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Merken   Drucken   01.08.2012, 16:10 Schriftgröße: AAA

Loser, Peanuts, Bullshit Castle: Wenn Manager die Wut packt

Josef Ackermann macht sich auf Englisch seinem Ärger Luft und nennt seine Nachfolger "Loser". Klartext reden kann man aber auch auf Schwäbisch, zeigt ein anderes Beispiel. Die FTD hat Wutausbrüche von Wirtschaftsführern gesammelt.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Arne Dedert
Josef Ackermann macht sich auf Englisch seinem Ärger Luft und nennt seine Nachfolger "Loser". Klartext reden kann man aber auch auf Schwäbisch, zeigt ein anderes Beispiel. Die FTD hat Wutausbrüche von Wirtschaftsführern gesammelt.

Dass Josef Ackermann seine Nachfolger in der Chefetage in einer kleinen Runde "Verlierer" nannte, sorgt für öffentlichen Ärger. Der frühere Chef der Deutschen Bank weiß sich aber in guter Gesellschaft. Mit einem echten Manager geht auch mal das Temperament durch - hier einige Beispiele.

Josef Ackermann hält offenbar nicht viel von seinen Nachfolgern   Josef Ackermann hält offenbar nicht viel von seinen Nachfolgern

Die Finanzwelt redet Englisch, und da bietet es sich aus Sicht von Josef Ackermann offenbar an, mit einem Schimpfwort in dieser Sprache zusammenzufassen, was man von seinen Nachfolgern hält. Als "Loser", also Verlierer habe der frühere Vorstandschef der Deutschen Bank seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen betitelt, erfuhr die FTD aus Kreisen des Geldinstituts. Überliefert sind die Äußerungen aus einer kleinen Runde.

Ackermann war gegen die neue Doppelspitze, die das Geldhaus führt und hatte den Aufsichtsrat vor Risiken aus dem Investmentbanking gewarnt. Dieses wird von Jain verantwortetet. Unter anderem durch die Affäre um den Interbankenzins Libor sehe sich der Ex-Chef nun in seiner Kritik bestätigt, hieß es jetzt. Die Deutsche Bank  lehnte einen Kommentar dazu ab, Ackermann war zunächst nicht erreichbar. Am Mittwochmorgen ließ der ehemalige Bankchef über einen Sprecher ausrichten, "er weise diese böswillige Behauptung zurück."

In dieser Liste kommen auffallend häufig Chefs der Autobranche vor. Vielleicht neigen die in vielen Fällen aus Ingenieursberufen an die Spitze gelangten Manager ganz einfach zu Klartext.

Martin Winterkorn etwa ist gelernter und promovierter Metallkundler und Metallphysiker und versteht viel von Qualitätssicherung.

Mit einem Video wurde der VW -Chef im Herbst 2011 unverhofft zum Youtube-Star. Der von einem unbekannten Geistesgegenwärtigen gefilmte Dokument zeigt Winterkorn auf der Automobilmesse IAA in Frankfurt. Er steigt in den neuen - von Experten gelobten - Hyundai i30 und bemerkt schließlich missmutig bei einem Detail am Fahrzeug: "BMW  kann es nicht. Wir können es nicht. Warum kann es denn der?" Und an einer anderen Stelle: "Do scheppert nix".

Handwerkerrechnungen hatten in seiner Wahrnehmung nicht den ...   Handwerkerrechnungen hatten in seiner Wahrnehmung nicht den richtigen finanziellen Wumms: Hilmar Kopper

Schon wieder sind wir bei der Deutschen Bank. Dieses Beispiel zeigt, dass es oft darauf ankommt, wie ein Wort benutzt wird. Die eigentlich harmlosen Peanuts, also Erdnüsse, mussten 1994 sogar als "Unwort des Jahres" herhalten. Und schuld daran war ein Banker.

In den Mund genommen hatte sie Hilmar Kopper, damaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Peanuts, also Kleckerbeträge, waren aus Koppers Sicht offene Handwerkerrechnungen im Wert von damals 50 Mio. Mark. Hintergrund war die Pleite des Immobilienunternehmers Jürgen Schneider. Kopper verglich die Handwerkerrechnungen aus der Insolvenz mit den gesamten Forderungen von 5 Mrd. Mark, die etliche Banken gegen Schneider hatten. Der Ausspruch bescherte der Deutschen Bank einen immensen Imagschaden - und wird heute noch mit dem Institut in Verbindung gebracht.

Franz Fehrenbach, heute Bosch-Aufsichtsratschef, sagte den Bankern ...   Franz Fehrenbach, heute Bosch-Aufsichtsratschef, sagte den Bankern die Meinung

Der damalige Bosch -Chef Franz Fehrenbach drohte im Herbst 2010 Banken mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen, wenn sie übertriebene Erfolgsprämien an ihre Mitarbeiter zahlen. "Ist eine Bank der Meinung, die Finanzierung von Boni sei ein Unternehmenszweck, dann machen wir mit ihr keine Geschäfte mehr", sagte Fehrenbach. Hintergrund war der Ärger darüber, dass einige Geldhäuser kurz nach der schlimmsten Zeit der Finanzkrise schon wieder Milliardenboni zahlten, obwohl die Institute kurz zuvor durch Steuergeld gerettet worden waren.

