen. Das kostet 2 Dollar pro Kilo, und die Methode ist simpel: Salz aufreißen, es mit Wasser und Soda mischen, die Flüssigkeit filtrieren und dann das überschüssige Wasser verdunsten lassen. Übrig bleibt Lithiumcarbonat.

Kosten im Bergbau sind höher

Die Gewinnung im Bergbau ist deutlich komplexer und erfordert mehr Energie und Ausrüstung. Mineralvorkommen mit Anteilen von fünf bis sieben Prozent Lithiumoxid können wirtschaftlich zu Kosten von rund 4,5 Dollar pro Kilogramm abgebaut werden. Der Anteil im Mineral aus Sachsen liegt wahrscheinlich nur bei 1,2 bis 1,4 Prozent. Das heißt, die Kosten pro Kilo wären sogar noch höher.

Teil 2: Aus Bolivien droht starke Konkurrenz

  • FTD.de, 25.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler