Im tiefsten Erzgebirge direkt an der Grenze zu Tschechien liegt Zinnwald-Georgenfeld. Längst sind die goldenen Zeiten vorbei, in denen der Bergbau das Leben in der 700-Seelen-Gemeinde in Sachsen bestimmte. Das Einzige, womit sich die Ansiedlung in über 900 Meter Höhenlage heute noch brüsten kann, ist, der kälteste bewohnte Ort Deutschlands zu sein.
Ausgerechnet hier plant der Photovoltaik-Konzern Solarworld sein neustes Prestigeprojekt: Die Erkundung für eine Lithium-Mine. Die in der Fachsprache so genannte "Aufsuchungserlaubnis" hat das Oberbergamt in Freiberg jetzt erteilt. Das Gestein in den alten Abbaugebieten enthält das vermutlich größte Vorkommen Europas - mit einem geschätzten aktuellen Marktwert von 3 bis 4 Mrd. Euro.
Lithium ist ein weiß-silbriges Leichtmetall, das vor allem bei der Herstellung von leistungsfähigen Batterien sowie Keramik- und Glaswaren gebraucht wird. Solarworld-Chef Frank Asbeck wittert gegenüber der "FAZ" "ein großes Geschäft". Ziel sei, "den Rohstoff für die Solarspeicher von morgen zu sichern". Die Vision: Kunden speichern ihren Solarstrom von Solwarworld in Batterien von Solarworld.
Ein Manko hat der Plan: Ein Abbau in Sachsen ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirtschaftlich. Asbeck gilt nicht nur als Vordenker in der Solarbranche, sondern ist auch für seine ausgefallenen Ideen bekannt - wie etwa das Angebot, den angeschlagenen Autobauer Opel zu übernehmen.
Ist der Abbau von Lithium in Deutschland also eine geniale und vorausschauende Taktik? Ist der Plan wahnwitzig - oder nur ein geschickter Werbeschachzug?
Im Moment wird weltweit ausreichend Lithium gefördert. Die weitere Entwicklung hängt jedoch stark am Erfolg der Elektromobilität. Die Bank Credit Suisse schätzt beispielsweise, dass der Lithiumbedarf nach 2015 weltweit stark steigen wird - von aktuell sieben auf 14 Prozent im Jahr.
80 Prozent der rund 25.000 Tonnen weltweiter Produktion decken momentan vier Unternehmen ab: SQM aus Chile, Talsion aus Australien, die zu Rockwood gehörende Chemetall mit Hauptsitz in Frankfurt und der US-Chemikalienhersteller FMC.
Zwei Drittel des Lithiums werden aus Salzseen gewonnen. Das kostet 2 Dollar pro Kilo, und die Methode ist simpel: Salz aufreißen, es mit Wasser und Soda mischen, die Flüssigkeit filtrieren und dann das überschüssige Wasser verdunsten lassen. Übrig bleibt Lithiumcarbonat.
Die Gewinnung im Bergbau ist deutlich komplexer und erfordert mehr Energie und Ausrüstung. Mineralvorkommen mit Anteilen von fünf bis sieben Prozent Lithiumoxid können wirtschaftlich zu Kosten von rund 4,5 Dollar pro Kilogramm abgebaut werden. Der Anteil im Mineral aus Sachsen liegt wahrscheinlich nur bei 1,2 bis 1,4 Prozent. Das heißt, die Kosten pro Kilo wären sogar noch höher.
Teil 2: Aus Bolivien droht starke Konkurrenz