Die Drohung hatte Bosch schon im Voraus wahr gemacht und machte zumindest mit einem Geldhaus keine Geschäfte mehr. Mit welchem, wollte er nicht verraten.

Mit seinem Feldzug brach Fehrenbach ein Tabu. Denn auch wenn der Ärger mancherorts groß sein mochte - die Kraftprobe mit ihren Geldgebern wagen weder kleine noch große Unternehmen, schon gar nicht öffentlich.

Sportwagen eignen sich aus seiner Sicht nicht für jeden: ...   Sportwagen eignen sich aus seiner Sicht nicht für jeden: Ex-Audi-Chef Franz-Josef Paefgen

Rückblick in die 90er-Jahre. Wir schreiben die Zeit, als es noch nicht lange her ist, dass Audi -Fahrzeuge als bieder galten. Das Image der Ingolstädter VW-Tochter hatte gerade einen einzigartigen Wandel hinter sich: weg vom Spießer-Auto und hin zum sportlichen Überflieger. Und diesen neuen guten Ruf wollte sich der damalige Chef des Premiumherstellers Franz-Josef Paefgen auf keinen Fall zerstören lassen.

Auch nicht durch tödliche Unfälle, mit denen der Audi TT in die Schlagzeilen geriet, weil er in einigen Fällen für die Fahrer nicht mehr beherrschbar war und aus der Kurve ausbrach.

Auch wenn es heftige Debatten in der Presse über den Audi TT gab - Paefgen war lange der Meinung, Unfallursache sei das mangelnde Können der Autofahrer, und der Manager sagte das auch klar. Eines seiner Zitate von damals liest sich so: "Ich glaube nach wie vor nicht, dass die Eigenschaften des Autos das Hauptproblem sind, sondern die nicht enden wollende Diskussion darüber." Der TT sei unterdurchschnittlich häufig an Unfällen beteiligt. "Das Auto ist auf dem Stand der Technik", sagte der Audi-Chef.

Er mussts schließlich nachgeben. Der Hersteller rüstete den Wagen schließlich technisch nach. Audis schlechtes Krisenmanagement aus dieser Zeit ist heute ein Negativbeispiel für Fachleute in der Unternehmenskommunikation.

Sergio Marchionne kann grimmig gucken und richtig zornig werden   Sergio Marchionne kann grimmig gucken und richtig zornig werden

Deftige Sprüche in Richtung Konkurrenz sind ein Markenzeichen von Sergio Marchionne. Doch mit seiner "Blutbad"-Attacke überspannte der streitlustige Fiat-Boss in der vergangenen Woche den Bogen - zumindest aus der Sicht des VW-Konzerns, den Marchionne attackierte.

VW  forderte im Zuge der Auseinandersetzung, der Italo-Kanadier solle als Chef von Europas Autoverband Acea zurücktreten.

Marchionne hatte der New York Times" dem Volkswagen-Konzern eine rücksichtslose und zerstörerische Preispolitik vorgeworfen. "Bei der Preisgestaltung gibt es ein Blutbad. Das ist ein Blutbad bei den Margen", zitierte ihn das US-Blatt. Indem die Wolfsburger aggressive Rabatte gewährten, nutzten sie die Krise, um Marktanteile zu gewinnen.

Als Hintergrund der Äußerungen des Fiat -Chefs gelten die Absatzprobleme des italienischen Autobauers. Der Fahrzeugmarkt in der EU ist seit Monaten auf Talfahrt. Die Italiener leiden darunter stark.

Heute ist "Bullshit Castle" längst verkauft. Jürgen ...   Heute ist "Bullshit Castle" längst verkauft. Jürgen Schrempp gab dem Gebäude seinen Spitznamen

Noch eine Reise in die 90er-Jahre. Es ist die Zeit vor Mai 1995, also bevor Jürgen Schrempp Chef von Daimler-Benz wird. Schrempp nannte die Zentrale des Autobauers in Stuttgart mit insgesamt 3400 Beschäftigten "Bullshit Castle".

Kurz nach seinem Amtsantritt erklärte er dann bei einem Führungskräftetreffen, was er genau er mit "Bullshit Castle" meinte: Es ginge nicht an, dass die Töchter wie Mercedes-Benz, AEG oder die damalige Dasa in den vergangenen vier Jahren "annähernd 80.000 Stellen" streichen mussten - die Zentrale aber immer üppiger werde und munter das Personal aufstocke.

Sprach's und kündigte einen Stellenabbau im Management an. Als eiserner Sanierer sollte Schrempp schließlich nicht in die Geschichte eingehen, sondern als der Daimler -Chef, der das Unternehmen mit dem überteuerten Kauf des US-Herstellers Chrysler herunterwirtschaftete.

  • FTD.de, 01.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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